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Reich, aber ohne Esprit

6 Anzeichen von Fortschritt, die ich in der Schweiz vermisse



Ist die Schweiz zu wenig innovativ?

Vor wenigen Monaten ging die Story eines Amerikaners viral, der Solarplatten entwickelte, mit denen er ganze Strassenzüge planieren wollte. Die Idee wurde vielerorts als unausgereifter Traum abgetan – nur in Holland nicht. Dort wurde der Wahnsinn einfach umgesetzt und seit wenigen Tagen darf man in Amsterdam einen Fahrradweg benutzen, der zugleich Strom erzeugt

epa04486581 A cyclist drives on the SolaRoad, the first road in the world made of solar panels, during the official opening in Krommenie, the Netherlands, 12 November 2014. The solar energy that will be generated on the cycle path can be used for, traffic lights, households and charging points for electric cars.  EPA/EVERT ELZINGA

Tadaaa! Soeben noch als Spinnerei abgetan, von den Holländern realisiert: Der Solarveloweg.  Bild: EPA/ANP

Und wissen Sie, was meine erste Reaktion darauf war? Eifersucht. Und dann folgte die Ernüchterung.

Ja, ich bin eifersüchtig auf die Holländer, die Schweden und die Dänen, welche scheinbar ein Exklusivrecht auf innovative Projekte im öffentlichen Raum besitzen.

Und die Ernüchterung? Die Schweiz ist das reichste Land der Welt. Wir hätten genügend finanzielle Mittel, um innovative Projekte zu realisieren – auch im öffentlichen Raum. Allein der Esprit dafür fehlt. 

Und deshalb hinken wir in diesen 6 Punkten der Weltspitze hinterher:

WLAN in den öffentlichen Verkehrsmitteln

In Schweden ist es Standard, in Norwegen wird es stetig ausgebaut, in Holland fahren die Schweizer Stadler-Züge in der Provinz damit herum, und auch in Deutschland wird es in absehbarer Zeit kommen: Gratis WLAN für Fahrgäste der nationalen Verkehrsbetriebe. 

Die SBB hingegen stellt sich quer. Es sei nicht ihre Aufgabe, WLAN zur Verfügung zu stellen, wenn dadurch ohnehin keine bessere Verbindung als über das reguläre Funknetz möglich wäre, heisst es von Seiten der SBB gegenüber dem Tagblatt. Stattdessen macht man das Rollmaterial 3G- und 4G-tauglich.

Auch bei anderen Verkehrsbetrieben herrscht Netzdürre: Löbliche Ausnahmen sind die Basler Verkehrsbetriebe, Baselland Transporte und die Postauto AG. Ausgerechnet aber in der Hauptstadt Bern ist kein WLAN geplant und im Finanzzentrum und Pendler-Mekka Zürich surft man in den S-Bahn-Zügen, den Trams und den Bussen auch auf eigene Kosten.

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Im Zug surfen oder Zugsurfen: der kleine, feine Unterschied. gif: gifbay.com

Vaterschaftsurlaub

Fortschritt ist nicht nur in technischen, sondern auch in gesellschaftlichen Bereichen erstrebenswert. In vielerlei Hinsicht ist die Schweiz hierbei vorbildlich. In Sachen Vaterschaftsurlaub gibt sie sich aber mit einem einzigen, gesetzlich garantierten Freitag etwa so progressiv wie die Westboro Baptist Church

Das einzige Gegenargument auch hier: Wer soll das bezahlen?

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Der Unterschied zwischen Mann und Frau in der Natur – und in der Schweiz – hinsichtlich Kinderzeit. gif: gifbay.com

Gleichberechtigung – wenigstens bei den Löhnen

Und wenn wir schon bei Männlein und Weiblein sind: Wenigstens in Reichweite mit Holland, Dänemark und Schweden ist die Schweiz hinsichtlich des Lohnunterschieds zwischen Mann und Frau – mit etwas weniger als 20 Prozent Lohnunterschied aber immer noch meilenweit davon entfernt, vorbildlich zu sein. Slowenien, Malta und Polen gilt es hier als Vorbild zu nehmen.

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Gleichberechtigung. Nicht bei den Löhnen, aber bei den Löwen. gif: gifbay.com

Anständige Velowege

Das Velo ist zwar des Schweizers Statussymbol, ein gut ausgebautes Veloweg-Netz aber kein Statussymbol von Schweizer Politikern. Obwohl – ich mutmasse hier – mit der Förderung der Velokultur gleichzeitig Verkehrs-, Umwelt- und Gesundheitsprobleme bekämpft werden könnten, werden Vorstösse dazu torpediert, als ginge es um die nationale Freiheit.  

Dass es anders geht, beweisen wiederum die Dänen und die Holländer; Länder mit weniger finanziellen Möglichkeiten, dafür mit einer anderen Prioritätensetzung.

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Der Hovenring in Eindhoven: Ein schwebender Kreisel nur für Velo- und Mofafahrer. video: youTube/BeeldtaalFilmmakers

Ökostrom

Abgesehen von der Wasserkraft ist die Schweiz ein absoluter Ökostrommuffel. Im europaweiten Vergleich produzieren wir pro Kopf knapp vor Ungarn am zweitwenigsten Wind- und Solarstrom. Der Grund dafür: «Die Schweiz hat den Anschluss völlig verschlafen», sagt Felix Nipkow, Projektleiter bei der Energiestiftung Schweiz dem Blick

Mitte 2014 warteten über 28'000 Solarprojekte in der Schweiz auf eine Subventionszusage.

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Windkraft wird in der Schweiz noch zu wenig genutzt. Dieses Schweizer Projekt könnte das allerdings ändern – und weltweit für Furore sorgen. video: youtube/Kanal von AgileWindPOwer

Hochgeschwindigkeitszüge

Herr und Frau Schweizer sind zwar Zugfahr-Weltmeister, die Schweizer Züge sind allerdings nicht gerade weltmeisterlich. Neben dem WLAN fehlt es Schweizer Zügen auch an Speed. Hochgeschwindigkeitszüge seien in der bergigen Schweiz zu teuer. Doch auch dort, wo keine Berge stehen, nehmen es unsere Züge gemütlich. 

Projekte, wie Magnetschwebebahnen zwischen Zürich und WinterthurBern und Zürich und St.Gallen und Genf bleiben Utopien. Aber das – und hier schliesst sich der Kreis – war die Strasse, welche Strom produziert, auch.

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