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SVP reicht Anzeige ein wegen «diffamierendem» Kreuzworträtsel

Crossword Puzzle and Pencil on background
An einem Kreuzworträtsel in der Zeitung «Le Nouvelliste» ist ein juristischer – und nun auch ein politischer – Streit um die Kunstfreiheit entbrannt (Symbolbild). Bild: iStockphoto

«Diffamierendes» Kreuzworträtsel – SVP reicht Anzeige ein und will Kunst-Gelder kürzen

11.01.2024, 16:20
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Die Unterwalliser SVP will nach einem in der Zeitung «Le Nouvelliste» veröffentlichten Kreuzworträtsel, in dem die Partei unter anderem als rassistisch definiert wurde, Klage einreichen. Dies kündigte sie am Donnerstag im Lokalradio Rhône FM an.

Die Klage richtet sich gegen den Dachverband der Walliser Künstler, Visarte Wallis. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens von Visarte hatte die Zeitung im Rahmen einer künstlerischen Partnerschaft mit dem Verband zusammengearbeitet.

Im Kreuzworträtsel des «Le Nouvelliste» vom 18. November wurde nach einer «schweizerischen, rassistischen, fremdenfeindlichen, homophoben, antifeministischen, antiökologischen, armutsfeindlichen und nationalistischen Partei» mit drei Buchstaben gesucht. Die richtige Antwort lautete UDC (SVP).

Die Partei erachtete dies als diffamierend und äusserte sich in einer Medienmitteilung «bestürzt» über den Beitrag. Die Zeitung «Le Nouvelliste» entschuldigte sich anschliessend bei der Partei. Doch dies reicht der Partei nicht.

«Das Kind beim Namen nennen»

Am Donnerstag sagte der SVP-Abgeordnete Alexandre Cipolla im Gespräch mit Rhône FM: «Kunst kann eine politische Dimension haben, aber sie muss innerhalb der Grenzen des Vernünftigen bleiben. Es ist unsere Pflicht, einen Teil der Bevölkerung zu verteidigen, der sich angegriffen, ja sogar diffamiert und verleumdet gefühlt hat», sagte er.

Die Affäre hat auch politische Konsequenzen. Die SVP Unterwallis hat beim Grossen Rat ein Postulat eingereicht. «Wir greifen Visarte an, weil sie die öffentlichen Gelder erhält, die unter anderem dazu dienen, die Arbeit dieses Künstlers zu subventionieren, und wir sind der Meinung, dass diese Gelder für andere Zwecke verwendet werden könnten», sagte Cipolla.

Einer der Kuratoren der 50-Jahr-Feier von Visarte Wallis verteidigte sich im Radio: «Es ist absolut nicht diffamierend, man ist es gewohnt, zumindest in meinem Umfeld, das Kind beim Namen zu nennen», erklärte er. Und die SVP sei wegen Rassismus verurteilt worden, fuhr er fort.

(hah/sda)

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71 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Roli_G
11.01.2024 17:26registriert Januar 2021
Ich bin in erster Linie mal beeindruckt davon, wie viel Text in so ein französischen Kreuzworträtsel Feld passt.
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_andreas
11.01.2024 17:18registriert April 2020
Muss jetzt wirklich ein Gericht der SVP(bzw viele ihrer Mitglieder) bestätigen dass sie rassisten sind? 🙈

"Kunst kann eine politische Dimension haben, aber sie muss innerhalb der Grenzen des Vernünftigen bleiben"

So wie die SVP bei ihren Wahlplakaten die teils sogar mit Lügen und Hetze argumentieren? 🤔
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Biko
11.01.2024 17:00registriert Juli 2023
Kappiere den Grund für die Klage nicht, trifft ja voll zu.
Selbstreflexion war noch nie die Stärke der SVP!
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