Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Liebhaber Geld aus der Tasche gemogelt – St.Galler Gericht verurteilt 57-jährige Frau



Die Vorinstanz hat sie vor einem Jahr noch freigesprochen, das Kantonsgericht hat nun einen Schuldspruch gefällt: Eine 57-jährigen Frau ist wegen Betrugs zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden und muss ihrem ehemaligen Freund 113'000 Franken zurückzahlen.

Das Kantonsgericht St.Gallen hat den Entscheid des Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland vom 12. August 2015 in zwei Ziffern aufgehoben und die Beschuldigte des Betrugs schuldig erklärt. Es zeigte sich damit überzeugt, dass sie einem sieben Jahre älteren Mann Liebesgefühle vorgespielt hat, um ihn zu mehreren Bargeldübergaben zu überreden. Die beiden hatten sich über eine Dating-Plattform kennengelernt.

Den Schaden ersetzen

Die Beschuldigte hat auch Freisprüche erhalten. So sah es das Gericht als nicht erwiesen an, dass sie vom Privatkläger zu Unrecht Reisekosten nach Brasilien erhalten hat und für den Verlust beim Wiederverkauf eines teuren Autos verantwortlich ist.

Für den Schuldspruch des Betrugs erhält sie eine bedingte Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu je 210 Franken. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Sie wird verpflichtet, dem Privatkläger 113'000 Franken Schadenersatz zu zahlen. Zudem geht ein Grossteil der Anwaltskosten des Mannes zu ihren Lasten. Diese Summe beläuft sich auf rund 10'000 Franken.

Hals über Kopf verliebt

Schon beim ersten Treffen habe er sich Hals über Kopf in die Frau verliebt, hatte der Mann an der Berufungsverhandlung vom Dienstag erklärt. Sie habe ihn raffiniert dazu gebracht, ein viel teureres Auto als gedacht zu kaufen, eine Reise für beide zu buchen, luxuriös Essen zu gehen und ihr immer wieder grössere Bargeldsummen zu übergeben. Sie hätten besprochen, eine neue Familie zu gründen und eventuell nach Brasilien, der ehemaligen Heimat der Frau, auszuwandern. Die Beschuldigte habe ihn völlig in der Hand gehabt.

Der Mann leidet seit mehreren Jahren an einer psychischen Krankheit und lebt deswegen von seiner Ehefrau getrennt. Als Familienmitglieder vom teuren Autokauf und der Ferienreise erfuhren, erwirkten sie einen befristeten fürsorgerischen Freiheitsentzug. Auch wurde die Frage aufgeworfen, ob der Mann bevormundet werden soll.

Einige Monate später kam zu einer Anzeige, einem Strafverfahren und im August 2015 zu einer Gerichtsverhandlung am Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland. Die Frau erhielt einen Freispruch. Gegen diesen Entscheid legte der Kläger Berufung ein.

Über den Tisch gezogen

Die Beschuldigte habe seinen Mandanten nach Strich und Faden über den Tisch gezogen, betonte der Rechtsvertreter des Mannes vor Gericht. Sie habe seine bipolare psychische Störung und labile Persönlichkeit ausgenutzt, um sich von ihm ihren aufwändigen Lebensstil bezahlen zu lassen.

Der Verteidiger hatte hingegen beantragt, die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen. Das erstinstanzliche Urteil sei fundiert begründet und beleuchte alle Aspekte dieses Falles. Die Beschuldigte sei gut beleumundet und habe noch nie finanzielle Probleme gehabt. Der Vorwurf, sie habe Geld vom Privatkläger ergaunert, sei haltlos. Das am Donnerstag schriftlich eröffnete Urteil des Kantonsgerichts St.Gallen ist noch nicht rechtskräftig. (sda)

Im Namen des Rechts: Diese Justizfälle haben die Schweiz bewegt

«Er ist unschuldig?» – wie Luanas Traum von der Freiheit vor dem Aargauer Obergericht jäh platzte

Link zum Artikel

Kondome, Viagra, Medienstelle: Der «Rollstuhl-Bomber» erzählt vor Gericht krude Romane

Link zum Artikel

«Wir sind durch die Hölle gegangen» – Das sagt der Schlieremer Polizist zum Bundesgerichtsentscheid

Link zum Artikel

«Fall Walker»: Das Obergericht übt sich in Schadensbegrenzung

Link zum Artikel

Eine lesbische Liebe, Kokain-Sucht und Salmiakgeist, 12 Prozent: Der Mordprozess Hochweid

Link zum Artikel

Carlos vor Gericht: Ein schweigender Trötzler

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pamayer 22.09.2016 19:43
    Highlight Highlight Wieder so eine scheiss story: Schöne Augen machen und dann ans Portemonnaie. Und die Verwandtschaft muss ihn oder sie da wieder rausboxen.

    Wenn Männer sowas tun, gibt es sogar eine kavaliersdelikthafte Bezeichnung dafür: heiratsschwindler.

Verurteilt wegen Rassendiskriminierung – Jung-SVP-Chef könnte Job als Polizist verlieren

Wegen eines Wahlplakats wurden die Co-Präsidenten der Jungen SVP des Kantons Bern zu bedingten Geldstrafen verurteilt. Wird das Urteil rechtskräftig, droht Jungpolitiker Adrian Spahr im schlimmsten Fall die Entlassung: Er ist als Kantonspolizist in Basel tätig.

Das Plakat, das zur erstinstanzlichen Verurteilung der beiden Co-Präsidenten Nils Fiechter und Adrian Spahr geführt hat, kam während der JSVP-Kampagne für die Berner Kantonalwahlen im Frühjahr 2018 zum Einsatz. Es brachte Fahrende mit  «Schmutz, Fäkalien, Lärm, Diebstahl etc.» in Verbindung. «Wir sagen NEIN zu Transitplätzen für ausländische Zigeuner», hiess es auf dem Plakat.

Das Regionalgericht Bern-Mittelland taxierte das Plakat und seine Sprache nun als Verstoss gegen das …

Artikel lesen
Link zum Artikel