Schweiz
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Wegen Coronavirus: Dutzende Schweizer Firmen beantragen Staatshilfe

Die Kantone zählen viele Gesuche für Kurzarbeit. Gewerkschaften fordern zudem Hilfe von der Schweizerischen Nationalbank.

Stefan Ehrbar, Gabriela Jordan und Nicole Sutter / ch media



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bild: snb/keystone

Das Coronavirus hält die Weltwirtschaft weiter in Atem. Weil sich Anleger in den Franken als sicheren Hafen flüchten, stieg der Wert der Schweizer Währung in den letzten Tagen. Deshalb dürfte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Devisenmarkt interveniert haben, wie die AWP berichtet. Gestern betrug der Euro-Franken-Kurs 1.07. Daniel Lampart, Chefökonom beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB), hält eine Intervention der SNB für nötig: «Wir verlangen, dass sie aktiv gegen die Aufwertung des Franken kämpft und für eine Abwertung sorgen muss.»

Zur Sprache bringen wollen das die Gewerkschaften an einem runden Tisch, den Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP) in der «Sonntagszeitung» angekündigt hatte. Dieses Spitzentreffen mit dem Bund brauche es, sagt Lampart nun gegenüber CH Media. Wichtig sei, dass Kantone die Anträge auf Kurzarbeit der Unternehmen nun unbürokratisch bewilligen. Unternehmen können seit neustem entsprechende Gesuche beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) stellen. «Das muss auch für den Dienstleistungssektor gelten», sagt Lampart.

Bisher wurde Kurzarbeit vor allem in der Industrie angewendet. Ein weiteres Problem sei, dass viele Firmen nicht mehr an Vorprodukte und Rohstoffe kommen. «Der Bund und die Verbände sollen bei Engpässen in diesem Bereich helfen, alternative Bezugsquellen zu finden.» Kritik übt Lampart an der Informationspolitik des Bundes. Zwar sei der Informationsfluss «ausreichend», aber: «Er sollte sich in den nächsten Tagen verbessern.»

Schwarze Aussichten für die Weltwirtschaft

Wenig übrig für runde Tische und ein Konjunkturprogramm hat SVP-Nationalrat Alfred Heer. «Der Hyperaktivismus ist fehl am Platz», sagt er. Auch seine IT-Firma sei betroffen und könne keine PC mehr liefern. «Das ist halt so und kurzfristig nicht zu ändern. Für die vom Coronavirus betroffenen Firmen haben wir bereits die notwendigen Mittel wie Kurzarbeit, die in diesem Fall greifen», sagt Heer. «Man sollte sich jetzt auf die gesundheitliche Bewältigung konzentrieren.»

«Der Hyperaktivismus ist fehl am Platz.»

Alfred Heer, SVP-Nationalrat

Eine Umfrage zeigt, dass bereits in mehreren Kantonen Gesuche eingereicht worden sind. Im Kanton Luzern, wo der Tourismus eine wichtige Rolle spielt, sind es bereits 18 Anträge. Auch im Kanton Bern, wo die Tourismusregion Berner Oberland das Ausbleiben der chinesischen Gäste spürt, wurden 4 Gesuche eingereicht. Etwas weniger sind es in Zürich (5), Basel-Stadt (2) und St.Gallen (2). Häufig handelt es sich laut den Behörden um vorsorgliche Anträge. Ob die Unternehmen tatsächlich Kurzarbeit einführen, sieht das Seco erst in späteren Arbeitszeitstatistiken.

Die Ämter gehen davon aus, dass die Anzahl Gesuche je nach Entwicklung der Epidemie zunehmen wird. «Zahlreiche Unternehmen» erkundigten sich derzeit nach den Kriterien für virusbedingte Kurzarbeit, heisst es etwa beim Kanton Basel-Stadt. Diese kommen vor allem aus der Gastronomie, Hotellerie und anderen Dienstleistungssektoren. Um Kurzarbeit einzuführen, müssen Firmen einen Zusammenhang zwischen Arbeitsausfall und Coronavirus belegen können. Laut dem Seco könne der Arbeitsausfall entweder auf behördliche Massnahmen (etwa Abriegelung der Städte) oder auf wirtschaftliche Gründe (etwa ein Nachfragerückgang infolge von Infizierungsängsten) zurückzuführen sein.

Derweil schrauben Ökonomen ihre Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft herunter. Gestern schlug die OECD Alarm. Die Industriestaaten-Organisation warnte vor dem grössten Wirtschaftsrisiko seit der Finanzkrise und senkte ihre Prognose für 2020 von 2.9 auf 2.4 Prozent. Ein «langanhaltender und intensiver Ausbruch» des Virus könne die Prognose sogar auf 1.5 Prozent verringern, schreibt die OECD und schliesst auch eine Rezession nicht aus.

Die OECD ruft die Regierungen deshalb auf, «schnell und energisch» zu handeln, und fordert unter anderem eine unterstützende Geld- und Finanzpolitik. Italien und Japan planen nun Hilfspakete in Milliardenhöhe. Im Ursprungsland China wurden bereits zahlreiche Massnahmen eingeleitet, um die Liquidität im Markt kurzfristig zu erhöhen. Deutschland, Frankreich und Grossbritannien diskutieren derzeit über Konjunkturprogramme. (bzbasel.ch)

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Der Hund muss schnell raus! 03.03.2020 11:42
    Highlight Highlight Die Typen der SVP sind schon ein lustiges Volk!
    Der einte klagt man soll ja keinen Hyperaktivismus betreiben!
    Und zwei andere wollen die Grenzen Schliessen!
    Fordern von Bund Handeln aber Basler Fasnacht absagen ist dann zu viel Handeln! Aber ÖV sollte man gleich auch für 2 Wochen Einstellen!
    Oder auch der Knaller, alle nicht SVP'ler sind kategorisch Landesverräter und Landesverkäufer. Aber der Regierung und Behörden glauben sie kein Wort! Alles Lügner!
    Leider sollte der Bund Hilfe für Notleidende Firmen Prüfen!
    P.S. Heer's Firma und die PC Lieferungen, da glaub ich eher an einen Witz!
  • Orias Riese 03.03.2020 11:07
    Highlight Highlight Reguliert nicht der Markt sich und alles selbst?

  • Lowend 03.03.2020 09:33
    Highlight Highlight Sie wollen keine Steuern zahlen, sie wollen möglichst tiefe Löhne und Lohnnebenkosten sie wollen, möglichst keine Regeln einhalten, sie möchten möglichst hohe Dividenden ausschütten und sie möchten eh, dass sich der Staat möglichst aus ihren Unternehmen heraushält, aber wenn wegen einer Krise auch nur die kleinste Minderung ihrer Gewinne zu befürchten ist, schreien genau die gleichen Unternehmer sofort nach staatlicher Hilfe.

    Man könnte meinen, dass der bürgerliche Staat nach deren Ansicht nur dazu da ist, ihre Profite zu schützen und vermutlich ist er es sogar.
    • Lustiger Baum 03.03.2020 14:21
      Highlight Highlight Das tun unsere Politiker ja auch. Fairerweise nur für Grosskonzerne. Denn nur dort ist der Drehtüreffekt lohnenswert.
  • feuseltier 03.03.2020 09:17
    Highlight Highlight Schon krass...Da kommt ein Virus und die Presse schreibt pro Tag X Artikel etc...

    Was ist mit dem Klimawandel? Tod gemacht und sicher seit gut 8 Tagen nichts mehr von Greta gehört. ..

    Wenn die Politiker nur auch so schnell handeln würden...
  • Nik G. 03.03.2020 08:28
    Highlight Highlight Ja wenn die Wirtschaft immer fragiler wird weil die Aktienhalter immer mehr Gewinn wollen wird es schwierig. Ein kleiner Virus zeigt auf was eigentlich schief läuft mit dem Kapitalismus. Statt immer nur auf möglichst viel Profit wäre Nachhaltigkeit sinnvoller. Würde auch dem Klima und der Natur besser tun.
    • Saraina 04.03.2020 06:52
      Highlight Highlight Ich denke, es sind eher KMU, die zuerst leiden. Und die kleineren Tourismusbetriebe in privater Hand, werden auch keine grossen Rückstellungen haben.
  • paddyh 03.03.2020 08:09
    Highlight Highlight Was ich wirklich nicht verstehe ist, wieso die Aktienmärkte jetzt plötzlich wieder nach oben gehen, man aber gleichzeitig von Allen Seiten hört, wie schlecht es der Wirtschaft geht. Es kann doch nicht sein, dass wir Geld in ein absolut marodes System pumpen, nur damit ein paar weniger Aktionäre nicht ihr Geld verlieren. Lasst uns Wirtschaftsleistung wieder an echte Werte koppeln, so dass steigende Kurse auch den Angestellten etwas bringen.
  • [Nickname] 03.03.2020 06:45
    Highlight Highlight Typisch schweizerische Doppelzüngigkeit, den Firmen und Oberen wird in sozialistischer Manier der Hintern mit Geld vollgepumpt und der Arbeitnehmer kann wenn überhaupt noch zum unfähigen RAV antraben, wenns dann doch nichts genützt hat. Das nennt sich wirtschaftliches Risiko, welches man zu tragen hat. Es gibt keine weinerliche Branche in diesem Land, wie es der Tourismussektor ist.
  • CogitoErgoSum 03.03.2020 05:48
    Highlight Highlight Lieber Chef
    Immer weniger Steuern verlangen. Sich vieles leisten können, was der Angestellte nicht kann. Nichts zur Seite gelegt? Kleine Krise und sofort soll der Steuerzahler einspringen müssen?
  • CogitoErgoSum 03.03.2020 05:45
    Highlight Highlight Die SNB entscheidet autonom. Da kann nicht "verlangt" werden. Ein Chefökonom müsste das eigentlich wissen.
    • Der Buchstabe I 03.03.2020 07:02
      Highlight Highlight Er kann schon verlangen. Aber die SNB kann haltauch einfach nein sagen.
    • Orias Riese 03.03.2020 11:04
      Highlight Highlight InCognitoErgoSummSumm.

      SNB = AG.
  • Arneis 03.03.2020 05:40
    Highlight Highlight Also 31 Anfragen.
    Waren welche (sicher mit Ausnahmen!), nicht schon vorher Cash-flow technisch am Anschlag?
  • Lustiger Baum 03.03.2020 05:23
    Highlight Highlight Blöd für die Angestellten. Doch darf hierzu keine Hilfe gewährt werden. Dass ist das Risiko eines Unternehmers! Dafür verdient der Unternehmer deutlich mehr als seine Angestellten. Entweder man hat das Geld es zu überbrücken, nimmt Kredit oder geht Konkurs.

    Wir haben für die Angestellten ein Sozialsystem geschafft und dies gilt es im schlimmsten Fall zu nutzen. So unschön es ist.
    • Sakana 03.03.2020 07:08
      Highlight Highlight Du solltest dich zuerst über Kurzarbeit informieren...
    • Lolus 03.03.2020 08:00
      Highlight Highlight Hier werden oft die sehr vielen kleinst-Betriebe in der Schweiz vergesse, sowohl vom Bund wie auch hier in den Kommentaren.
      Als Einzelfirma verdien ich zum Beispiel weniger als früher als Angestellter und trotzdem hab ich das komplette Risiko.

      Das immer alle Denken das man als Unternehmer logischerweise extrem reich ist...
    • 7immi 03.03.2020 10:28
      Highlight Highlight @lustigerBaum
      Grundsätzlich ist deine Sicht richtig, allerdings gilt es zu bedenken, dass arbeitslose ebenfalls den Staat kosten. Daher macht es aus Staatssicht Sinn, Kurzarbeit zu unterstützen, da so der Schaden kleiner ist, als wenn die Firma in den Konkurs geht oder Leute arbeitslos werden. Man teilt so die Kosten auf zwischen Staat und Firma, was sich unter dem Strich für alle Seiten rechnet.
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