Schweiz
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Switzerland's Iouri Podladtchikov competes in the men's snowboard halfpipe final at the Rosa Khutor Extreme Park, at the 2014 Winter Olympics, Tuesday, Feb. 11, 2014, in Krasnaya Polyana, Russia. Podladtchikov won the gold medal. (AP Photo/Jae C. Hong)

Iouri Podladtchikov im Sprung zur Goldmedaille an der Olympiade 2014. Bild: AP/AP

Snowboard-Olympiasieger Iouri Podladtchikov beendet seine Karriere

Über ein Jahrzehnt prägte mit Iouri Podladtchikov ein Zürcher mit russischen Wurzeln die Schweizer Snowboard-Szene. Nach fast 20 Jahren Wettkampf-Snowboarden tritt der Olympiasieger von 2014 per sofort ab, weil der Körper des «Unzerstörbaren» immer öfter streikte.



Die Entfremdung von Halfpipe-Snowboarder Iouri Podladtchikov und dem Wettkampf-Sport geschah über Monate und in mehreren Kapiteln. An diesem Sonntag nun, 17 Jahre nachdem er 14-jährig an den Russischen Meisterschaften debütierte, hat der Zürcher den letzten Abschnitt einer grossen Karriere geschrieben: Podladtchikov tritt per sofort zurück. Er tut dies drei Monate nach einem letzten Versuch, seine Karriere ohne Druck neu zu lancieren.

Mit Podladtchikov verliert der Freestyle-Sport einen seiner grössten Namen. Drei WM-Medaillen – neben Gold 2013 in Kanada gewann er 2011 sowie 2017 Silber -, sieben Mal X-Games-Edelmetall und 14 Weltcup-Podestplätze gehen auf sein Konto. Den bedeutsamsten Erfolg feierte Podladtchikov 2014 an den Olympischen Spielen in Sotschi – in der Heimat seiner Eltern und in dem Land, in dem er geboren wurde und für das er bis 2006 an Wettkämpfen gemeldet war. Für Podladtchikov war es ein Triumph mit Ansage, und er war wie gemalt für die erste Hälfte des Wettkampf-Lebens des herausragenden Snowboarders. Weil der Titel auf grossem Talent, grossen Worten und ebenso grossem Ehrgeiz fusste.

Iouri Podladtchikov, membre de l?equipe nationale suisse de snowboard freestyle pose pendant la reprise des entrainements a l'Alaia Chalet lors de la crise du Coronavirus (Covid-19) le jeudi 14 mai 2020 a Lens pres de Crans-Montana. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Iouri im Mai 2020. Bild: KEYSTONE

Klare Aussagen scheute Podladtchikov nie. Er war dazu erzogen worden, Ziele und Träume in aller Klarheit zu nennen und gross zu denken, nach «russischer Art», wie er es nannte. Als er den Medien verkündete: «Wenn ich antrete, will ich gewinnen. Sonst kann ich gleich zuhause bleiben», war er noch ein Teenager, der das Sport-Gymnasium in Davos besuchte. Längst nicht von allen wurde Podladtchikov für seine Aussagen anfänglich respektiert. Dass er mit 21 Jahren zur Jagd auf den Überflieger des Snowboard-Sports und Weltstar Shaun White blies, trug Weiteres zum Image des Prahlers bei.

Yolo-Flip: Höhenflug und Karrierestopper

Podladtchikov war aber nicht nur Phrasendrescher, er war auch harter Arbeiter, der seinen Ansagen alles unterordnete. Und er war ein Sportler, der sich nach Bestätigung durch die Aussenwelt sehnte – und ihre Aufmerksamkeit brauchte. Als sein Angriff auf White und die Weltspitze an den Olympischen Spielen in Vancouver vor zehn Jahren in einem enttäuschenden 4. Rang kulminierte, sagte er: «Wer so viel verspricht, wie ich es getan habe, der muss in Kauf nehmen, die Leute vielleicht zu enttäuschen.» Die Niederlage von Vancouver liess ihn noch härter an seinem Ziel arbeiten, etwas Besessenes haftete ihm an.

In einer eigens für die Erfüllung des Olympia-Traums angemieteten Halle feilte Podladtchikov Stunden an seiner Technik; im Wissen, dass Konkurrent White in den USA in einer ihm eigenen Halfpipe trainieren konnte. In Freienbach - im Unterland – eignete sich der Schweizer dank Trampolin und Skateboard die Grundlagen für jenen Trick an, der ihn 2014 zum Olympia-Titel führen sollte: der Yolo-Flip. Zwei Salti und vier Schrauben umfasst dieser Trick, den besonders die Phase nach den Rotationen diffizil macht, weil die Landung kaum vorbereitet werden kann.

Switzerland's Iouri Podladtchikov, center, celebrates his gold medal in the men's snowboard halfpipe final as he is flanked by silver medalist Ayumu Hirano, left, of Japan, and bronze medalist Taku Hiraoka, also of Japan, at the 2014 Winter Olympics, Tuesday, Feb. 11, 2014, in Krasnaya Polyana, Russia. Podladtchikov won the gold medal. (AP Photo/Jae C. Hong)

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere: Olympia 2014. Bild: AP/AP

Es sind eben nicht nur die Millisekunden in der Luft, die für die Snowboarder in der Halfpipe zählen, genau so wichtig sind saubere Landungen und der Schwung, der daraus für die nächsten Überkopf-Drehungen geholt werden kann. Wer Schwung verliert, verliert Punkte und Wettkämpfe, oder im Fall von Podladtchikov seinen Nimbus. Lange Zeit galt der 31-Jährige als unzerstörbar, die letzten drei Jahre zeichneten ein anderes Bild. Podladtchikov war plötzlich so verwundbar wie alle anderen geworden.

2017 begann seine Leidenszeit mit einem weiteren Erfolg, dem Gewinn von WM-Silber in der Sierra Nevada. Die Medaille bezahlte Podladtchikov mit einem Kreuzbandriss, den er sich bei seinem letzten Sprung zuzog. Es folgte eine Rekordgenesung von der karrierebedrohenden Verletzung, ehe Anfang 2018 der nächste folgenschwere Sturz kam: An den X-Games erlitt Podladtchikov ein Schädel-Hirn-Trauma. Auch den Start in die Saison 2019 verpasste der Schweizer. Statt mit dem Team nach Nordamerika zu reisen, sass Podladtchikov im Spital, wo es diesmal nicht um seine Karriere, sondern sein Leben zu gehen schien. Magenkrebs teilten ihm die Ärzte in der ersten Diagnose mit. Dann die Entwarnung: Podladtchikov litt an einem Magengeschwür, stressbedingt.

Champion Olympic snowboarder Iouri Podladtchikov (L) and fashion blogger Kristina Bazan attend the fashion house Akris  Spring/Summer 2015 women's ready-to-wear collection show during Paris Fashion Week September 28, 2014. Picture taken September 28, 2014.  REUTERS/Charles Platiau (FRANCE - Tags: FASHION)

Inzwischen hat sich Iouri mehr der Kunst zugewandt. Hier 2015 auf einer Modeschau in Paris. Bild: X00217

Trotz der schwierigen Monate stand Podladtchikov im Februar 2019 auch an der Freestyle-WM in Park City am Start - und stürzte wieder. Ausgerechnet sein Trick, der Yolo-Flip, wurde ihm im Training zum Verhängnis. Von dem Achillessehnenriss, den sich Podladtchikov in den USA zuzog, erholte sich der Körper nicht mehr richtig. Immer wieder machte sich die verkürzte Sehne im Training bemerkbar. Die gesundheitlichen Probleme zwangen Podladtchikov, Abstand von seinem Sport zu gewinnen. In der Kunst fand er in der harten Zeit neuen Halt. Die Gefühle, die ihm der Sport nicht mehr geben konnte, fand er bald in seiner zweiten Passion: der Fotografie. Es zog ihn im Herbst für ein Kunststudium nach New York. Ein bisschen floh er auch, vor dem Snowboarden, vor seinen trainierenden Konkurrenten.

Nach der Auszeit versuchte sich der Snowboarder Podladtchikov auf diese Saison hin nochmals neu zu erfinden. Beim Auftakt des Sommertrainings Mitte Mai verkündete er, dass er sich dafür auf Eigeninitiative hatte zurückstufen lassen: «Pro-Status» statt Mitglied des Nationalteams. «Ich will mir alle Zeit lassen», begründete Podladtchikov die Rückstufung. Am Sonntag nun ist klar geworden: Selbst die Zeit konnte an Podladtchikovs geschundenem Körper nicht alle Wunden heilen. (sda)

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Iouri Podladtchikov nach seinem Goldmedaillen-Sieg

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