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Schweiz
SBB

SBB verlangen 2 Franken für den Wickeltisch

SBB-Wickeltisch teurer als Pissoir – Preise werden vereinheitlicht

Die WC-Preispolitik der SBB sorgt für Kritik. Die Bundesbahnen wollen die Kosten fürs WC, den Wickeltisch und fürs Pissoir künftig vereinheitlichen.
06.10.2022, 14:4206.10.2022, 19:25

Der SBB-Chef Vincent Ducrot ist ein Familienmensch. Letzte Woche gab er dem «Blick» ein persönliches Interview, in dem er von seinem neuen Glück berichtete: Er sei nicht nur frisch verliebt, sondern habe sogar geheiratet. Zusammen mit seiner Ehefrau habe er nun insgesamt sieben Kinder.

Für Ducrot ist klar: «Die Familie hat Vorrang.» Der SBB-Chef erreichte, dass die Bahn ihm einen Teil seines 757'382-Franken-Salärs in Form von GAs für die Familie auszahlt (13'678 Franken). Der Bähnler sagte vor drei Jahren in einem Interview: «Meine Kinder sind beste Kunden des öffentlichen Verkehrs und der SBB.»

Doch nicht nur Ducrots Kinder sind «beste Kunden des öffentlichen Verkehrs», sondern auch die Kinder anderer Eltern – und zwar wortwörtlich.

Mütter oder Väter, die für ihr Kind am Bahnhof einen Wickeltisch benötigen, zahlen stolze zwei Franken – 50 Rappen mehr, als wenn jemand das Pissoir nutzen will.

Ein Vater betreut an seinem freien Tag seinen vier Montate alten Sohn und wechselt diesem die Windeln, fotografiert am 15. Mai 2020 in Aarau. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Einmal wickeln kostet am Bahnhof zwei Franken.Bild: KEYSTONE

SBB-Chef reagiert umgehend

Bekannt ist das schon lange, am Mittwochmorgen fiel das aber auch einer Twitter-Userin auf. Sie stellte nüchtern fest:

«Wer schon mal ein gebrauchtes Pissoir und einen gebrauchten Wickeltisch gereinigt hat, versteht, dass das nicht aufgeht.»

Ihre Empörung hielt sich verbal in Grenzen – jene der Twitter-Community hingegen nicht. Eine Frau kritisierte die SBB als «unfassbar kinderfeindlich».

Andere erinnerten daran, dass die Bundesbahnen mit all jenen ein grosses Geschäft machen würden, die fürs kleine Geschäft auf die Schüssel statt zum Pissoir müssen. Stichwort Gleichheit der Geschlechter: Ob man Mann oder Frau ist, soll nicht darüber entscheiden, wie viel fürs Urinieren bezahlt werden muss.

Liebe @sbbnews - Wickeln kostet mehr als das Pissoir benutzen?! Wer schon mal ein gebrauchtes Pissoir und einen gebrauchten Wickeltisch gereinigt hat, versteht, dass das nicht aufgeht

https://twitter ...
Die Wickeltische stehen bei den Toiletten – die zwei Franken müssen bezahlt werden, auch wenn man selbst nicht für kleine oder grosse Mädchen muss.Bild: twitter

Nach einer Anfrage von watson reagiert* SBB-CEO Vincent Ducrot auf die Preisunterschiede bei der WC-Nutzung. «Ehrlich gesagt, wusste ich gar nicht, dass in gewissen WC-Anlagen die Benutzung des Pissoirs günstiger ist, als wenn man im Toiletten-Bereich auch den Wickeltisch benutzt. Als ich das erfahren habe, war meine spontane Reaktion, dass das nicht okay ist.»

Seine Reaktion: «Ich habe mich bei den Verantwortlichen erkundigt. Ich kann sagen: Die SBB sind ohnehin schon dran, die Preise raschestmöglich zu vereinheitlichen. Künftig kostet alles 1.50 Franken», sagt Ducrot.

Im Notfall darf Kind auf dem Zugsitz gewickelt werden

Entsprechende Pilotprojekte gibt es bereits an den Bahnhöfen in Olten, Schaffhausen, Regensdorf und Uster. Gelöst wird damit zwar das Problem mit den unterschiedlichen Preisen fürs kleine Geschäft. Bestehen bleibt aber die Tatsache, dass einmal kurz Wickeln etwas kostet.

Quasi kostenlos geht's in den Zügen, wo bei den WCs Wickeltische installiert sind. Dort, wo es nicht möglich ist, verweisen die SBB auf den Sitz im Zugabteil:

«Sie können Ihr Baby auch im Abteil auf einem Sitz wickeln. Bitte nutzen Sie aus hygienischen Gründen unbedingt eine Wickelunterlage.»

Man wird jedoch auf der SBB-Website gebeten, die Windeln ausserhalb des Zugs zu entsorgen – die Mitreisenden seien dankbar dafür.

* Die ursprüngliche Fassung dieser Story erschien ohne die Stellungnahme von SBB-CEO Vincent Ducrot, da dieser zu wenig explizit angesprochen/angeschrieben war. Wir bitten um Entschuldigung für die Unachtsamkeit.

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WC-Schilder aus der ganzen Welt

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quelle: imgur
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Hunderttausende Frauen streikten

Video: srf

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163 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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El Vals del Obrero
06.10.2022 15:13registriert Mai 2016
Mit den WC-Gebühren in den Bahnhöfen schneiden sich die SBB ins eigene Fleisch:

Im Zug ist das WC gratis. Also nutzt man auf einer Reise möglichst das WC im Zug statt jene in Bahnhöfen.

Der Betrieb eines WCs in einem Zug ist mit Wassertank, Bioreaktor, Abwassertank usw. aber viel aufwändiger und teurer als ein stationäres WC mit Wasserleitung- und Kanalisationanschluss.

Gäbe es in den Bahnhöfen auch Gratis-WCs, wären jene in den Zügen weniger überlastet.

Ein Kompromiss wäre vielleicht, wenn die Bahnhof-WCs nur mit einem gültigen Bahnbilett oder -Abo gratis wären.
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Laggoss
06.10.2022 15:00registriert Januar 2021
50 Rappen. Darüber empören wir uns. Ich habe drei Kinder und weiss, wie mühsam es ist unterwegs zu wickeln. Die CHF 2.00 für einen sauberen Wickeltisch fallen aber neben den anderen Kosten, welche Kinder verursachen, nicht ins Gewicht. Die Preispolitik ist diskutabel, aber keiner Empörung wert.
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Bumeli
06.10.2022 14:55registriert Mai 2019
Also aus einem Tweet eine solche "Hammer-Meldung" machen ist schon etwas peinlich. Natürlich findet man zu jedem Thema und immer irgendjemanden, der irgendetwas "unfassbar" oder "katastrophal" nennt. Aber mal echt jetzt: Haben wir keine anderen Probleme als 50 Rappen Unterschied zwischen Pissoir und Wickeltisch?
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