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Vorsicht beim Autokauf! Schweizer Autoportale locken mit falschen Energieetiketten

21.01.2020, 09:2621.01.2020, 13:52
2,466 Tonnen schwer ist der Ford Explorer Hybrid. Trotzdem wird und wurde er auf vielen Autoinserateplattformen mit der Energieeffizienz A beworben.
2,466 Tonnen schwer ist der Ford Explorer Hybrid. Trotzdem wird und wurde er auf vielen Autoinserateplattformen mit der Energieeffizienz A beworben.
Bild: EPA/EPA

Wer heute ein Auto kauft, der macht sich normalerweise Gedanken zu dessen Energieeffizienz. Wegen der Umwelt, aber nicht zuletzt auch wegen der Kosten. Denn: Wer ein effizientes Auto kauft, bezahlt weniger Strassenabgaben.

Ganze 80 Prozent Rabatt erhalten beispielsweise Autobesitzer im Kanton Zürich vier Jahre lang (Anmeldejahr plus drei weitere Jahre), wenn sie sich für ein Fahrzeug mit der Energieetikette A entscheiden. Wer ein «B» kauft, kriegt 50 Prozent. Fahrzeuge mit einer Energieetikette von C bis G müssen den Vollpreis bezahlen.

Wie gross der Unterschied ist, zeigt der Fall des Plug-in Hybrids Ford Explorer 3.0 V6. Der SUV wird im Inserat der Th. Willy AG auf Autoscout 24 mit einer Energieeffizienz A angepriesen. Auch im Inserat der Emil Frey AG in Zuchwil auf carforyou.ch erhält das riesige Vehikel einen Effizienzwert A (Stand 20.1.2020, 13.22 Uhr). Die jährlichen Strassenabgaben in Zürich würden sich so vier Jahre lang auf 229.60 Franken belaufen. Ein Schnäppchen für das riesige Teil.

Das Inserat auf Autoscout 24

screenshot: Autoscout 24

Aber eben: Würde.

Die tatsächliche und für die Kosten relevante Energieeffizienz offenbart das Onlinetool des Bundesamtes für Energie: Der Ford-SUV kriegt ein C. Die Ermässigungen sind dahin. Statt 229.60 Franken wird das Zürcher Strassenverkehrsamt 1148.00 einfordern – 918.40 Franken mehr. In vier Jahren kommen so schöne Ferien zusammen (3673.60 Franken).

Doch wie kommt es, dass die Inserenten bei Autoscout 24 und Carforyou falsche Effizienzwerte ausgeben? Wir rufen an. Zuerst bei Carforyou.

Dort heisst es, dass man nicht wisse, wie diese Angaben zustande gekommen seien. Es gebe drei Möglichkeiten. Falsche Daten vom eigenen Datenlieferanten, falsche Angaben vom Inserenten oder falsche Angaben vom Datenlieferanten des Inserenten.

Der Fahrzeugdatenlieferant von Carforyou, Auto-i, wiegelt auch ab. «Der Ford ist bei uns ein C», wird versichert. Hier kann der Hund nicht begraben liegen. Wir müssen beim Inserenten nachfragen.

Die Emil Frey AG in Zuchwil erklärt uns, dass die Daten bei solchen Inseraten nicht manuell erfasst werden. Anhand der TG-Nummer des Fahrzeugs (Typengenehmigungsnummer) spuckt der Rechner die restlichen Zahlen aus. Wer hinter dieser Datenbank steckt, weiss man nicht bei der Emil Frey AG in Zuchwil. Die Spur führt ins Leere. Niemand will es gewesen sein.

Anders tönt es bei Autoscout 24. Auch hier gibt es die drei Fehleroptionen: eigene Datenbank, Inseratekunde und automatisierte Datenbank des Inseratekunden. Doch man weiss, dass der eigene Datenzulieferer Eurotax seit Ende letzten Jahres keine korrekten Daten mehr liefere. «Uns wurde versichert, dass das behoben wird. Als dies zu Beginn des Jahres nicht geschah, entschieden wir uns, ein eigenes System mit den Daten vom ASTRA aufzubauen. Aber das braucht Zeit. Ende Januar werden wir so weit sein», erklärt Nicole Riedo von Autoscout 24.

Wie viele Inserate mit falschen Energieetiketten geschaltet wurden, ist nicht bekannt.

Aber wieso wurde bewusst toleriert, dass seit Weihnachten Autoscout-24-Kunden teilweise falsche Effizienzwerte vorgesetzt wurden? Nochmals Nicole Riedo: «Die einzige Möglichkeit wäre gewesen, die Energieeffizienzangaben komplett aus den Fahrzeug-Inseraten zu nehmen. Das hätte aber auch diejenigen Inserenten getroffen, die ihre Angaben manuell getätigt haben. Und das wollten wir nicht.»

Falschangaben als Kollateralschaden quasi. Wir rufen Eurotax an.

Unsere Anliegen werden von der netten Telefonistin notiert. Wir bitten um eine schnelle Antwort – ein Rückruf bleibt bis 16.00 Uhr aus. Auf der Homepage werden wir aber fündig: Wegen der Umstellung auf WLTP-Werte würden bis April 2020 keine Energieeffizienz-Daten ausgeliefert. Und wenn doch, dann dürfen diese nicht für geschäftliche Zwecke weiterverwendet werden, heisst es in einer Veröffentlichung vom 13. Dezember 2019. Welche der diversen Kunden von Eurotax sich an diese Weisung halten, ist unklar. Ebenfalls, ob diese überhaupt davon wissen. Der Ball wird zurückgespielt. Der Autokäufer bleibt lost in Database.

Wer sichergehen will, welche Energieetikette ein Neu- oder Occasionswagen hat, der kann dies mit dem Tool des BFE (Bundesamt für Energie) tun. Man benötigt dazu nur die Typengenehmigungsnummer (Typenschein).

Mehr Sicherheit oder weniger Stau?

Video: srf
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