Schweiz
Rassismus

Rassistischer Facebook-Post: SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor verurteilt

Le conseiller national Jean-Luc Addor quitte le tribunal du district ce mardi 23 mai 2017 a Sion. Le Conseil central islamique suisse, CCIS, a depose une denonciation penale contre le politicien, l&#0 ...
Jean-Luc Addor vor dem Bezirksgericht in Sion.Bild: KEYSTONE

Rassistischer Facebook-Post: SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor verurteilt

17.08.2017, 11:1917.08.2017, 12:28

Der Walliser SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor ist wegen Verstosses gegen die Anti-Rassismusstrafnorm zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden. Er habe via die sozialen Netzwerke eine feindselige Haltung gegenüber Muslimen unterstützt oder sogar verstärkt.

Auslöser der Strafanzeige war ein Tweet sowie ein Facebook-Kommentar gewesen, den Addor am 22. August 2014 verbreitet hatte. Er schrieb darin über eine Schiesserei in einer Moschee in St. Gallen, bei der ein 51-jähriger Mann getötet worden war: «Wir wollen mehr davon!»

Islamische Zentralrat Schweiz klagte

Der Islamische Zentralrat Schweiz hatte nach diesen Äusserungen gegen Addor Strafanzeige wegen Rassendiskriminierung eingereicht. Das Bezirksgericht Sitten veröffentlichte am Donnerstag nun sein schriftliches Urteil zum Prozess, der bereits im Mai stattgefunden hatte.

Darin wird der SVP-Nationalrat wegen Rassendiskriminierung zu einer auf zwei Jahre bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 300 Franken verurteilt. Hinzu kommt eine Busse von 3000 Franken. Sollte er die diese nicht bezahlen, droht im eine Ersatzstrafe von zehn Tagen. Auch die Gerichts- und Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Verurteilten.

Kein Ironie erkennbar

Das Gericht begründet sein Urteil damit, dass Addor aufgrund seiner juristischen und politischen Erfahrung und seiner systematischen Stigmatisierung des Islams in den Wochen vor der Verbreitung des umstrittenen Tweets die Reaktionen, die er provoziere, hätte voraussehen müssen.

Ein durchschnittlicher Leser habe in den Kommentaren auf Addors Twitter- und Facebook-Konten zudem keine Ironie entdecken können. Vielmehr habe der SVP-Nationalrat den Eindruck erweckt, dass die Mitglieder der islamischen Religionsgemeinschaft Wesen seien, für die das Leben keinerlei Wert besitze. Mit seiner diskriminierenden Botschaft habe Addor eine feindselige Haltung gegenüber Muslimen unterstützt oder gar verstärkt. (whr/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
SVP Schwyz stellt ersten Kandidaten für Parmelins Nachfolge vor
Die Schwyzer SVP hat am Dienstag offiziell Regierungsrat André Rüegsegger als Nachfolger von Guy Parmelin vorgeschlagen. Den Westschweizer SVP-Fraktionen schwebt aber etwas anderes vor.
Dass den abtretenden Guy Parmelin ein Vertreter oder eine Vertreterin der SVP im Bundesrat ersetzen wird, ist unbestritten – an der Zauberformel, die (mit Unterbrüchen) seit 1959 besteht, wird diesmal nicht gerüttelt. Erst am Dienstagmorgen berichtete der «Tages-Anzeiger», dass die Grünen den Sitz Parmelins nicht angreifen werden.
Zur Story