Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ein Plakat des Bundesamtes fuer Gesundheit BAG macht auf die Verhaltenregeln im Hinblick auf die Krise des neuen Coronavirus aufmerksam, am ersten Tag der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 2. Maerz 2020 im Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Alarmstufe «rot» herrscht im Bundeshaus bislang nur auf den Screens in der Eingangshalle. Bild: KEYSTONE

Im Parlament sitzen mehrere Ü65-Politiker – wie reagieren sie auf das Coronavirus?

Über 65-Jährige sollen wegen des Coronavirus den öffentlichen Verkehr und öffentliche Veranstaltungen meiden. Diese Empfehlung lässt nun auch ältere Parlamentarier aufhorchen.



Am Freitagnachmittag richtete sich Gesundheitsminister Alain Berset an der Coronavirus-Pressekonferenz ausdrücklich an eine bestimmte Bevölkerungsgruppe: An die über 65-Jährigen. Sie seien «besonders gefährdete Menschen», sie sollen vom Arbeitsplatz fernbleiben, falls keine Alternative in Frage kommt.

Als Berset diese Worte aussprach, horchten einige Parlamentarier auf. Im National- und Ständerat sitzen derzeit mehr als ein Dutzend Volksvertreter mit Jahrgang 1955. Ihnen wird nun geraten, die öffentlichen Verkehrsmittel zu Stosszeiten und öffentliche Veranstaltungen zu meiden.

Es sind Ratschläge, die sich mit ihrem Amt im Bundeshaus beissen. Die Session dauert noch zwei Wochen an, viele Ratsmitglieder reisen in den Stosszeiten mit dem Zug an. In den Ratssälen sitzen sie nah beieinander. In der Wandelhalle wird deshalb seit Tagen darüber diskutiert, ob die Session abgeblasen werden soll.

Am Montag entscheidet das Parlament

Hans Stoeckli, SP-BE, der neue erste Vizepraesident des Staenderates, am ersten Tag der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 26. November 2018 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Bild: KEYSTONE

Der 67-jährige Ständeratspräsident Hans Stöckli (SP/BE) ist einer, der das im Extremfall entscheiden könnte. Als Mitglied der Verwaltungsdelegation des Parlaments wird er sich nächsten Montagmorgen vom Gesundheitsminister Berset die aktuelle Lage erklären lassen. Dann werde man entscheiden, ob die Massnahmen für die Bundeshaus-Session abgeändert oder ergänzt werden müssen, und welche Empfehlungen an die Parlamentarier abgegeben werden.

Er selbst glaubt nicht, dass sich «zusätzliche Massnahmen» aufdrängen. «Wir haben viel Raum zur Verfügung», sagt Stöckli zu watson. Er ergänzt jedoch: «Im Zentrum stehen die Gesundheit und das Funktionieren unserer Institutionen.»

Falls sich die Lage übers Wochenende ändert und neue Massnahmen für ältere Parlamentarier notwendig werden, würde Stöckli mit seiner Entscheidung zwei seiner Parteikollegen treffen. Im Ständerat sitzen zurzeit mit Stöckli, Paul Rechsteiner (67) und Roberto Zanetti (65) gleich drei Sozialdemokraten, die 65-jährig oder älter sind.

Parteikollege hat «Respekt» vor Stöcklis Entscheidung

Roberto Zanetti, SP-SO, links, diskutiert mit Christian Levrat, SP-FR, an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 3. Maerz 2020 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Bild: KEYSTONE

«Ja, man stellt sich schon Fragen. Wenn ich in meine Agenda schaue, dann sehe ich lauter abgesagte Veranstaltungen. Das Einzige, was noch nicht abgesagt wurde, ist die Session», sagt der Solothurner Ständerat Roberto Zanetti, der vor rund drei Monaten zum «Über-65-Jährigen» wurde.

Er selbst will keine Empfehlung abgeben, ob die Session abgesagt werden soll oder nicht. «Ich habe grossen Respekt vor der Aufgabe von Hans Stöckli – er kann entscheiden, was er will, und man wird ihn kritisieren», sagt SP-Ständerat Zanetti.

Zanetti spricht von einem Dilemma: Sage man sie ab, zeige man der Bevölkerung, dass man die Gefahr ernst nimmt. «Wenn aber Arbeiterinnen und Arbeiter jeden Tag zur Arbeit gehen, dann muss das auch für die Volksvertreter möglich sein», erklärt Zanetti.

Der Entscheid wird am Montagmorgen fallen. Auswirkungen im persönlichen Verhalten der Politiker hat das Coronavirus bereits. Stöckli erklärt zu watson, dass er bereits «alte Gewohnheiten» geändert habe. Er sei «widerwillig» vom Stoff- aufs Papiertaschentuch umgestiegen.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Coronavirus-Geldmacherei mit Desinfektionsmittel

Keine Handschläge erlaubt? Hier sind Alternativen:

Play Icon

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

15
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Regionsassa! 08.03.2020 14:58
    Highlight Highlight Das Rentenalter bestimmt die Risikogruppe
  • Raphael Stein 07.03.2020 19:57
    Highlight Highlight Sind das jene die bei Abstimmungen gern auch mal die falschen Knöpfe drücken?
  • MartinZH 07.03.2020 02:10
    Highlight Highlight Dass im Parlament mehrere Ü65-Politiker sitzen, ist klar. Das wissen sicher fast alle. Man kann sich natürlich schon fragen, wie sie auf das Coronavirus reagieren. Aber ist das nun dermassen relevant, dass man dieser Frage nachgehen und darüber berichten muss? 🤔

    Ich verstehe den Fokus nicht, da wir in der Schweiz doch hunderte Parlamentarier haben – beim Bund, den Kantonen und Gemeinden.

    Wenn in diesem Zusammenhang unbedingt auf Politiker fokussiert werden muss, wäre es doch interessanter zu erfahren, wie sie die damit verbundenen Probleme lösen wollen. NR Badran hat jedenfalls klare Ideen!
  • Lolita 07.03.2020 01:25
    Highlight Highlight Es wäre sinnvoll die Session per sofort als Home Office zu gestalten. Es ist schon so, die grösste Ansammlung von Alten findet sich im Parlament und Altersheimen.
    Ein solcher Notfallplan hätte bereits im Januar oder noch früher vorbereitet werden sollen.
    Da Kinder nicht zur Risikogruppe gehören und ihre Eltern u.a. im medizinischen Bereich arbeiten, ist es nicht sinnvoll Schulen zu schliessen. Den wer soll auf sie aufpassen? Die hoch gefährdeten Grosseltern?
  • Alteresel 06.03.2020 23:41
    Highlight Highlight Es ist eh fraglich als Ü65 noch in einem Parlament zu sitzen. Und es ist auch auffällig, dass das vor allem Männer sind.
    Das Parlament sollte weiter tagen. Hunderttausende Büezer drängen sich auch jetzt Tag für Tag im die ÖV um zur Arbeit zu gehen. Die Parlamentarier haben zudem viel Platz, weil ja eh immer die Hälfte fehlt.
  • bokl 06.03.2020 20:35
    Highlight Highlight 50% jeder Fraktion folgen der Session im "Home-Office". Bei Abstimmungen nehmen diese per Handzeichen (Video) teil. Problem gelöst.
    • Heb dä Latz! 06.03.2020 22:52
      Highlight Highlight Ja sicher, und im zweiten Fenster direkt daneben läuft ein Pandafilmchen oder der Abstimmer wird durch gelenkige Pornhub Darsteller animiert und vermasselt die Abstimmung.
  • swedish viking 06.03.2020 20:06
    Highlight Highlight Obwohl es eine bedauerliche Situation ist. Vielleicht wird dann mal der Pflegeinitiative Beachtung geschenkt. Wir verfallen nicht in Hysterie, gehen Arbeiten zur Ausbildung und pendeln auch im ÖV. Als Pflegefachmann in Ausbildung habe ich mal reflektiert wieviele Menschen ich alleine gefährden könnte.... 111 Bewohner im Altersheim, x 22 Mitstudenten... ÖV mal ausgenommen.
    • The Count 06.03.2020 23:23
      Highlight Highlight Deine differenzierte Meinung ist für aufgeschreckte Hühner nicht sehr populär.
  • Stachri 06.03.2020 19:29
    Highlight Highlight Ich habe gemeint, dass unsere Volksvertreter über eine parlamentarische IMMUNITÄT verfügen und sich somit keine Sorgen machen müssen? :-)
  • Matterhorn 06.03.2020 17:52
    Highlight Highlight Aber bitte liebe Parlamentarier/innen! Warum wählt man denn dauern die Salamitaktik. Gilt auch für die Schulen etc. Trefft einen klaren Entscheid, der eigentlich nur in Richtung Absage gehen kann.
    • Balikc 06.03.2020 18:47
      Highlight Highlight Einfache Leute rufen nach einfachen Massnahmen.

      Brauchst du jemanden, der für dich entscheidet? Hier, bitte: bleib zu Hause und vermeide jeden Kontakt zu Menschen, falls du es dir leisten kannst. Und wenn ja, freu dich darüber, denn andere können es nicht...
      Daher kann nicht für jeden das selbe gelten und Kosten/Nutzen-Rechnunh stetig den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden.
    • The Count 06.03.2020 23:25
      Highlight Highlight Stimmt, auch ich brauche niemanden mehr mir entgegen meinem gesunden Menschenverstand etwas aufbrummt was sich als nicht besonders sinnvoll herausstellt. Aus diesem Grund pfeiff ich auf die meisten Empfehlungen des Bundes und verhalte mich so wie in jeder Grippezeit.
    • Matterhorn 07.03.2020 00:10
      Highlight Highlight Ja, das liebe Geld eben! Hoffe, du gehörst nicht zur Risikogruppe... ziemlich hochnäsig...
    Weitere Antworten anzeigen

Nach 2 Monaten in Isolation: Wie mein Omi ihren Lebensmut verloren hat

Ein Sturz zwang meine 86-jährige Grossmutter in den verhassten Rollstuhl und ins Altersheim. Nachdem sie ihr Leben lang für ihre Selbstständigkeit gekämpft hat, bedeutete das die ultimative Kapitulation. Dann kam der Lockdown.

Ich mache mir Sorgen.

Ich mache mir Sorgen um meine Grossmutter und um ihre Generation. Um fast 100’000 Personen in der Schweiz, die derzeit in einem Alters- oder Pflegeheim leben. Die rund um die Uhr betreut werden, weil die Beine nicht mehr richtig wollen, das Aufstehen Mühe bereitet. Und der Kopf auch. Weil die Erinnerungen kommen und gehen, wie sie wollen.

Seit dem 16. März befinden sich diese Menschen in Isolation. Sie gelten in der Coronakrise als besonders gefährdet. Dringt das Virus in …

Artikel lesen
Link zum Artikel