«Wir fürchten um unser Leben» – Schwules Paar aus Russland muss Schweiz verlassen
Dima hält die Hand seines Ehemanns Ilia. Er ist den Tränen nahe, als er im Videointerview mit watson sagt:
Dabei hatten sie noch vor fünf Jahren geglaubt, diesem Schicksal entkommen zu sein.
Ilia hatte sich in Russland lange öffentlich für queere Menschen eingesetzt und deshalb immer wieder Hassnachrichten und Drohungen erhalten. Als er im März 2021 in einem Beitrag offen über seine HIV-Infektion sprach, eskalierte die Situation: Ilia erhielt Morddrohungen, seine Adresse wurde im Netz verbreitet. Auch auf der Strasse wurde er bedroht.
Wenige Tage später wurde er im Zentrum von St. Petersburg zusammengeschlagen. Kurz darauf floh er mit Dima nach Zürich, wo die beiden Asyl beantragten.
Das Staatssekretariat für Migration lehnte ihre Gesuche bereits Anfang Juli 2021 ab, doch Ilia und Dima zogen die Entscheide ans Bundesverwaltungsgericht weiter. Währenddessen bauten sie sich in Zürich ein gemeinsames Leben auf und heirateten. Bis am 31. August 2026 das Urteil kam: Das Gericht wies ihre Beschwerden endgültig ab. Bis zum 2. Oktober sollen sie die Schweiz verlassen.
In der Zwischenzeit hat Russland die LGBT-Bewegung als exstremistisch eingestuft. Bis Juni 2025 gab es im Land laut Human Rights Watch 101 Verurteilungen wegen angeblichen «LGBT-Extremismus». Eine Frau kam wegen Regenbogen-Ohrringen fünf Tage in Haft. Drei Mitarbeitende eines queeren Clubs erhielten bis zu sieben Jahre Haft.
Dimas und Ilias letzte Hoffnung ist nun ein Härtefallgesuch. Ob die Wegweisung ausgesetzt wird, ist noch offen. Damit könnte ihr Traum von einem friedlichen Leben zu zweit in wenigen Tagen vorbei sein.
Im Video erzählen sie, was diese Nachricht mit ihnen gemacht hat – und wovor sie sich in Russland am meisten fürchten.
