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Igel in Not: Igelmamas finden kein Futter mehr und verlassen die Kleinen

Igel in Not: Igelmamas finden kein Futter mehr und verlassen die Kleinen

Den Igeln in der Schweiz geht es richtig schlecht, sagen die freiwilligen Igelhelferinnen. Sie fordern Massnahmen.
02.07.2026, 04:2102.07.2026, 04:21
Deborah Stoffel / ch media
Der Zustand der Igel in der Schweiz alarmiert die Igelstationen und die betreuenden Tierärztinnen.
Der Zustand der Igel in der Schweiz alarmiert die Igelstationen und die betreuenden Tierärztinnen.Bild: zvg

Tierärztin Sandra Boutellier findet klare Worte: Der Gesundheitszustand der Igel habe sich in ihrer dreijährigen Tätigkeit als Tierärztin für drei Schweizer Igelstationen massiv verschlechtert. Sie untersucht monatlich rund 60 Igel. Seit diesem Jahr sehe sie «praktisch nur noch stark abgemagerte, dehydrierte und schwer verletzte Tiere».

Was alle kranken Igel gemein haben, sei eine schwere Lungenerkrankung durch einen hochgradigen Lungenwurmbefall, der durch das Verspeisen von Nacktschnecken entstehe. Boutellier vermutet, dass die Igel vermehrt Schnecken essen, weil sie zu wenig Insekten finden. Eigentlich gehören Schnecken nicht an erster Stelle auf den Speiseplan der Igel. Ein ausgewachsener Igel benötigt etwa 150 Gramm Insekten pro Tag. Das entspricht mindestens 300 Grillen.

Die von Boutellier untersuchten Tiere sind allesamt abgemagert. Zusätzlich ist der Tierärztin in diesem Jahr aufgefallen, dass trächtige Tiere vermehrt Aborte haben, die Babys also noch im Bauch versterben. «Die geschilderten Beobachtungen bereiten mir aus tiermedizinischer Sicht grosse Sorge und lassen auf eine besorgniserregende Entwicklung der Igelpopulation schliessen.»

Fast alle Igel auf der Igelstation haben schwere Lungenschäden, die vermutlich vom Verzehr von Nacktschnecken kommen.
Fast alle Igel auf der Igelstation haben schwere Lungenschäden, die vermutlich vom Verzehr von Nacktschnecken kommen.Bild: zvg

Dass es den Igeln nicht gut geht, zeigt sich auch in den Zahlen der Schweizer Igelstationen. Im Mittelland sind dieses Jahr bereits 116 Jungigel und Igelbabys aufgenommen worden. Im letzten Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 49. Doris Nagl von der Igelhilfe Mittelland erzählt, dass viele Igelmütter tagsüber herumrennen auf der Suche nach Futter und – wenn sie dann keines mehr finden – ihre Kleinen verlassen.

Dass beinahe alle aufgenommenen Igel Lungenschäden haben, bestätigt auch Nagl. «Manche können fast nicht mehr atmen, sodass wir sie erlösen müssen.» Die Igel knabberten alles an, was sie finden, im Notfall auch Vogelfutter. «Das gibt zwar einen vollen Bauch, aber Igel können es nicht verwerten.»

Der Verband Pro Igel Schweiz hat anfangs Woche eine Umfrage gestartet bei allen Schweizer Igelstationen und im europäischen Igel-Netzwerk. Die bisherigen Rückmeldungen entsprechen weitgehend der Erfahrung der Igelhilfe Mittelland. «Im Raum Bern, Basel und in der Region Zürich, Luzern ist die Situation ähnlich schlimm», sagt Monika Waelti von Pro Igel Schweiz. Auch beispielsweise in England hätten die Stationen schon viel mehr Igelbabys aufgenommen als üblich um diese Zeit. Vielen könne man nicht mehr helfen. «Die, welche auf der Igelstation landen, sind nur die Spitze des Eisbergs, und eigentlich die Glücklichen.» In höher gelegenen Gebieten geht es den Igeln etwas besser.

Auch die sterilen Gärten sind schuld

Dass Igel in vielen Gärten kein Futter finden, ist schon lange bekannt. «Sterile Grünflächen haben für Igel den Nährwert eines Papiernastüechlis», sagt Waelti. Zwar finde langsam ein Umdenken statt. «Die Leute merken, dass es auch für ihre psychische Gesundheit besser ist, ein wenig Wildnis um sich herum zu haben, anstelle einer sterilen Rasenfläche oder Steinwüste.» Aber der Prozess dauert seine Zeit.

«Wir müssen den Igel durch diese Phase retten, bis der Hinterste und Letzte verstanden hat, dass wir dem Igel mehr Platz geben müssen», sagt Waelti, gleichzeitig traurig und energisch. «In 20 Jahren haben wir ihn sonst nur noch in den Bilderbüchern.»

Was jede und jeder tun kann: Gerade während langer Hitzeperioden ein Schälchen frisches Wasser und Igelfutter an einen geschützten Ort im Garten stellen. Dabei ist nicht alles Igelfutter geeignet, Infos findet man auf der Webseite von Pro Igel. Als Alternative eignet sich hochwertiges Katzenfutter ohne Getreide.

Infos zum Igel und was man für ihn tun kann, findet man unter pro-igel.ch (schweizheute.ch)

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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tylototriton
02.07.2026 07:52registriert August 2024
Um es noch einmal hervorzuheben: die beste und nachhaltigste Hilfe für Igel sind arten- und strukturreiche Gärten mit Asthaufen, einheimischen Pflanzen und dem, was der Bünzli Unordnung nennt.
Alles andere ist nur Symptombekämpfung und zögert den Niedergang der Igel höchstens etwas hinaus. Wer jetzt also Igel füttert, sollte sich auch gleich überlegen, wie er/sie seinen/ihren Garten optimieren kann.
In dem Sinne: Nieder mit dem Bünzligarten!
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haniau
02.07.2026 06:37registriert Mai 2021
Da sieht man wieder deutlich wer keine Lobby hat in Bern hat das nachsehen.
Tragisch für alle betroffenen
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lopo
02.07.2026 08:52registriert Februar 2025
Das tragische an dem Thema ist nicht nur, dass Igel keine Insekten mehr finden. Auch der Mensch braucht diese zum überleben. Insekten sind die Basis allen Lebens auf diesem Planeten!
Ein Rasenmäher mit einem rotierenden Messer saugt nicht nur das Gras an, sondern auch die bodenlebenden Insekten. Einzige Abhilfe dagegen sind Balkenmäher und die gibt es inzwischen auch als Akkumäher z.B. von der Firma ECHO Akku Balkenmäher DTT-2100.
Nur als Info für Leute, die einen kurzen Rasen brauchen.
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