Schweiz
SBB

: Bahn-Ausbau: Politikerin kritisiert Bund für Intransparenz

Längere Reisezeiten wegen Bahn-Ausbau: Nationalrätin fordert Transparenz vom Bund

Mit dem laufenden Bahn-Ausbau werden zwar mehr Kapazitäten geschaffen, doch Züge etwa zwischen der Schweiz und Österreich oder in der Westschweiz erhalten längere Fahrzeiten. Das bringt dem zuständigen Bundesamt harsche Kritik ein.
16.06.2024, 12:26
Stefan Ehrbar / ch media
Mehr «Schweiz»

Vor einem Jahr liess die Interessengemeinschaft ÖV Schweiz (IGöV) an ihrer Hauptversammlung eine Bombe platzen: Sie veröffentlichte erste Entwürfe des Bundesamts für Verkehr (BAV) für das Fahrplanangebot nach der Vollendung des aktuell laufenden Bahnausbaus. Damit wird frühestens ab Mitte der 2030er-Jahre gerechnet. Die Pläne belegten, dass es mit dem sogenannten Angebotskonzept 2035 (AK 35) auf vielen Strecken zu längeren Fahrzeiten und weniger Direktverbindungen kommt. Die IGöV sprach von der «grössten Fahrplanverschlechterung aller Zeiten».

Seither hat das BAV die Pläne noch einmal überarbeitet und kürzlich erste Resultate dieser «Konsolidierung» vorgestellt. Zwar müssen Reisende auf vielen Strecken mit längeren Fahrzeiten rechnen, dafür werden auf vielen Verbindungen neue Viertelstundentakte eingeführt. Bei der IGöV lösen die Pläne keine Begeisterungsstürme aus. Sie zeigt sich in einer Mitteilung, die sie im Rahmen der diesjährigen Hauptversammlung vom Samstag verschickt, aber «erfreut, dass gegenüber dem Stand vor einem Jahr erste Verbesserungen erzielt wurden».

Des ouvriers travaillent a cote de la machine "Puscal" de l'entreprise Scheuchzer lors d'une visite de presse sur le chantier d'entretien des voies CFF de 7km de long entre Pu ...
Die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr (IGöV) hat keine Freude an den Plänen des Bundesamt für Verkehr.Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT/ KEYSTONE

In mehreren Regionen blieben jedoch Verschlechterungen für die Kundinnen und Kunden bestehen, etwa Anschlussbrüche und längere Fahrzeiten, heisst es in der Mitteilung, die CH Media vorliegt. Die Gemeinschaft stört sich auch an der Intransparenz. Das BAV hält den detaillierten Stand der aktuellen Planungsgrundlagen - etwa die sogenannten Netzgrafiken - nämlich unter Verschluss. Das müsse sich ändern, fordert die IGöV.

Deutlich langsamer nach Österreich

Zudem ärgert sie sich über konkrete Vorhaben, die sich mit dem AK 35 abzeichnen. «Besonders unverständlich» sei, dass das BAV die Fernverkehrszüge nach Österreich neu über St.Gallen statt wie heute über Sargans fahren lassen möchte. Das führt zu einer um 30 Minuten längeren Reisezeit aus der Schweiz etwa nach Wien. Die IGöV erwartet eine «rasche Korrektur» dieser Pläne, heisst es in der Mitteilung.

Kein Verständnis hat sie auch dafür, dass die verlängerten Fahrzeiten in der Westschweiz auch im AK 35 beibehalten sollen. Diese werden ab nächstem Jahr mit der Begründung eines stabileren Betriebs etwa zwischen Bern und Genf oder Biel und Genf eingeführt. In der aktuellen Fassung müsse die Konsolidierung des BAV in der Westschweiz deshalb abgelehnt werden. Im internationalen Verkehr erwartet die Gruppe «rasche Verbesserungen», insbesondere zwischen Zürich und München und für die Anbindung der Westschweiz an Lyon.

Um diese Ziele zu erreichen, hat IGöV-Präsidentin und Grünen-Nationalrätin Florence Brenzikofer diese Woche zwei Motionen eingereicht. Darin fordert sie den Bundesrat auf, sich bei den deutschen Behörden für einen Ausbau des Angebots auf der Strecke Zürich-München einzusetzen. Auf dieser sind derzeit im Zweistundentakt Eurocity-Züge unterwegs. Die SBB und der Bund möchten einen Stundentakt einführen, dafür wären aber Ausbauten auf dem oft noch einspurigen Teil der Verbindung in Deutschland nötig.

Direktzüge nach Lyon gefordert

Lyon wiederum sei ein entscheidender Knotenpunkt, welcher der Schweiz Zugang zum europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz verschaffe und somit konkurrenzfähige Bahnverbindungen etwa nach Barcelona ermögliche, heisst es in der zweiten Motion. Es brauche eine Anbindung der Westschweiz an diesen wichtigen Bahnhof.

Der Forderung einer Gruppe um Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel, Ex-Südostbahn-Chef Guido Schoch und Planungsfachmann Philipp Morf, wonach es ein Moratorium für den aktuell laufenden Bahnausbau brauche, weil dieser «konzeptlos und gesetzeswidrig» sei, kann die IGöV nichts abgewinnen. Diese lehne sie ab: «Ein Stopp des Bahnausbaus würde dem öffentlichen Verkehr schaden und einen Scherbenhaufen provozieren.» (aargauerzeitung.ch)

Mehr zum Thema:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die lustigsten Bilder aus den ÖV der Welt
1 / 14
Die lustigsten Bilder aus den ÖV der Welt
bild: imgur

Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wildberry-Lillet im Speisewagen und Beats über die Zugdurchsage? SBB landet TikTok-Hit
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
24 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Beat_
16.06.2024 12:51registriert Dezember 2018
Mir ist es wichtiger, stabile Verbindungen und Anschlüsse zu haben, bei möglichst kurzen Reisezeiten. Ein 15'-Takt finde ich nicht so dringend, vor allem weil es dann sehr schwierig wird, auf dem gleichen Netz gleichzeitig Schnellzüge/ICs, S-Bahnen und Güterzüge laufen zu lassen.
308
Melden
Zum Kommentar
24
    Trumps Chaos geht weiter: Weisses Haus korrigiert Zölle für die Schweiz auf 31 Prozent
    31 Prozent, dann 32 Prozent, jetzt wieder 31 Prozent: Das Hin und Her der US-Regierung bei den Schweizer Zöllen geht weiter – die Hintergründe bleiben unklar.

    Am Mittwoch gab Donald Trump Zölle für zahlreiche Länder bekannt. Damit sorgte er nicht nur für Unmut, sondern auch für grosse Verwirrung – nicht zuletzt in der Schweiz.

    Zur Story