Die SVP sucht noch Kandidaten: So einfach ist es, Bundesrat zu werden – bewirb dich!
Erst zwei Personen haben sich bereit erklärt, als Nachfolger von Guy Parmelin die SVP im Bundesrat zu vertreten. Bis morgen haben Unentschlossene noch Zeit. Die SVPler und SVPlerinnen scheinen sich vor dem Scheitern zu fürchten. Das verwundert. Denn so kompliziert ist das ja eigentlich gar nicht.
Falls du also in der SVP bist und noch mit dir ringst, ob du nun doch kandidieren sollst oder nicht, hier eine Anleitung:
So wirst du zur nächsten SVP-Bundesrätin oder -Bundesrat gewählt.
Die Minderheiten-Connection
Nicht unbedingt in deiner, aber in den anderen Parteien ist es den Leuten wichtig, dass Minderheiten vertreten sind. Einerseits gilt das für die verschiedenen Landesregionen der Schweiz und andererseits für die Geschlechter. Im Optimalfall bist du eine Frau und aus der französischen Sprachregion. Keine Angst, falls du diese Eigenschaften nicht besitzt, kannst du sie dir aneignen.
Bei Herkunft und Geschlecht gibt es eine klare Hierarchie: Herkunft vor Geschlecht. Die Vereinigte Bundesversammlung will eine möglichst kompetente Person im Bundesrat. Frauen machen die Hälfte der Bevölkerung aus. Es ist schon genug schwierig, in irgendeiner kleinen Randregion der Schweiz eine geeignete Person zu finden. Würde man also das Geschlecht gleich hoch bewerten, halbierte sich auch der Pool an fähigen Kandidaten – rein mathematisch gesehen.
Um welscher zu wirken, als man tatsächlich ist, gibt es verschiedene Strategien. Super wäre natürlich, wenn du aus einem bilingualen Kanton kommst. Nutze dabei jeweils stets die französische Bezeichnung deines Kantons. Gehe auch nochmals ein paar Franz-Voci durch und streue möglichst viele Gallizismen in deine Sätze (dasselbe wie Anglizismen, einfach franz.). Für den Grossteil der Deutschschweizer wirkst du so bereits genug französisch.
Von Vorteil ist auch, wenn du Familie in der Romandie hast. Am glaubhaftesten wäre natürlich, wenn das auf einen Elternteil von dir zutrifft. Eine Westschweizer Partnerin oder Partner würde auch nicht schaden. Schau mal deinen Familienstammbaum an. Vielleicht ist dein Grosi ja aus dem Jura.
Mach einfach alle Verbindungen, die du irgendwie zu der Romandie hast, öffentlich. Du hast deine Katze von einem Waadtländer Bauernhof – poste es auf Insta. Du hast die Rekrutenschule in Bière gemacht – erzähl es den Medien. Dein Vorname hat ein E drin – schreib dich mit Egü.
Da alle Frauen in der SVP mittlerweile wohl bekanntgegeben haben, ob sie kandidieren oder nicht, gehen wir mal davon aus, dass du ein Mann bist. Das ist gar kein Problem. Mobilisiere einfach ein paar kompetente Parteikolleginnen, die öffentlich bekanntgeben, dass sie Fähigkeit viel wichtiger finden als Geschlecht und sich dann hinter dich stellen.
Einige behaupten, es werde jemand «Junges» gesucht. Sie lügen. Das Durchschnittsalter im Bundesrat liegt aktuell bei 62 Jahren – exklusiv Parmelin. Selbst einige Boomer gelten in der Politik noch als jung. Jung ist also ein dehnbarer Begriff. Ausserdem sollen nicht zu viele Amtsperioden zwischen jetzt und deiner Pensionierung liegen. Niemand mag Sesselkleber. Irgendwann muss man auch mal den Jungen Platz machen.
Deine Gegner/-in
Der schwierigste Part ist, von der eigenen Partei nominiert zu werden. Voraussichtlich nur zwei Kandidaten schickt die SVP ins Rennen. Gib dich deshalb parteiintern möglichst linientreu und durchsetzungsfähig. Deine Partei will, dass du ihre Anliegen in den Bundesrat hineinträgst und da auch durchboxen kannst.
Diese Erwartungen deiner eigenen Partei stehen in einem starken Spannungsverhältnis zu jenen der anderen Parteien an dich. Sie wollen eigentlich genau das Gegenteil. Ein Abweichler, der SVP-Inhalte möglichst vom Bundesrat fernhält. Damit du sicher durch diesen Interessenkonflikt kommst, gibt es einen kleinen Trick:
Motiviere ein politisches Schwergewicht zur Kandidatur. Du willst intern die zweite Wahl sein, das macht dich im Parlament zum Topfavoriten.
Dein Profil
Sobald du es aufs Ticket geschafft hast, musst du dich um dein Profil kümmern. Dafür wirst du schliesslich gewählt.
Sei so vage wie nur irgendwie möglich, wenn es um politische Inhalte geht. Du willst keinerlei Angriffsfläche bieten für unangenehme Fragen. Hier ein paar Ausweichmanöver, die super gut funktionieren:
- Gutschweizerischer Kompromiss.
- Da müssen die Betroffenen konsultiert werden.
- Meine Tür ist immer offen.

Lass möglichst viele Lücken offen in deinem politischen Profil. Diese wird die Fantasie der Parlamentarier und Parlamentarierinnen selbst ausfüllen. Und wenn du «gmögig» genug bist, kann sich auch niemand vorstellen, dass du eine Politik verfolgst, die ihnen widerstrebt.
Erzähl ihnen deine Geschichte. Schmücke sie grosszügig mit zielgruppengerechten persönlichen Details aus. Sie machen letztendlich den Unterschied.
Bei der SP erzählst du, dass du mal im Niedriglohnsektor tätig warst, bei der FDP, wie du dich von da zum Geschäftsleiter hochgearbeitet hast, und bei der Mitte, wie dir das ein Verständnis für die Anliegen verschiedener Gruppen gegeben hat und du nun mega gut im Vermitteln bist.
Du willst sympathisch wirken, keinesfalls aber zu charismatisch. Versprühe Jöö-Gefühle, keine Rockstar-Energy. Das Letzte, was die Bundesratsparteien wollen, ist, dass ihre eigenen Bundesräte von dir in den Schatten gestellt werden.
Kleiner Extratipp: Verteil irgendwas Süsses zum Knabbern aus deiner Heimat (die in der Romandie liegt!!!).
P.S. Die Parlamentsdienste sind bisher erst über acht Kandidaturen informiert. Falls du also Interesse an einer Karriere in einem dynamischen Umfeld hast, kannst du sie über die Webseite des Parlaments schon einmal vorwarnen.
