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Fussball-Hooligans: SBB haben keine Lust mehr auf Extrazüge

ARCHIV - Fans des FC Basels formieren sich zu einer Gruppe und zuenden auf einem Bahnhof Fackeln an, aufgenommen am 26. August 2003. - Das Parlament will Sportfans vorderhand nicht per Gesetz zwingen, ...
Immer wieder verwüsten Hooligans Züge der SBB.Bild: KEYSTONE

Spitzenspiel verschoben – die SBB setzen die Super League unter Druck

Der Knatsch um Extrazüge hat eine Verschiebung der Anspielzeit bei Lugano gegen YB zur Folge. Warum das Spitzenspiel der Super League neu am Samstag um 19 Uhr stattfindet. Und wie Liga, SBB und SRF darauf reagieren.
10.09.2026, 08:0810.09.2026, 08:08
Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin

Der Satz stammt aus dem Herzen eines Schweizer Fussballvereins. Und tönt ziemlich dramatisch: «Für diese Schweine würde ich auch keine Züge mehr organisieren wollen.» Weil es die private Meinung eines unserer Gesprächspartner ist, und er sich der Bedeutung bewusst ist, bittet dieser um Anonymität.

«Die Schweine» – damit sind die gewaltbereiten Fussballfans gemeint. Fussballfans, die immer wieder mit Pyros, Gewalt und Sachbeschädigungen auffallen. Zum Beispiel auch in Extrazügen.

Davon hat auch die SBB genug. Auf bis zu vier Millionen Franken beziffert sie die «ungedeckten Kosten» rund um die Extrazüge für Fussballfans. Kosten allerdings, die nicht nur wegen Vandalismus anfallen, sondern auch, so ist aus SBB-Kreisen zu hören, weil viele Fans ohne gültiges Ticket in den Extrazügen fahren würden. 29 Franken kostet ein Ticket mit Halbtax einen Fussballfan für die Hin- und Rückfahrt – egal, welche Destination. Der Preis ist seit Jahren unverändert.

Um diesen ungedeckten Kosten entgegenzuwirken, zieht die SBB die Zügel seit dieser Saison an. Die Massnahmen: Keine Extrazüge mehr für weniger als 400 Personen. Keine Extrazüge mehr, sobald nicht gleichzeitig auch noch ein Regelzug fährt. Und: Ein Fankodex. Jene Fangruppen, die sich nicht daran halten, müssen mit Streichung der Extrazüge rechnen.

Spitzenspiel Lugano-YB muss verschoben werden

Diese Massnahmen haben nun erstmals Auswirkungen auf den Spielplan der Super League. Am Samstag kommt es zum Spitzenspiel Lugano-YB. Kickoff wäre eigentlich um 20.30 Uhr gewesen. Doch nun muss die Partie auf 19 Uhr vorverschoben werden. Der letzte reguläre Zug von Lugano nach Bern verlässt den Bahnhof um 22.02 Uhr, also muss dann auch der Extrazug abfahren. Die Tessiner Kantonspolizei verfügt die frühere Anspielzeit, weil sie nicht will, dass Berner Fans die Nacht in Lugano verbringen.

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Die SBB haben genug von randalierenden Fussballfans.Bild: KEYSTONE

Einmal 19 statt 20.30 Uhr – na und? Könnte man vielleicht denken. Aber so einfach ist es nicht. Bleibt es wirklich bei einer einmaligen Verschiebung? Wie lange akzeptiert das Schweizer Fernsehen, dass sein Livespiel von der Primetime in die Essenszeit vorverlegt wird? Was passiert, wenn die SBB die Liga weiter unter Druck setzt? Und vor allem: Wie reagieren die Fans? Es stellen sich viele Fragen.

Einen ersten Vorgeschmack lieferten die GC-Fans Ende Juli, als sie – weil sie für 350 Personen keinen Extrazug bekamen – aus Protest auf dem Regelzug aus Lausanne zurück nach Zürich mehrfach die Notbremse zogen und für ein Bahnchaos sorgten.

Swiss Football League: Die Sorgen werden grösser

In erster Linie betroffen von den SBB-Massnahmen ist die Swiss Football League als Ausrichter der Fussballspiele. Die Liga schreibt auf Anfrage: «Die SFL bedauert sehr, dass die SBB die Rahmenbedingungen für Fanzüge auf die laufende Saison angepasst hat.» Und hält überdies fest, dass die Extrazüge ein zentrales Element für die sichere An- und Abreise der Fans sind. «SFL und Klubs haben in den letzten Jahren gemeinsam mit der SBB grosse Anstrengungen unternommen, um die Fanreisen weiterzuentwickeln. Den Weg möchten wir weitergehen.»

Den Liga-Verantwortlichen ist das Umdenken der SBB nicht entgangen. Ein zentraler Punkt ist das Geld. «Dass die SBB nach eigenen Angaben ungedeckte Kosten von über vier Millionen Franken trägt, nehmen wir zur Kenntnis, wir haben hier keine Einsicht, wie sich dieser Betrag zusammensetzt», schreibt die SFL. Und weiter: «Die SFL beteiligt sich bereits heute finanziell an der Organisation der Fanreisen und arbeitet gemeinsam mit der SBB und den Klubs daran, die Abläufe und die Ticketdisziplin weiter zu verbessern und damit auch die ungedeckten Kosten zu reduzieren.»

SBB: So setzen sich die ungedeckten Kosten zusammen

Auf Anfrage konkretisiert die SBB, wie sich diese ungedeckten Kosten zusammensetzen: Betriebskosten, Sicherheitskosten, Reinigungsaufwand der Züge, Sachschäden am Rollmaterial. Zudem seien die Einnahmen aus den Ticketverkäufen rückläufig, obwohl mehr Fans transportiert würden. Dies wertet die SBB als Indiz, dass vermehrt schwarz gefahren wird. Und die SBB ergänzt: «Dazu kommen Sachschäden an Infrastruktur und Immobilien, welche in der vergangenen Saison rund zwei zusätzliche Millionen ausmachten.»

Als Sofortmassnahme bringt die SBB sogenannte Charterzüge ins Spiel, welche Klubs für ihre Fans organisieren könnten für den Fall, dass ein Extrazug nicht angeboten wird. Der Haken daran: natürlich, die Kosten. Ein Charterzug von Bern nach Lugano und zurück am nächsten Samstag würde gemäss SBB zwischen 30'000 und 35'000 Franken kosten. 1000 Personen finden Platz. Nur: «Der Besteller haftet mit einer Kaution für allfällige Schäden.» Dieses Risiko wird kein Fussballklub eingehen.

Der erste Fanzug unter der gemeinsamen Verantwortung der Fanarbeit Bern und der Fan-Dachorganisationen des Berner Super League Klubs BSC Young Boys und der SBB erreicht mit jubelnden YB Fans aus Lausa ...
Die Fanarbeit Bern hat in der Vergangenheit mit den SBB kooperiert. Charterzüge werden sich Super-League-Klubs nicht leisten wollen.Bild: KEYSTONE

SRF: wie viel Verständnis für ungewohnte TV-Zeit?

Von der Verschiebung des Spitzenspiels Lugano-YB ist auch SRF betroffen. Das Livespiel beginnt anstatt zur Primetime nun mitten in der Essenszeit. Wie sieht die Reaktion aus? «SRF nimmt die Verlegung zur Kenntnis. Für die Programmplanung ist sie nicht ideal, wir können die Entscheide aber nachvollziehen und teilen das Interesse an sicheren Spielen», schreibt SRF auf Anfrage.

Betroffen ist auch Konkurrent «Blue». Weil das Spitzenspiel nun beginnt, wenn die Partien St.Gallen-Sion und Thun-GC (Anspielzeit 18:00 Uhr) noch laufen. «Unglücklich», sei das, schreibt «Blue» auf Anfrage. Beide TV-Anstalten gehen jedoch davon aus, dass sich künftig kurzfristige Anpassungen vermeiden lassen. Alles andere würde die Liga in die Zwickmühle bringen. Schliesslich gilt es, den TV-Vertrag zu erfüllen. Dieser läuft noch bis und mit Saison 2029/30 und darin ist die Anspielzeit Samstagabend 20.30 Uhr fixiert.

Immerhin, in einem sind sich alle involvierten Parteien einig: Extrazüge soll es auch künftig geben. Der Kampf ums Vermeiden von Kosten wird aber weitergehen. (schweizheute.ch)

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Hooligan-Schlägerei auf dem Maagplatz in Zürich
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317 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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goschi
10.09.2026 07:02registriert Januar 2014
"wir beteiligen uns bereits an den Kosten" ist doch die Aussagem, die die Clubs auch immer zu den lokalen Sicherheitskosten sagten.

Als Beispiel zahlte YB jährlich maximal 60'000.- an die Stadt Bern, verursachte real aber 1-2mio an Kosten.
und empört sich bis heute daran, dass sie diese nun mittlerweile mehrreitlich (noch lange nicht vollständig!) decken müssen.

Wenn die Clubs und Fanvereine nicht bereit sind die Kosten und das Risiko von Charterzügen zu tragen, demonstrieren sie doch genau, dass sie das Problem sind und darum wissen!
Sie wollen keine Verantwortung tragen, aber profitieren.
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WatSohn?
10.09.2026 07:01registriert Juni 2020
Es kann nicht Aufgabe der SBB sein, Leute zu Fussballspielen zu befördern, wenn von vornherein mehr oder weniger klar ist, dass randaliert wird. Und letzten Endes werden die Mehrkosten auf alle SBB Kunden abgewälzt. Dann sollen die Clubs eben Busfahrten finanzieren uns selber für den Schaden aufkommen.
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@Jeff
10.09.2026 06:51registriert Juli 2023
«Für diese Schweine würde ich auch keine Züge mehr organisieren wollen.»

Eine Beleidigung für diese intelligenten, sozialen Tiere ihren Namen so zu missbrauchen. Weder fahren sie freiwillig Bahn noch randalieren sie, sondern graben auf der Futtersuche den Boden um, so wie unsere Bauern den Boden umpflügen für die Futteranpflanzung.
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