Andreas Glarner tritt als Nationalrat und SVP-Aargau-Präsident zurück
Jetzt ist die Katze aus dem Sack: SVP-Nationalrat Andreas Glarner gibt am Mittwochabend am Kantonalparteitag an seinem Wohnort Oberwil-Lieli bekannt, dass er sein Amt Ende Jahr aufgibt. Auch das Präsidium der SVP Aargau gibt er Ende Dezember ab.
Nach dem Grund für den Rücktritt gefragt, meint Glarner gegenüber Tele M1 salopp: «Man könnte sagen, elf Jahre sind genug.» Es sei eine sehr gute Crew, die nachrutsche. Zudem findet Glarner, wenn man im Wahljahr 65 Jahre alt werde, sollte man den Jüngeren Platz machen.
Kantonalpräsident sieht sich als Vorbild
Damit spricht er indirekt die Alterslimite an, welche die SVP Aargau im Jahr 2017 einführte. «Personen, welche am Wahltag 63 Jahre alt sind oder Ende Legislatur 16 Amtsjahre aufweisen, müssen im Kantonalvorstand und am Parteitag zwei Drittel der Stimmen auf sich vereinen.» In der Folge kam es bei den Wahlen 2019 zu einem Generationenwechsel.
Bei den letzten nationalen Wahlen 2023, als die SVP Aargau einen siebten Sitz in der Grossen Kammer holte, war die Alters- und Amtszeitlimite kein Thema. Erst im Hinblick auf das Wahljahr 2027 tauchte die Frage wieder auf. Gilt die Altersregelung für die Nationalräte Andreas Glarner, Thomas Burgherr und Alois Huber? Sie alle wären im Wahljahr über 63 Jahre alt.
In den Parteistatuten ist die Regel nicht hinterlegt. Die Findungskommission strebe eine Lösung an, bei der es keine Altersguillotine brauche, sagte Strategiechef Mario Gratwohl, der das Gremium leitet, diesen Frühling.
Burgherr und Huber meldeten ihr Interesse für eine erneute Nationalratskandidatur an. Andreas Glarner liess sich nicht in die Karten schauen. Dass nun er vor Ablauf der Amtsperiode zurücktritt, begründet der 64-Jährige mit der Vorbildfunktion als Kantonalparteipräsident. Diese nehme er so wahr.
Glarner: «Ich hatte keinen Druck»
Der schweizweit bekannte SVP-Politiker gilt als Provokateur, was zeitweise auch parteiintern zu Kritik führte. Es gab diverse Skandale. Grüne-Nationalrätin Sibel Arslan etwa zeigte Andreas Glarner an, weil er ein manipuliertes Video im Internet veröffentlicht hatte. Gleichzeitig verhalf Glarner der Partei zu starkem Wachstum,
Wie er gegenüber Tele M1 sagt, habe es keinen parteiinternen Druck gegeben, zurückzutreten. «Das macht es nun umso schöner, dass man freiwillig gehen kann, wenn der Zeitpunkt der richtige ist», sagt der Kantonalparteipräsident.
Auch langweilig sei es ihm nicht geworden, betont der scheidende Politiker. Ein Amt bekomme man quasi verliehen. «Man bekommt es für eine gewisse Zeit und sollte es danach auch wieder freigeben für die Jungen, die nachrücken», hält Glarner fest.
Vor zwei Jahren übernahm in Bern Landwirt Christian Glur den Sitz von Martina Bircher, die in die Aargauer Regierung gewählt worden war. Ab 2027 könnte Christoph Hagenbuch, Präsident des Bauernverbands Aargau, in Bern den Nationalratssitz von Andreas Glarner übernehmen, wenn er das will.
Parteipräsident muss politisches Amt haben
Als Andreas Glarner im Januar 2020 zum Parteipräsidenten gewählt wurde, sagte er: «Die SVP Aargau ist ein Sanierungsfall, sie soll ein Leuchtturm werden.» Vor einem Jahr wurde er als Präsident bestätigt. Warum gibt er jetzt auch das Präsidium ab? Dazu sagt Glarner: «Wenn man nicht Nationalrat ist und auch nicht Grossrat, ist es schwierig, Parteipräsident zu sein.»
Deshalb sei der richtige Zeitpunkt gekommen, um beides zusammen abzugeben. Mit dem «verflixten siebten Jahr» habe das aber nichts zu tun, fügt er mit einem Augenzwinkern an. «Ich hatte auch nach vier und nach fünf Jahren mediale Schlammschlachten, die mir nicht geschadet haben.» (schweizheute.ch)
