Bundesrat will Olympia 2038 mit Beitrag unterstützen – nun entscheidet Parlament
Der Bundesrat will die für 2038 geplanten Olympischen Winterspiele und Paralympischen Spiele in der Schweiz mit bis zu 200 Millionen Franken unterstützen. Darüber kann nun das Parlament entscheiden. Die Spiele sollen dezentral durchgeführt werden.
Verteidigungs- und Sportminister Martin Pfister stellte die Botschaft an die eidgenössischen Räte am Montag in Bern den Medien vor. Der Entscheid des Bundesrates für die Unterstützung habe das Projekt einen grossen Schritt weitergebracht, sagt er. «Darüber freue ich mich sehr.»
Junge Sportlerinnen und Sportler, die heute vielleicht zehn bis zwanzig Jahr alt seien, erhielten mit Winterspielen in der Schweiz ein Trainingsziel, sagte Pfister. Und die Schweiz könne zeigen, dass sie in der Lage sei, einen der grössten internationalen Sportanlässe durchzuführen.
Mehrere Austragungsorte, ein Gastgeber
Die Winterspiele 2038 sollen dezentral durchgeführt und die Wettkämpfe auf verschiedene Orte verteilt werden, da, wo es passe. «Gastgeber ist ein Land, die Schweiz», sagte Pfister. Das Schweizer Bewerbungsdossier setze darauf, dass die Spiele in der Landschaft keine Spuren, beim Volk aber positive Erinnerungen hinterliessen.
Konkret werden als Austragungsorte der rund 120 Wettkämpfe in mehr als einem Dutzend Sportarten Genf, Lausanne, Crans-Montana VS, Engelberg OW, Zürich, Zug, Lugano, Lenzerheide GR und St. Moritz GR genannt. Die Paralympischen Spiele sollen in Lenzerheide und St. Moritz, Genf, Lausanne und Bern stattfinden.
Die Absicht des Bundesrates, die Spiele mit bis zu 200 Millionen Franken zu unterstützen, sei in der Vernehmlassung grossmehrheitlich positiv aufgenommen worden, berichtete Pfister. Der Bundesrat will zudem nur dann Geld zur Verfügung stellen, wenn sich Kantone und Gemeinden mit mindestens demselben Betrag an den Kosten beteiligen.
Vorgesehen wären vom Bundesbetrag 60 Millionen Franken für die Paralympischen Spiele, 50 Millionen Franken für eine verbilligte Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und 80 Millionen Franken für weitere Aufwände der Trägerorganisation. 10 Millionen sind für die Deckung von noch nicht absehbaren Aufwänden eingeplant.
Privat finanzierte Defizitgarantie
Der für die Organisation der Winterspiele zuständige Verein sieht eine privat finanzierte Defizitgarantie von 200 Millionen Franken vor und plant mit Gesamtkosten von 2,2 Milliarden Franken. Dieses Geld soll von der öffentlichen Hand, vom Internationalen Olympischen Komitee (IOK) sowie aus Sponsoring und Merchandising kommen.
Die Defizitgarantie sollen Privatpersonen und Unternehmen leisten. Eine solche Garantie in Aussicht gestellt hat der ägyptische Investor Samih Sawiris. Zur Höhe des Anteils machte er keine Angaben. Das Aushandeln von Defizitgarantien sei Sache des Vereins Switzerland 2038, sagte Pfister.
Die Schweiz hat den Zuschlag noch nicht, befindet sich aber auf einer privilegierten Position. Das bedeutet, dass sie mit einer überzeugenden Bewerbung bis Ende 2027 beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Exklusivität geniesst.
Laut Angaben von Switzerland 2038 im Internet soll das Bewerbungsdossier im Februar 2027 beim IOC eingereicht werden, falls die Entscheide des Parlaments über die Bundesunterstützung rechtskräftig sind. Ein Vergabeentscheid der IOC-Mitglieder wird demnach für Frühjahr 2027 erwartet.
Forderung nach Volksabstimmung
Zu reden geben dürfte, ob zur Unterstützung der Winterspiele eine eidgenössische Volksabstimmung stattfinden kann oder nicht. Der Bundesrat stuft den Beschluss als nicht referendumspflichtig ein.
Der Bund leiste einen erheblich tieferen Beitrag als an frühere Kandidaturprojekte und trage nur einen kleinen Teil der Verantwortung sagte Pfister. Und in den betroffenen Kantonen könnten sich Parlamente und gegebenenfalls auch das Volk äussern.
In der Vernehmlassung verlangten allerdings SVP, SP, Grüne und Gewerkschaftsbund die Möglichkeit, eine Volksabstimmung durchzuführen. Laut der Botschaft kann laut Parlamentsgesetz das Parlament den Planungsbeschluss zu Olympischen Spielen dem fakultativen Referendum unterstellen. (nil/sda)
