Schweiz
Videos

Schweiz lehnt Asyl ab: Schwules Paar bekämpft Wegweisung nach Russland

Video: watson/Emanuella Kälin, Kilian Marti

«Wir fürchten um unser Leben» – Schwules Paar aus Russland muss Schweiz verlassen

Ilia und Dima flohen vor fünf Jahren aus Russland in die Schweiz. Nun wurde ihr Asylgesuch abgewiesen und die beiden fürchten sich vor einer Rückkehr. Eine letzte Hoffnung haben sie noch.
25.09.2026, 06:0525.09.2026, 12:01

Dima hält die Hand seines Ehemanns Ilia. Er ist den Tränen nahe, als er im Videointerview mit watson sagt:

«Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn wir in Russland in Haft kämen und voneinander getrennt würden.»

Dabei hatten sie noch vor fünf Jahren geglaubt, diesem Schicksal entkommen zu sein.

Ilia hatte sich in Russland lange öffentlich für queere Menschen eingesetzt und deshalb immer wieder Hassnachrichten und Drohungen erhalten. Als er im März 2021 in einem Beitrag offen über seine HIV-Infektion sprach, eskalierte die Situation: Ilia erhielt Morddrohungen, seine Adresse wurde im Netz verbreitet. Auch auf der Strasse wurde er bedroht.

Wenige Tage später wurde er im Zentrum von St. Petersburg zusammengeschlagen. Kurz darauf floh er mit Dima nach Zürich, wo die beiden Asyl beantragten.

2024 berichtete watson über das Warten auf den Entscheid

Das Staatssekretariat für Migration lehnte ihre Gesuche bereits Anfang Juli 2021 ab. Begründung: Was die beiden in Russland erlebt hätten, reiche nicht für eine Anerkennung als Flüchtling.

Doch Ilia und Dima zogen die Entscheide ans Bundesverwaltungsgericht weiter. Währenddessen bauten sie sich in Zürich ein gemeinsames Leben auf und heirateten. Bis am 31. August 2026 das Urteil kam: Das Gericht wies ihre Beschwerden endgültig ab. Bis zum 2. Oktober sollen sie die Schweiz verlassen.

Video: watson/Emanuella Kälin, Kilian Marti

In der Zwischenzeit hat Russland die LGBT-Bewegung als extremistisch eingestuft. Bis Juni 2025 gab es im Land laut Human Rights Watch 101 Verurteilungen wegen angeblichen «LGBT-Extremismus». Eine Frau kam wegen Regenbogen-Ohrringen fünf Tage in Haft. Drei Mitarbeitende eines queeren Clubs erhielten bis zu sieben Jahre Haft.

Dimas und Ilias letzte Hoffnung ist nun ein Härtefallgesuch. Ob die Wegweisung ausgesetzt wird, ist noch offen. Damit könnte ihr Traum von einem friedlichen Leben zu zweit in wenigen Tagen vorbei sein.

Im Video erzählen sie, was diese Nachricht mit ihnen gemacht hat – und wovor sie sich in Russland am meisten fürchten.

Video: watson/Emanuella Kälin, Kilian Marti
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Schweizer F-35 über ganz Westeuropa: GLP fordert Paradigmenwechsel bei Armee
Die rasante Entwicklung bei Drohnen und KI stelle die Ausrichtung der Armee grundlegend infrage, sagen die Grünliberalen. Sie wollen einen radikalen Paradigmawechsel.
Die Worte, die der ehemalige ukrainische Jurist Oleksii Sandakov wählte, sind drastisch. «Westeuropa ist nach meinem Eindruck total unvorbereitet. Die Diskussionen über eine radikal neue, dronendominierte Kriegsführung wird nicht ausreichend geführt», sagte er in der «Süddeutschen Zeitung». Seit 2022 weist er als Dokumentarfilmer und Autor den russischen Drohnenterror in Cherson nach. Er sagt: «Für die deutsche Bevölkerung wird es eine totale Überraschung sein, wenn Moskau den Krieg ausweitet.»
Zur Story