DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Alarmstufe «rot» herrscht im Bundeshaus bislang nur auf den Screens in der Eingangshalle.
Alarmstufe «rot» herrscht im Bundeshaus bislang nur auf den Screens in der Eingangshalle. Bild: KEYSTONE

Im Parlament sitzen mehrere Ü65-Politiker – wie reagieren sie auf das Coronavirus?

Über 65-Jährige sollen wegen des Coronavirus den öffentlichen Verkehr und öffentliche Veranstaltungen meiden. Diese Empfehlung lässt nun auch ältere Parlamentarier aufhorchen.
06.03.2020, 16:5706.03.2020, 18:24

Am Freitagnachmittag richtete sich Gesundheitsminister Alain Berset an der Coronavirus-Pressekonferenz ausdrücklich an eine bestimmte Bevölkerungsgruppe: An die über 65-Jährigen. Sie seien «besonders gefährdete Menschen», sie sollen vom Arbeitsplatz fernbleiben, falls keine Alternative in Frage kommt.

Als Berset diese Worte aussprach, horchten einige Parlamentarier auf. Im National- und Ständerat sitzen derzeit mehr als ein Dutzend Volksvertreter mit Jahrgang 1955. Ihnen wird nun geraten, die öffentlichen Verkehrsmittel zu Stosszeiten und öffentliche Veranstaltungen zu meiden.

Es sind Ratschläge, die sich mit ihrem Amt im Bundeshaus beissen. Die Session dauert noch zwei Wochen an, viele Ratsmitglieder reisen in den Stosszeiten mit dem Zug an. In den Ratssälen sitzen sie nah beieinander. In der Wandelhalle wird deshalb seit Tagen darüber diskutiert, ob die Session abgeblasen werden soll.

Am Montag entscheidet das Parlament

Bild: KEYSTONE

Der 67-jährige Ständeratspräsident Hans Stöckli (SP/BE) ist einer, der das im Extremfall entscheiden könnte. Als Mitglied der Verwaltungsdelegation des Parlaments wird er sich nächsten Montagmorgen vom Gesundheitsminister Berset die aktuelle Lage erklären lassen. Dann werde man entscheiden, ob die Massnahmen für die Bundeshaus-Session abgeändert oder ergänzt werden müssen, und welche Empfehlungen an die Parlamentarier abgegeben werden.

Er selbst glaubt nicht, dass sich «zusätzliche Massnahmen» aufdrängen. «Wir haben viel Raum zur Verfügung», sagt Stöckli zu watson. Er ergänzt jedoch: «Im Zentrum stehen die Gesundheit und das Funktionieren unserer Institutionen.»

Falls sich die Lage übers Wochenende ändert und neue Massnahmen für ältere Parlamentarier notwendig werden, würde Stöckli mit seiner Entscheidung zwei seiner Parteikollegen treffen. Im Ständerat sitzen zurzeit mit Stöckli, Paul Rechsteiner (67) und Roberto Zanetti (65) gleich drei Sozialdemokraten, die 65-jährig oder älter sind.

Parteikollege hat «Respekt» vor Stöcklis Entscheidung

Bild: KEYSTONE

«Ja, man stellt sich schon Fragen. Wenn ich in meine Agenda schaue, dann sehe ich lauter abgesagte Veranstaltungen. Das Einzige, was noch nicht abgesagt wurde, ist die Session», sagt der Solothurner Ständerat Roberto Zanetti, der vor rund drei Monaten zum «Über-65-Jährigen» wurde.

Er selbst will keine Empfehlung abgeben, ob die Session abgesagt werden soll oder nicht. «Ich habe grossen Respekt vor der Aufgabe von Hans Stöckli – er kann entscheiden, was er will, und man wird ihn kritisieren», sagt SP-Ständerat Zanetti.

Zanetti spricht von einem Dilemma: Sage man sie ab, zeige man der Bevölkerung, dass man die Gefahr ernst nimmt. «Wenn aber Arbeiterinnen und Arbeiter jeden Tag zur Arbeit gehen, dann muss das auch für die Volksvertreter möglich sein», erklärt Zanetti.

Der Entscheid wird am Montagmorgen fallen. Auswirkungen im persönlichen Verhalten der Politiker hat das Coronavirus bereits. Stöckli erklärt zu watson, dass er bereits «alte Gewohnheiten» geändert habe. Er sei «widerwillig» vom Stoff- aufs Papiertaschentuch umgestiegen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Ricardo-Inserate zum Coronavirus

1 / 13
Ricardo-Inserate zum Coronavirus
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Keine Handschläge erlaubt? Hier sind Alternativen:

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

14 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Stachri
06.03.2020 19:29registriert Dezember 2019
Ich habe gemeint, dass unsere Volksvertreter über eine parlamentarische IMMUNITÄT verfügen und sich somit keine Sorgen machen müssen? :-)
959
Melden
Zum Kommentar
avatar
swedish viking
06.03.2020 20:06registriert März 2020
Obwohl es eine bedauerliche Situation ist. Vielleicht wird dann mal der Pflegeinitiative Beachtung geschenkt. Wir verfallen nicht in Hysterie, gehen Arbeiten zur Ausbildung und pendeln auch im ÖV. Als Pflegefachmann in Ausbildung habe ich mal reflektiert wieviele Menschen ich alleine gefährden könnte.... 111 Bewohner im Altersheim, x 22 Mitstudenten... ÖV mal ausgenommen.
267
Melden
Zum Kommentar
14
So verbringen die Bundesrätinnen und Bundesräte ihre Ferien

Bundespräsident Ignazio Cassis werde unter anderem vom 2. bis 4. August an der 10. Überprüfungskonferenz des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen in New York teilnehmen, hiess es aus seinem Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Ansonsten wolle Cassis seine Ferien in seinem Heimatkanton Tessin verbringen.

Zur Story