24 Opfer fordern Zwangsverwaltung von Crans-Montana
Der Anwalt der 24 Kläger, Sébastien Fanti, hat beim Walliser Staatsrat eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht. Er fordert laut «SonntagsZeitung» eine Untersuchung der Gemeindefinanzen und eine teilweise Zwangsverwaltung. Unabhängige Kommissäre sollen demnach die finanzielle und juristische Bewältigung der Katastrophe übernehmen.
Wie hoch die Rechnung für Crans-Montana tatsächlich ausfallen könnte, ist noch offen. Der Freiburger Privatrechtsprofessor Pascal Pichonnaz hält Schadenersatzforderungen zwischen 780 Millionen und einer Milliarde Franken insgesamt für realistisch. Welchen Anteil davon die Gemeinde tragen müsste, ist noch nicht entschieden.
Schon 200 Millionen wären problematisch
Fanti rechnet in seiner Beschwerde mit verschiedenen Szenarien. Im günstigsten Fall sieht er die Gemeinde mit Forderungen von 95 Millionen Franken konfrontiert, in einem mittleren Szenario mit 387,5 Millionen. Die von der Gemeinde vorgesehenen jährlichen Rückstellungen von fünf Millionen Franken seien aus seiner Sicht bei solchen Summen ungenügend.
Auch der Finanzexperte Sandro Fuchs von der ZHAW sieht Grenzen. Eine zusätzliche Verschuldung von 100 Millionen Franken wäre für die Gemeinde zwar ein schwerer, aber noch verkraftbarer Schock. Bei 200 Millionen wären laut Fuchs bereits einschneidende Massnahmen wie Steuererhöhungen, Immobilienverkäufe und stark reduzierte Investitionen nötig. Eine noch höhere Belastung hält er aus heutiger Sicht für nicht finanzierbar.
Erinnerung an Leukerbad
Als mögliches Warnbeispiel nennt die «SonntagsZeitung» Leukerbad. Der Walliser Ferienort war nach einem Finanzdebakel mit rund 346 Millionen Franken Schulden 1999 unter staatliche Beiratschaft gestellt worden. Die Gemeinde wurde damals zeitweise von einem externen Verwalter und einer Aufsichtskommission geführt.
Ob der Staatsrat auch im Fall von Crans-Montana so weit geht, ist offen. Der Kanton bestätigt den Eingang der Eingaben, betont aber, nicht für die Schulden der Gemeinde bürgen zu müssen. Möglichkeiten einer Unterstützung könnten geprüft werden. Die Exekutive von Crans-Montana wollte sich gegenüber der «SonntagsZeitung» nicht äussern. (mke)
