Schweiz
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Tour dur d'Schwiiz, 56. Etappe: Moudon – Echallens

Tour dur dSchwiiz

Traue Google nie: Plötzlich hört das Strässchen auf – und ich schiebe über die Kuhweide

Es ist eigentlich ein offenes Geheimnis: Google ist nicht allwissend. Google Maps schon gar nicht. Ich hab's irgendwo im Nirgendwo im Kanton Waadt wiedermal erfahren. Plötzlich war nur noch Wiese, wo eigentlich eine Strasse hätte sein sollen.



Mit dem Velo durch die ganze Schweiz

In den kommenden knapp vier Monaten bereise ich mit dem Velo die ganze Schweiz. Auf meiner Tour dur d'Schwiiz besuche ich alle 2324 Gemeinden der Nation und werde eine Strecke von 11'000 Kilometern mit dem Velo hinter mich bringen. Dies entspricht der Distanz von Zürich nach Peking. Folge mir im Liveticker, auf Facebook und Twitter

Ich hasse Navigationsgeräte. Im Auto würde ich so ein Ding niemals benutzen. Ich finde, die Geräte erleichtern uns nicht das Leben, sondern sorgen für unsere Verdummung. Ich freue mich jeweils diebisch, wenn zum Beispiel jemand – dessen Name mir gerade entfallen ist – statt nach Stein AR nach Stein SG fährt, weil er nur auf das Navi schaute. Oder jemand anderes – gopf, auch dieser Name ist gerade weg – in den Ferien in Italien erst eine Stunde in die falsche Richtung fährt, weil das Navi sagt: Du musst dahin.

Nun, auf der Tour dur d'Schwiiz verzichte ich bei meinem Tracking auf das Eingeben der Route. Wenn immer möglich fahre ich nach Wegweisern. Oder Gefühl. Aber wenn ich unsicher bin, checke ich auf dem Handy Google Maps. Zugegeben: Ich mache dies öfter, als mir lieb ist. So auch heute, als ich in Villars-le-Comte erst noch die Pferde beneide, welche einfach den ganzen Tag in der Sonne liegen können, mich dann aber frage: Wie komme ich jetzt in meine nächste Gemeinde (Prévondavaux)?

tour dur dschwiiz 56. etappe

Kurz nach dem Start der Tour dur d'Schwiiz wollte ich noch eine Kuh auf dem Weg zum Bernina-Pass sein. Seit heute könnte ich meine Wiedergeburt auch als Pferd in Villars-le-Comte vorstellen.
Bild: watson

Man muss dazusagen: Ich staune auch nach vier Tagen in der ländlichen Gegend der Kantone Fribourg und Waadt, wie unglaublich provinziell und verträumt das hier alles ist. Von Fribourg wusste ich vorher eigentlich nur, dass Gottéron grossartig, der Greyerzersee wunderschön und in Freiburg ein Studentenschlaraffenland ist.

Natürlich kannte ich Murten (wusste aber nie recht, ob das jetzt noch Bern ist oder vielleicht doch schon Waadt oder eben Fribourg) und hörte schon von Düdingen, Plaffeien, Bulle (die waren mal in der Nati A im Fussball, so ca. 1993, zusammen mit Chiasso aufgestiegen. Das war cool) und Co. Aber wie es dort aussieht: keine Ahnung. Nachdem ich jetzt Fribourg als neunten Kanton komplettiert habe, weiss ich: Es ist unfassbar ländlich. Eigentlich noch krasser als in Graubünden. Viele Dörfchen bestehen eigentlich nur aus Bauernhöfen. Und dem Gemeindehaus.

tour dur dschwiiz 56. etappe

Typisch für die ländliche Region von Fribourg und Waadt: ein nettes Strässchen und viel Natur. Ich find das ja eigentlich noch cool.
Bild: watson

Ich suche also nach dem schnellsten Weg. Google sagt: «Das ist er.»

Bild

Das Teilstück rechts ab dem Waldrand unten bis zur 90-Grad-Kurve: gibt es so nicht. ich schiebe links am Wald vorbei und arbeite mich dann quer über die Weide.

Ich fahre fröhlich los, doch am Waldrand plötzlich dieses Bild:

tour dur dschwiiz 56. etappe

Das Teersträsschen endet. Ein Trampelpfad dem Waldrand entlang verliert sich schnell.
Bild: watson

Ich weiss, das wäre der Moment zum umkehren gewesen. Es wären vielleicht nur drei bis fünf Kilometer Umweg gewesen. Aber ich wollte nicht. Ich kann es nicht erklären, vielleicht war ich mental einfach zu müde, um umzudrehen. Ich sagte mir: Da muss bald wieder ein Weg kommen. Ich schieb mal durch die Wiese. Nach 50 Metern:

tour dur dschwiiz 56. etappe

Ein Zaun. Nicht nur ein einfacher, sondern dreifach. Mit Stacheldraht. Und das Fussgängerdrehkreuz taugt für mein Velo natürlich auch nicht.
Bild: watson

Ich weiss, allerspätestens jetzt hätte ich drehen sollen. Aber ihr wisst sicher selbst, wie das ist. Man steht da, ahnt in 100 Metern Entfernung ein Strässchen und – zack! – schon ist das Velo mit Gepäck über den Zaun gehoben. Ich schiebe also weiter. Mitten durch die Kuhweide.

tour dur dschwiiz 56. etappe

Bild: watson

Ein zweiter Zaun, ein dritter folgt. Immerhin sehe ich unten das rettende Strässchen. Nach weiteren 100 Metern ist dieses erreicht:

tour dur dschwiiz 56. etappe

Nur noch ein paar Meter, dann ist alles wieder gut. Im Hintergrund liegt Denezy (Gemeinde Montanaire).
Bild: watson

Kaum auf der Strasse tue ich so, also ob nichts gewesen wäre und radle weiter. Schnell erreiche ich Denezy und stelle erfreut fest: Das gehört zur Gemeinde Montanaire und hatte ich so nicht auf dem Plan. Manchmal lohnt es sich eben nicht gleich umzudrehen, sondern 200 Meter über Stock und Stein zu gehen.

Tour dur d'Schwiiz, 55. Etappe: Chénens – Moudon

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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Valle Onsernone: Im Tal der 1000 Seilbähnli

Das Valle Onsernone ist ein Seitenarm des Maggiatals. Nie habe ich zuvor so viele Transport-Seilbähnli gesehen. Und bei fast keinem hätte ich gesagt: «Ja, doch, das sieht vertrauenswürdig aus.»

Die Gemeinden 180 bis 184 meiner Fahrt durch alle 2324 Gemeinden der Schweiz befinden sich im Valle Onsernone – oder im Seitental Valle di Vergeletto. Was mir im grünen Tal sofort auffällt: Die Transport-Seilbähnli.

Egal ob durch den Wald, über eine Felskuppe, zum Privathaus hoch, zum Ferienhaus hinunter oder grad über das ganze Tal auf die andere Seite: Fast an jeder Ecke steht ein Transport-Bähnli bereit. Vertrauenswürdig sehen sie selten aus, aber anscheinend tun sie ihren Zweck.

Egal ob …

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