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Missstände im Zürcher Tierspital: Hunde und Katzen liegen im Kot

Hunde liegen im eigenen Kot: Erschreckende Recherche über Missstände im Tierspital Zürich

Hunde und Katzen, die in ihrem eigenen Kot liegen, Schimmel im Futternapf sowie ein in Ausbruch multiresistenter Keim: Recherchen des «Beobachters» werfen ein schlechtes Licht auf die universitäre Klinik in Zürich.
18.11.2024, 11:3518.11.2024, 13:25
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Verletzte Tiere mit offenen Wunden, unzureichende Betreuung sowie Verstösse gegen Hygienestandards, die einen Ausbruch multiresistenter Keime begünstigt haben: Der «Beobachter» berichtet von alarmierenden Missständen im Zürcher Tierspital. Das Magazin stützt sich bei seiner Recherche auf Aussagen von Mitarbeitenden, interne Dokumente sowie Video- und Bildmaterial. Das sind die wichtigsten Punkte.

Das geht aus dem Bericht hervor

Laut dem «Beobachter» sind viele der Tierboxen mit Kot bedeckt, Decken und Matten sind gelb durchnässt. Auch auf dem Fell der Tiere ist eingetrockneter Kot sichtbar.

Die Bilder zeigen verschimmeltes Futter, Näpfe mit eingetrocknetem Essen und Wäscheberge, die mit Kotrückständen bedeckt sind.

Bild
screenshot: beobachter

Das sagen Mitarbeitende

Die treuen Begleiter der Menschen werden an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr versorgt. Das steht im Jahresbericht der Zürcher Kleintierklinik. Doch gemäss Aussagen von Mitarbeitern sieht die Realität anders aus.

Im Tierspital habe sich eine Kultur der «Scheinarbeit» entwickelt: Viele würden nur das absolute Minimum erledigen, da es kaum Kontrollen gebe. Die hohe Fluktuation verschärfe das Problem. Neue Mitarbeitende würden nur unzureichend eingearbeitet. Vermehrt komme es zu Fehlern und Missständen. Beispielsweise würden Medikamente falsch verabreicht. Hunde, die nicht mehr laufen können, würden nicht an die frische Luft gebracht – obwohl dies vorgeschrieben ist.

Aufgrund der mangelnden Hygiene habe sich zudem ein Ausbruch sogenannter CPE-Bakterien ereignet. Diese multiresistenten Keime gelten laut dem Bundesamt für Gesundheit als eine «potenzielle Bedrohung der öffentlichen Gesundheit». Beim Menschen können die Bakterien Erkrankungen wie Harnwegsinfektionen, Bauchfellentzündungen oder Lungenentzündungen auslösen.

Das sagt die Klinik

In einer Stellungnahme schreibt die Medienstelle der Universität Zürich, dass es zu keinem Zeitpunkt zu einer Häufung von Krankheitsfällen gekommen sei. Laut der Recherche des «Beobachters» steht im Ausbruchskonzept der Klinik, dass «eine Rufschädigung unbedingt verhindert werden» müsse.

Auch die anderen Vorwürfe wies die Klinik zurück. Es könne bei Tieren mit Durchfall zu Verschmutzungen kommen, diese würden jedoch umgehend beseitigt. Ansammlungen von schmutzigen Futternäpfen seien nicht immer zu vermeiden. (cst)

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27 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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nevinius
18.11.2024 13:39registriert August 2024
Im Nachhinein bin ich froh, mich vor zwei Jahren gegen die Rückenoperation bei meinem Hund entschieden zu haben – die Entscheidung war jedoch schnell klar. Damals sollte ein MRT klären, ob eine OP wegen eines problematischen Wirbels notwendig ist, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Doch der Untersuch wäre nur durchgeführt worden, wenn ich zuvor die OP ohne vorherige Besprechung mit dem Oberarzt genehmigt hätte, da dieser „keine Zeit“ hatte. Ein anderer Tierarzt stellte schliesslich die Diagnose und es war keine OP nötig, sondern Schonung und Übungen für Zuhause.
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bitzliz'alt
18.11.2024 13:44registriert Dezember 2020
Kann nix zu Züri sagen, aber interessant sind die Konzentrationsbewegungen in der Kleintierbranche: Ein "deutscher Riese" kauft Tierarztpraxen auf, fasst sie in Kliniken zusammen und macht Millionengewinne ... Im ganzen Bereich Kleintiere werden Milliarden umgesetzt und im Tiernahrungsbussiness ist zB. auch Nestle zu finden!
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Crazyscientist
18.11.2024 12:19registriert März 2017
Sind Carbapenemase-produzierende Enterobakterien (CPE) gemeint? Die Abkürzung CPU im Zusammenhang mit Multiresistenten Keimen sagt mir grad nichts.
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