«Dieser Sommer war der schlimmste, den die Schweiz je erlebt hat»
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Der Sommer geht in die Verlängerung. Nach einer langen Reihe zahlreicher und dicht aufeinanderfolgender Hitzewellen lagen die Höchsttemperaturen in der Schweiz in den vergangenen Tagen erneut über 30 Grad. Das Ende der grossen Hitze ist zwar absehbar, doch das ändert nichts am Eindruck, seit Beginn der warmen Jahreszeit eine einzige, endlose Hitzewelle erlebt zu haben.
Das ist nicht nur ein Gefühl. Die von MeteoSchweiz erhobenen Zahlen sind eindeutig. Ein Beispiel: In Sitten erreichten die Höchsttemperaturen zwischen dem 1. Juni und dem 31. August an 54 von 91 Tagen 30 Grad. Mit anderen Worten: In der Walliser Hauptstadt dauerte die Hitzeperiode mehr als die Hälfte des Sommers. Ähnliche Werte wurden in Neuenburg (52 Hitzetage), Genf (51), Delémont (44) oder Vevey (35) gemessen.
«Was die Dauer der Hitzewellen betrifft, war der Sommer 2026 der schlimmste, den die Schweiz je erlebt hat», sagt Isabelle Fath, Prognostikerin bei MeteoSchweiz. Sie ergänzt:
Ein weiterer grosser Unterschied: 2003 traten die Hitzetage nur zwischen Juni und August auf. Dieses Jahr traf die erste Hitzewelle die Schweiz hingegen bereits vor Beginn des Sommers. Sitten verzeichnete beispielsweise im Mai acht Hitzetage, Neuenburg deren fünf. Auch Anfang September wurden noch Tage mit über 30 Grad registriert.
Enorme Abweichungen
Um das Ausmass der Situation vollständig zu erfassen, lohnt sich ein Vergleich der Anzahl Hitzetage im Jahr 2026 mit dem Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Die Unterschiede sind enorm. In Neuenburg beispielsweise liegt die normalerweise erwartete Zahl an Hitzetagen zwischen April und September bei zehn. Dieses Jahr waren es 57 – ein Anstieg um 470 Prozent.
Eine ähnliche Situation zeigt sich in der gesamten Westschweiz, etwa in Genf (53 statt 18), Pully (44 statt 7) oder Sitten (62 statt 21).
«Generell führt der Klimawandel dazu, dass Hitzewellen häufiger auftreten und länger sowie intensiver werden», erklärt Isabelle Fath.
Der Beweis dafür? Seit dem 20. Mai lagen die Temperaturen an praktisch jedem Tag über der Norm.
Lange Hitzewellen auf 1000 Metern Höhe
Die Zahlen von MeteoSchweiz zeigen auch, dass die wiederholten Hitzewellen die Bergregionen nicht verschont haben. Besonders in Orten oberhalb von 1000 Metern war die Abweichung vom Durchschnitt am grössten.
Dieses Jahr verzeichnete Château-d’Oex VD 26 Hitzetage, La Chaux-de-Fonds NE 14 und La Brévine NE 11. An diesen Orten liegt der Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre jedoch bei ein bis zwei Hitzetagen pro Jahr. Die Abweichung gegenüber der Norm beträgt damit mehr als 1000 Prozent.
Obwohl es dieses Jahr keine absoluten Rekorde gab, steigen die Temperaturen in den Bergen schneller als im Flachland, erklärt Isabelle Fath. «Das liegt daran, dass es immer weniger Schnee gibt, der die Sonnenstrahlung zurückwirft. Dunklere Böden hingegen nehmen die Strahlung auf und wandeln sie in Wärme um», erklärt die Prognostikerin. Sie fügt hinzu:
Und wie geht es weiter?
Schliesslich stellt sich die Frage, ob die kommenden Jahre ebenfalls so extrem sein werden. Wird der Sommer 2026, wie in den vergangenen Monaten mehrfach zu hören war, der kühlste Sommer für den Rest unseres Lebens sein?
Isabelle Fath gibt eine differenzierte Antwort. «Normalerweise sollten sich die Temperaturen alle drei bis fünf Tage verändern: Auf eine Hitzeperiode sollten Niederschläge folgen, die wiederum der Sonne weichen, und so weiter», sagt sie. «Dieses Jahr haben wir diese Abwechslung jedoch praktisch nicht erlebt.»
Auch daran lasse sich der Einfluss der Erderwärmung erkennen, sagt die Prognostikerin. «Aufgrund des Klimawandels sind Wetterlagen häufig blockiert», erklärt sie. Abschliessend sagt sie:
