Schweiz
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Moderator Mario Grossniklaus brachte die «Arena» zum Wolf nicht richtig auf Touren. screenshot: srf

In der «Arena» zum Wolf schossen die Teilnehmer mit Platzpatronen

Der Wolf wird bewundert oder gehasst. Schattierungen gibt es kaum. Die Voraussetzungen für eine knallige «Arena» zum Reizthema waren somit vorhanden. Die Debatte aber verlief handzahm.



Mit kaum einem Tier sind mehr Emotionen verbunden als mit dem Wolf. Seit mehr als 20 Jahren ist er in der Schweiz wieder heimisch, dank Zuwanderung aus Italien. Bewohner des Agglo-Mittellands freuen sich über seine Rückkehr, Schafzüchter verwünschen ihn als übles Raubtier. Im Parlament stossen sie auf Verständnis. Wölfe sollen künftig leichter abgeschossen werden.

Dies hat der Nationalrat diese Woche bei der Beratung des revidierten Jagdgesetzes entschieden. Er ging dabei weiter als der Bundesrat. Die SRF-«Arena» griff das Thema Wolf auf, wohl in der Erwartung einer emotionalen Debatte. Am Ende blieb eine gewisse Ernüchterung: Statt mit scharfer Munition schossen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer überwiegend mit Platzpatronen.

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Entwicklung des Wolfsbestands in der Schweiz. screenshot: srf

Das Potenzial für Streit war vorhanden. So wehrte sich der Berner BDP-Nationalrat und Jäger Lorenz Hess gegen die Behauptung, das Jagdgesetz sei ein Abschussgesetz: «Der Wolf wird nicht zu einem jagbaren Tier. Er bleibt geschützt. Aber wo er Schäden anrichtet, kann man in den Bestand eingreifen.» Urs Leugger-Eggimann, Zentralsekretär von Pro Natura, sah dies ganz anders.

«Man hat völlig über das Ziel hinausgeschossen», sagte er im passenden Jargon. Es bestehe kein Gleichgewicht zwischen Schutz und Jagd, und überhaupt: «Es hat Platz für den Wolf in der Schweiz.» Für den Walliser SVP-Nationalrat Franz Ruppen hingegen ist die Schweiz «zu klein für den Wolf». Der Wolf verliere immer mehr die Scheu vor den Menschen und dringe in Dörfer ein.

Als «Zeugin» wurde die Bündner Bergbäuerin Regula Schmid befragt. Sie persönlich habe noch keine Probleme mit dem Wolf gehabt, musste sie einräumen. Eine Nachbar aber habe eine Kuh verloren. Ob der Wolf dafür verantwortlich war, scheint jedoch nicht klar zu sein. In der Folge entwickelte sich eine längliche Debatte über Herdenschutzmassnahmen.

Dieses «Herdenschutzseminar», wie es Lorenz Hess nannte, war für die Zuschauer von beschränktem Erkenntnisgewinn. Interessant wurde es, wenn Franz Ruppen mit der Bündner SP-Nationalrätin Silva Semadeni aneinander geriet. Es entstand ansatzweise ein Clash zweier Kantone, die mit dem Thema Wolf ziemlich unterschiedlich umgehen.

Franz Ruppen verteidigt die Bauern

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«Wir haben doppelt so viele Wölfe wie im Wallis und halb so viele Risse», rechnete Semadeni vor. Ruppen machte sich dafür stark, dass die Kantone über Abschüsse entscheiden können, und nicht der Bund, «der weit weg ist». Das Wallis hat in Bern eine Standesinitiative eingereicht für einen Austritt aus der Berner Artenschutzkonvention und einen Wiedereintritt unter Vorbehalt.

Die fundiertesten Beiträge lieferte der Mann am Expertenpult: Andreas Moser, Inhouse-Biologe des SRF und Moderator der Sendung «Netz Natur», argumentierte differenziert und doch mit erkennbarer Sympathie für das Tier. Er habe viele Freunde in den Bergen und komme mit ihnen super aus, sagte Moser: «Aber sobald es um den Wolf geht, wird es irrational.»

Das Märchen vom bösen Wolf

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Den Abschuss von Wölfen und die angestrebte Regulierung beurteilt er skeptisch. Sie erfordere ein hohes Mass an Professionalität, damit man nicht das Elternpaar wegschiesse, das ein Rudel verteidigt. «Wenn man das macht, wird das Territorium frei. Dann kommen von allen Seiten Junge herein, und dann gibt es ein Problem.»

Ansatzweise emotional wurde es, als Monika Heierli, Präsidentin der Tierpartei, darauf hinwies, dass jährlich 4000 Schafe oder mehr im Gebirge abstürzen «oder auf den Alpen einfach vergessen gehen». Damit kam sie bei den Wallisern im Plenum schlecht an, doch statt hier einzuhaken, lenkte Moderator Mario Grossniklaus die Debatte auf zwei andere, ebenfalls umstrittene Tierarten.

Die eine ist der Biber, bei dem der Nationalrat den Abschuss ebenfalls erleichtern will. Sie haben sich in der Schweiz prächtig vermehrt. Ein Exemplar tummelt sich sogar im Leutschenbach direkt beim Fernsehstudio und hat dort schon einige Jungbäume umgenagt. Sauer auf ihn sind jedoch vor allem die Bauern, weil die Biberdämme ab und zu für überschwemmte Felder sorgen.

Urs Leugger-Eggimann und das Wallis

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Dies führte zu einem Scharmützel zum Verbandsbeschwerderecht, ein bekanntes Reizthema. Es werde «übermässig beansprucht», klagte Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbands Aargau und CVP-Grossrat. Urs Leugger-Eggimann wies dies klar zurück: «Wir bekommen in 80 Prozent aller Fälle Recht mit unseren Einsprachen. Wir gehen damit verantwortungsvoll um.»

Umstritten ist auch der Luchs, der allerdings kaum Nutztiere erlegt. Der Nationalrat will seinen Schutz nicht lockern, zum Leidwesen von Lorenz Hess. Man habe heute den doppelten Bestand, als man einst angestrebt habe. Für Leugger-Eggimann hingegen ist dieser Bestand von knapp 250 Tieren «absolut labil». Die langfristige Sicherung sei nicht gewährleistet.

Lorenz Hess und das Mammut

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Damit erreichte die dahinplätschernde Debatte gegen Ende den springenden Punkt: Wie weit soll der Mensch in die Natur eingreifen? Andrea Moser mahnte zur Zurückhaltung: «Wenn man die Natur plant und nicht von ihr lernt, ist das bisher immer schief gegangen.» Die Natur sei nie konstant, sondern sehr dynamisch, und beim Luchs sei «die genetische Basis zu schmal».

Einig war man sich nur, dass beim Jagdgesetz kein Kompromiss möglich ist. Dafür sei es «zu spät», sagte Silva Semadeni. Im Parlament gehe es nur noch um die Bereinigung der Differenzen. Für die Befürworter ist das Gesetz ohnehin bereits ein Kompromiss. Kommt es durch, ist ein Referendum so gut wie sicher und damit eine Abstimmung im nächsten oder übernächsten Jahr.

Die Natur ist nicht planbar

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Die nächsten «Arena» zum Wolf kommt somit bestimmt. Was möglich wäre, zeigte ein Gespräch mit dem Walliser Schafzüchter und Gemeindepräsident Georges Schnydrig nach der Sendung. Eindringlich, aber durchaus sachlich schilderte er die Verheerungen, die ein Wolf in einer Schafherde anrichten kann. Stoff für eine feurige Debatte wäre durchaus vorhanden.

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32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • marcus tullius 12.05.2019 13:41
    Highlight Highlight Erst muss der Wolf weg- bald geht's dem armen Biber an den Kragen... doch schon komisch: schlimme Unfälle gehen immer von Hunden aus, deren MENSCH sie nicht im Griff hat ...

    Und P.S.nebenbei: Was alles an Fauna & Flora gehört im Gegensatz zu Luchs & Co nicht in unsere Breiten? Vielleicht wäre es gescheiter, einmal hier ein Auge drauf zu werfen.
  • wolge 11.05.2019 22:54
    Highlight Highlight Ich denke der Dilm beantwortet alle Fragen dazu was wir mit Tieren anstellen dürfen und was nicht...
    Play Icon
  • Monica001 11.05.2019 14:20
    Highlight Highlight Wenn wir die ganze Umwelt zubetonieren ist das gut. Wenn wir Tiere essen ist das gut. Wenn der Wolf sich sein Essen holt ist es böse. Soll er in den Migros zum einkaufen gehen?!? Die Arroganz vieler Menschen ist unerträglich.
  • Töfflifahrer 11.05.2019 14:05
    Highlight Highlight Es geht letztendlich nicht nur um den Wolf, Luchs oder was auch immer. Es geht doch eigentlich um die echte Biodiversität, was das bedeutet und wie die künftig ausgestaltet werden soll. Dabei gibt es nunmal Gruppen die etwas hergeben müssen, dies muss entsprechend Vergütet werden. Die Frage ist wie wir alle dahin kommen. Schlechte Nachricht für Politiker, das Bla Bla Bla muss aufhören, jetzt muss gehandelt werden, und sorry aber nein, der Markt wird es nicht richten.
  • dorfne 11.05.2019 11:06
    Highlight Highlight Ein Wolfsrudel beansprucht wie gesagt ein Territorium von durchschn. 250 km2. Da der Wolf flexibel ist, muss dieses Territorium nicht aus einem zusammenhängenden Waldgebiet bestehen. Er muss innerhalb des Territoriums nur genügend Beutetiere vorfinden. Ein vom Menschen besiedeltes Gebiet kann daher Teil eines Wolfterritoriums sein. Das zeigt, dass der Mensch sich im Laufe der Zeit auf Kosten anderer Lebewesen zu stark ausgebreitet hat, und jetzt das Recht beansprucht, andere Arten unbegrenzt weiter zu dezimieren. Deshalb Schutzmassnahmen statt Töten!
  • Calvin Whatison 11.05.2019 11:00
    Highlight Highlight Hess Dir Bundesrat.👍🏻
    • Calvin Whatison 11.05.2019 15:32
      Highlight Highlight Scheiss Autokorrektur! Ab in den Bundesrat mit Ihm. 👍🏻
  • Legaschtenie 11.05.2019 10:34
    Highlight Highlight Abgesehen das ich links und pro Wolf bin, muss ich sagen, das der Herr Hess gestern Abend grosse Anerkennung verdient hat. Ein bürgerlicher Politiker wie ich es mir wünsche, gibt in einer Arena Diskussion auch der Gegenseite recht und vergreift sich nicht im Ton. Das schönste aus Herrn Ruppens Mund war wie er den Namen von Frau Semadeni ausgesprochen hat. Auch Grossnicklaus verdient ein lob, ich finde er hat die zwei Arena Sendungen (Wolf, Entwicklungshilfe) die ich gesehn hat sehr ruhig geführt. Mal schauen wie sich Sandro Broz schlägt. Habe Fertig
  • wolge 11.05.2019 10:34
    Highlight Highlight Der Mensch... eines der wenigen, wenn nicht gar das einzige Lebewesen dass sich exponentionell auf dem Planeten ausbreitet...

    Man könnte sagen einem Krebsgeschwür gleich...
  • dorfne 11.05.2019 09:19
    Highlight Highlight In amerikanischen Nationalparks hat man festgestellt, dass der Wolf sehr wertvoll ist für die Biodiversität, für die Gesundheit von Wald, Wiesen und für die Flussläufe. Darüber gibt es Dok-Filme. Das ging gestern unter im Abwehrkampf gegen Halbwahrheiten auf der einen und dem Verharmlosen von Problemtieren auf der andern Seite.
    • Zerpheros {aka Comtesse du Zerph} 11.05.2019 14:54
      Highlight Highlight Nö, sorry, aber das ist einfach hippieeske Naturromantik. Da hat das Wölfe-verändern-Flussläufe-Filmchen selbst eine Agenda. Ein realistischer Blick auf Ökosysteme ohne Dämonisierung und Romantik bringt den Wolfschutz weiter.
    • Zerpheros {aka Comtesse du Zerph} 11.05.2019 15:04
      Highlight Highlight Hier noch die Quelle:
      Mech-2012-Is-Science-in-Danger-of-Sanctifying-the-Wolf.pdf
  • dorfne 11.05.2019 09:11
    Highlight Highlight Der Wildbiologe Andreas Moser (wir verpassen keine "Netz-Natur"-Sendung) sagte, ein Rudel beanspruche ein Territorium von 250 Quadrat-km. Eindringende fremde Wölfe werden von den Alphatieren vertrieben oder getötet. Von daher reguliert sich der Bestand von selbst. Wölfe, oder andere "Raubtiere" die die Scheu vor dem Menschen verloren haben dürfen schon heute vom Wildhüter, nicht aber vom Jäger abgeschossen werden.
  • dorfne 11.05.2019 08:49
    Highlight Highlight Die eine Seite mit BDP- und SVP- Vertretung konnte nicht zugeben, dass die Tiere bald geschossen werden dürfen, wenn sie nur schon in Sichtnähe kommen. Die andere Seite mit SP- und Pro Natura- Vertretung wand sich fürchterlich, weil sie nicht sagen durfte, dass ein Biber, der viele Hektaren Kulturland überflutet hat auch mal geschossen werden darf. So geht offenbar Politik: nur das sagen, was ins eigene politische Konzept passt und ja die Wähler und Gönner nicht provozieren.
    • Elmas Lento 11.05.2019 17:33
      Highlight Highlight Bei uns hat es auch Biber, diese lassen sich aber auch ohne Abschuss gut regulieren. Jemand von der Stadt schaut sich da die Dämme regelmässig an, wenn ein Damm wegen dem Hochwasserschutz problematisch ist wird dieser abgerissen. Wenn ein Damm ein paar mal abgerissen wurde baut der Biber dort keinen neuen mehr. Ist etwas aufwändiger als abschiessen, diesen Aufwand sollte uns die Natur aber schon wert sein.
  • rodolofo 11.05.2019 08:37
    Highlight Highlight Was haltet Ihr eigentlich von Schafen im Wolfspelz?
    • dorfne 11.05.2019 09:14
      Highlight Highlight Der Toni Brunner züchtet Kampfkühe, nicht Schafe. Ende Ironie.
    • rodolofo 11.05.2019 10:02
      Highlight Highlight Und ich dachte, Kampfkühe gebe es nur im Wallis.
  • tii 11.05.2019 08:26
    Highlight Highlight Schlussendlich werden wir die Tiere aussterben lassen. Sie bringen kein Geld ein und sind somit in der heutigen Welt nur Störfaktor. Finde es wirklich traurig und das obwohl man heutzutage genau wissen und spüren sollte wie wichtig die Biodiversität der Schweiz ist.
    • The Count 11.05.2019 09:21
      Highlight Highlight Man müsste diese wolfhassenden Stänkerer darauf aufmerksam machen dass Wolfsfleisch geniessbar sei. Wie würde es dann wohl aussehen?
  • Mutbürgerin 11.05.2019 06:58
    Highlight Highlight Wer den Wolf sehen will, soll in den Zoo. Er hat sonst bei uns keinen Nutzen.
    • Gegu 11.05.2019 07:10
      Highlight Highlight wohl im biologieunterricht viel gefehlt, was?
    • The Destiny // Team Telegram 11.05.2019 07:51
      Highlight Highlight Wer solche Kommentare schreibt gehört auch in den Zoo, als bsp. Für fehlgeschlagene Menschen.
    • Eisvogel 11.05.2019 07:59
      Highlight Highlight Tja, Mutbürgerin - wenn Sie ein Lebewesen nach dem Nutzen beurteilen, wird früher oder später die Frage kommen, was denn Sie nützen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Normal 11.05.2019 06:53
    Highlight Highlight Das Ziel der Areana sollten keine "Kämpfe" oder übertrueben emotionale Diskusionen sein.
    Klar ist es unterhaltender, wenn etwas Action reinkommt, aber die Zusammwnfassung liest sich so, als ob der Autor arg entäuscht war, dass es nicht eskalierte.

Hitzewelle tötet eine Million Vögel – steht nun ein Massenaussterben bevor?

Zwischen 2015 und 2016 wurden 62'000 tote Vögel an der Pazifikküste Nordamerikas gefunden. Nun liegt der wissenschaftliche Untersuchungsbericht vor – und dieser zeichnet ein weitaus schrecklicheres Bild.

Vor rund fünf Jahren begann an der nordamerikanischen Pazifikküste ein Ereignis, das Forscher vor ein Rätsel stellte. Innerhalb eines Jahres wurden beinahe 62'000 tote Vögel an den Stränden angespült. Noch viel seltsamer als die Anzahl der toten Vögel, war, dass es sich fast ausschliesslich um Trottellummen handelte.

Diese Vogelart lebt beinahe ganzjährig auf dem Meer – nur für die Fortpflanzung halten sie sich länger an Land auf. Tote Trottellummen werden zwar immer mal wieder an den Strand …

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