Waadt könnte Genf bei kostenloser Verhütung folgen
Die kostenlose Verhütung könnte in der Westschweiz weiter an Boden gewinnen. Nach dem Ja in Genf verlangen nun auch in der Waadt rund 30 linke Mitglieder des Grossen Rats sowie zwei Grünliberale, dass der Kanton die Kosten für Verhütungsmittel übernimmt.
Der am Dienstag eingereichte Vorstoss wird zunächst von einer Kommission geprüft, bevor sich der Grosse Rat damit befasst. Er orientiert sich an der Genfer Initiative «Für eine kostenlose Verhütung», die Ende September an der Urne angenommen wurde. Genf verankerte damit als erster Kanton den Grundsatz einer allgemeinen Kostenübernahme für Verhütungsmittel im Gesetz.
Die Waadtländer Motion verlangt vom Staatsrat eine Gesetzesvorlage zur kantonalen Finanzierung wissenschaftlich anerkannter Verhütungsmittel. Dazu zählen unter anderem die Antibabypille und die Pille danach, Implantate, Verhütungsspritzen, Pflaster, Vaginalringe, Spiralen und Kondome.
Die Kosten sollen unabhängig von Alter, Einkommen, Aufenthaltsstatus oder familiärer Situation übernommen werden. Die Motionäre beziffern die jährlichen Ausgaben für Verhütung auf rund 300 Franken pro Person. Für Menschen mit tiefem Einkommen, Personen in Ausbildung oder in finanziell schwierigen Verhältnissen könne dies eine erhebliche Belastung sein.
Nach Ansicht der Motionäre können finanzielle Gründe dazu führen, dass Menschen auf Verhütung verzichten. Dies könne wiederum ungewollte Schwangerschaften und zusätzliche Gesundheitskosten zur Folge haben.
Lösung auf Bundesebene bevorzugt
Die Motionäre bezeichnen eine schweizweite Kostenübernahme über die obligatorische Krankenpflegeversicherung als bevorzugte Lösung. Solange eine solche Regelung fehle, könne die Waadt jedoch dem Beispiel Genfs folgen.
Verhütungsmittel werden von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung grundsätzlich nicht vergütet, obwohl für ihre Verschreibung in der Regel eine ärztliche Konsultation nötig ist. Mehrere Anläufe für eine Kostenübernahme auf Bundesebene blieben bisher erfolglos.
Auch Neuenburg befasst sich damit
Auch im Kanton Neuenburg ist kostenlose Verhütung ein Thema. Dort nahm das Kantonsparlament im September 2025 einen Vorstoss der Juso für kostenlose Verhütung für unter 30-Jährige an. Der Bericht der Kantonsregierung dazu steht noch aus.
In der Schweiz werden Verhütungsmittel grundsätzlich nicht von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung bezahlt. Genf ist bislang der einzige Kanton, der eine allgemeine Kostenübernahme beschlossen hat. (sda)
