Immer wieder Harry Kane: «Heute war ich für den Heldenmoment zuständig»
Als der Ball erneut im Netz landet, entfährt sogar Schiedsrichter Adham Makhadmeh ein kurzes «Wow!» – wie in der Wiederholung aus der Schiri-Kamera hörbar war. Der jordanische Unparteiische hatte gerade zugeschaut, wie Harry Kane in der 86. Minute des WM-Sechzehntelfinals gegen die DR Kongo ein ganzes Land erlöst. Der englische Starstürmer verschaffte sich mit einem kurzen Sprint am Strafraumrand den nötigen Raum und haute die Kugel dann ansatzlos und wuchtig zum 2:1 für die Three Lions in die Maschen.
Wenige Minuten zuvor hatte Kane beim angespannten englischen Publikum bereits für Erleichterung gesorgt. In der 75. Minute glich er die Partie aus, nachdem Kongo in der 7. Minute mit dem ersten Schuss in Führung gegangen war und in der Folge aufopferungsvoll verteidigt hatte. Auch in dieser Szene bewies Kane seine Klasse, indem er sich scheinbar mühelos vom Gegner löste und zum 1:1-Ausgleich einköpfte.
«Wir haben darüber gesprochen, dass wir Heldenmomente brauchen. Die können von irgendwem kommen, und heute war ich dafür zuständig», resümiert der Engländer, als nach dem Schlusspfiff die Qualifikation für den Achtelfinal feststeht. Es sei ein verrücktes Spiel gewesen, findet Kane. Nach der ersten Trinkpause habe sich England gesteigert, aber der gegnerische Goalie habe eine unglaubliche Leistung gezeigt. Kein Wunder, dass nach dem siegbringenden 2:1 beim Jubel auch etwas Frust raus muss. «Da hat sich in den vorherigen Minuten etwas angestaut», gibt Kane zu.
Denn England startet nicht gut ins Spiel. In der Startphase geht Kongo nicht nur in Führung, sondern hat auch etwas mehr vom Spiel. Daran kann auch die Weltklasse von Harry Kane vorerst nichts ändern – im Gegenteil. Eine der wenigen auffälligen Szenen des Starstürmers in der ersten Halbzeit kommt kurz vor der Pause, als er sich in der Hoffnung auf einen Penaltypfiff etwas gar einfach fallen lässt. Ansonsten verliert er gegen die hartnäckigen Kongolesen viele Zweikämpfe.
Aber wie wir wissen, setzt sich seine Klasse am Ende eben zumeist trotzdem durch. Unfassbare 72 Tore hat Harry Kane in dieser Saison für Bayern München und England bereits erzielt. Dank der zwei Tore gegen den Kongo hat er in der ewigen WM-Torschützenliste nun den Brasilianer Pelé überholt und ist mit dem Franzosen Just Fontaine gleichgezogen.
Neben seinen Toren ist Kane für die Three Lions auch als Leader wertvoll. Nach dem Schlusspfiff nahm er seine Mitspieler kurz beiseite und sprach auf sie ein. «Ich habe ihnen gesagt, sie sollen diesen Moment geniessen. In England geht die Freude über einen WM-Sieg nach einem komplizierteren Spiel gerne mal vergessen», erklärte Kane in Anspielung auf die oft sehr kritischen englischen Medien.
Nun wartet im Achtelfinal ein hartes Auswärtsspiel gegen Co-Gastgeber Mexiko. Aber vielleicht spricht die Geschichte ja für England: Dank Harry Kane haben sie heute zum ersten Mal seit 1966 ein WM-Spiel gewonnen, in dem sie das erste Tor kassiert haben. 1966? Da feierte England seinen bis heute einzigen Weltmeistertitel.
