Lehre, Matura, Bachelor: Wer den Abschluss schafft und wer auf der Strecke bleibt
Das Bundesamt für Statistik (BFS) durchleuchtet in den aktuellen Längsschnittanalysen im Bildungsbereich der Schweiz (LABB) die Lebensläufe im Schweizer Bildungssystem. Die Daten zeigen etwa auf, wie oft Jugendliche die Sekundarstufe II erfolgreich abschliessen.
Sie beleuchten auch die Universitäten: Die LABB zeigen, welche Studierenden ihr Bachelorstudium abschliessen oder die Fachrichtung wechseln. Ein weiterer Fokus liegt auf den Lehrkräften und ob diese langfristig im Beruf bleiben.
Diese fünf ausgewählten Grafiken geben Einblick in die Welt der Bildung:
Akademikerkinder kommen glatter durch
Beginnen wir bei den Kleinen: Die meisten Kinder kommen ohne Umweg durch die Primarschule. Von den rund 75'800 Kindern, die 2018 in die 3. Klasse eintraten, steigen 91 Prozent sechs Jahre in Folge regulär auf. Rund 6 Prozent wiederholen mindestens ein Jahr.
Kinder von Eltern ohne Lehre oder Matura durchlaufen die Primarschule seltener ohne Umweg
Anteil der Kinder, die die 3. bis 8. Klasse in sechs Jahren ohne Wiederholung durchlaufen, in Prozent
Hinweise: Lernende, die 2018 ins 3. Jahr der Primarstufe eingetreten sind. Gezählt werden sechs aufeinanderfolgende Promotionen in Regelklassen (oder das Überspringen eines Jahres). N = Anzahl Lernende der ständigen Wohnbevölkerung, ohne Abwanderungen und Austritte aus dem Bildungssystem. ¹ Ergebnisse auf Basis einer Stichprobe.
Wie gut ein Kind durch die Primarschule kommt, hängt stark von den Eltern ab. Haben die Eltern einen Hochschulabschluss, schaffen es fast 95 Prozent ohne Wiederholung. Haben die Eltern nur die obligatorische Schule besucht, gelingt das nur knapp 82 Prozent der Kinder. Auch Kinder, die im Ausland geboren sind und keinen Schweizer Pass haben, durchlaufen die Primar seltener ohne Umweg.
Am Gymnasium brechen nur wenige ab
Die meisten Jugendlichen schaffen nach der obligatorischen Schule einen Abschluss. Von den rund 76'000 Jugendlichen, die im Sommer 2018 eine Lehre oder eine Mittelschule begannen, halten 92 Prozent innerhalb von sechs Jahren ein Diplom in den Händen.
Am häufigsten wechseln Jugendliche von der Fachmittelschule in eine Lehre. Am schwersten haben es jene, die eine zweijährige EBA-Lehre beginnen: Gut 13 Prozent von ihnen haben nach sechs Jahren keinen Abschluss und stecken auch nicht mehr in einer Ausbildung. Wer ans Gymnasium geht, bricht dagegen nur selten ab.
9 von 10 haben mit 25 eine Lehre oder Matura abgeschlossen
Bis 25 haben die meisten Jugendlichen in der Schweiz eine Lehre, die Matura oder eine Mittelschule abgeschlossen. 2024 schafften das 90,8 Prozent, das sind rund 74'000 junge Erwachsene. Frauen schliessen häufiger ab als Männer.
Die Kantone unterscheiden sich deutlich. In Zug schliessen gut 95 Prozent der Jugendlichen ab, in Genf nur 86 Prozent. Auch die Waadt und Freiburg liegen unter dem Schnitt. Auf dem Land schliessen mehr Jugendliche ab als in der Stadt.
In den Naturwissenschaften wechseln viele das Fach
Wer an einer Universität ein Bachelorstudium beginnt, schliesst es meistens auch ab. Von den Studierenden, die 2017 starteten und vorher in der Schweiz wohnten, holen 77 Prozent bis 2025 einen Bachelor an einer Uni. Weitere 8 Prozent wechseln an eine Fachhochschule oder eine Pädagogische Hochschule und schliessen dort ab.
Die meisten bleiben ihrer Uni und ihrem Fachbereich treu: 62 Prozent schliessen dort ab, wo sie begonnen haben. In den exakten und Naturwissenschaften gelingt das nur gut der Hälfte. Viele wechseln dort das Fach oder brechen ab.
Lehrpersonen mit kleinem Pensum steigen öfter aus
Wechseln wir die Perspektive und schauen auf die Lehrkräfte. Die meisten bleiben an der Schule: Von den Lehrerinnen und Lehrern, die 2019 unterrichteten und jünger als 55 waren, arbeiten fünf Jahre später noch fast 90 Prozent an einer Schule.
Junge Lehrkräfte und solche mit kleinem Pensum verlassen die Schule am häufigsten
Funktion fünf Jahre später, Anteil der Lehrkräfte in Prozent
Hinweise: Lehrkräfte der obligatorischen Regelschule, die 2019 unterrichteten und jünger als 55 Jahre waren. Die übrigen Lehrkräfte waren fünf Jahre später nicht mehr an einer Schule tätig.
Am ehesten verlassen junge Lehrkräfte und solche mit einem kleinen Pensum die Schule. Von jenen, die weniger als zehn Lektionen pro Woche unterrichteten, standen fünf Jahre später noch 83 Prozent vor einer Klasse. Männer übernahmen gut doppelt so häufig eine Schulleitung oder eine andere Funktion an der Schule wie Frauen: 2,6 gegenüber 1,2 Prozent. (olj)
