Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Vorsicht beim Autokauf! Schweizer Autoportale locken mit falschen Energieetiketten



epa07283964 The new Ford Explorer Hybrid is introduced at the North American International Auto Show at Cobo Center in Detroit, Michigan, USA, 14 January 2019. The show offers media previews of vehicles and technologies before opening to the public on 19 January.  EPA/JOHN G. MABANGLO

2,466 Tonnen schwer ist der Ford Explorer Hybrid. Trotzdem wird und wurde er auf vielen Autoinserateplattformen mit der Energieeffizienz A beworben. Bild: EPA/EPA

Wer heute ein Auto kauft, der macht sich normalerweise Gedanken zu dessen Energieeffizienz. Wegen der Umwelt, aber nicht zuletzt auch wegen der Kosten. Denn: Wer ein effizientes Auto kauft, bezahlt weniger Strassenabgaben.

Ganze 80 Prozent Rabatt erhalten beispielsweise Autobesitzer im Kanton Zürich vier Jahre lang (Anmeldejahr plus drei weitere Jahre), wenn sie sich für ein Fahrzeug mit der Energieetikette A entscheiden. Wer ein «B» kauft, kriegt 50 Prozent. Fahrzeuge mit einer Energieetikette von C bis G müssen den Vollpreis bezahlen.

Wie gross der Unterschied ist, zeigt der Fall des Plug-in Hybrids Ford Explorer 3.0 V6. Der SUV wird im Inserat der Th. Willy AG auf Autoscout 24 mit einer Energieeffizienz A angepriesen. Auch im Inserat der Emil Frey AG in Zuchwil auf carforyou.ch erhält das riesige Vehikel einen Effizienzwert A (Stand 20.1.2020, 13.22 Uhr). Die jährlichen Strassenabgaben in Zürich würden sich so vier Jahre lang auf 229.60 Franken belaufen. Ein Schnäppchen für das riesige Teil.

Das Inserat auf Autoscout 24

Bild

screenshot: Autoscout 24

Aber eben: Würde.

Die tatsächliche und für die Kosten relevante Energieeffizienz offenbart das Onlinetool des Bundesamtes für Energie: Der Ford-SUV kriegt ein C. Die Ermässigungen sind dahin. Statt 229.60 Franken wird das Zürcher Strassenverkehrsamt 1148.00 einfordern – 918.40 Franken mehr. In vier Jahren kommen so schöne Ferien zusammen (3673.60 Franken).

Doch wie kommt es, dass die Inserenten bei Autoscout 24 und Carforyou falsche Effizienzwerte ausgeben? Wir rufen an. Zuerst bei Carforyou.

Dort heisst es, dass man nicht wisse, wie diese Angaben zustande gekommen seien. Es gebe drei Möglichkeiten. Falsche Daten vom eigenen Datenlieferanten, falsche Angaben vom Inserenten oder falsche Angaben vom Datenlieferanten des Inserenten.

Der Fahrzeugdatenlieferant von Carforyou, Auto-i, wiegelt auch ab. «Der Ford ist bei uns ein C», wird versichert. Hier kann der Hund nicht begraben liegen. Wir müssen beim Inserenten nachfragen.

Die Emil Frey AG in Zuchwil erklärt uns, dass die Daten bei solchen Inseraten nicht manuell erfasst werden. Anhand der TG-Nummer des Fahrzeugs (Typengenehmigungsnummer) spuckt der Rechner die restlichen Zahlen aus. Wer hinter dieser Datenbank steckt, weiss man nicht bei der Emil Frey AG in Zuchwil. Die Spur führt ins Leere. Niemand will es gewesen sein.

Anders tönt es bei Autoscout 24. Auch hier gibt es die drei Fehleroptionen: eigene Datenbank, Inseratekunde und automatisierte Datenbank des Inseratekunden. Doch man weiss, dass der eigene Datenzulieferer Eurotax seit Ende letzten Jahres keine korrekten Daten mehr liefere. «Uns wurde versichert, dass das behoben wird. Als dies zu Beginn des Jahres nicht geschah, entschieden wir uns, ein eigenes System mit den Daten vom ASTRA aufzubauen. Aber das braucht Zeit. Ende Januar werden wir so weit sein», erklärt Nicole Riedo von Autoscout 24.

Wie viele Inserate mit falschen Energieetiketten geschaltet wurden, ist nicht bekannt.

Aber wieso wurde bewusst toleriert, dass seit Weihnachten Autoscout-24-Kunden teilweise falsche Effizienzwerte vorgesetzt wurden? Nochmals Nicole Riedo: «Die einzige Möglichkeit wäre gewesen, die Energieeffizienzangaben komplett aus den Fahrzeug-Inseraten zu nehmen. Das hätte aber auch diejenigen Inserenten getroffen, die ihre Angaben manuell getätigt haben. Und das wollten wir nicht.»

Falschangaben als Kollateralschaden quasi. Wir rufen Eurotax an.

Unsere Anliegen werden von der netten Telefonistin notiert. Wir bitten um eine schnelle Antwort – ein Rückruf bleibt bis 16.00 Uhr aus. Auf der Homepage werden wir aber fündig: Wegen der Umstellung auf WLTP-Werte würden bis April 2020 keine Energieeffizienz-Daten ausgeliefert. Und wenn doch, dann dürfen diese nicht für geschäftliche Zwecke weiterverwendet werden, heisst es in einer Veröffentlichung vom 13. Dezember 2019. Welche der diversen Kunden von Eurotax sich an diese Weisung halten, ist unklar. Ebenfalls, ob diese überhaupt davon wissen. Der Ball wird zurückgespielt. Der Autokäufer bleibt lost in Database.

Wer sichergehen will, welche Energieetikette ein Neu- oder Occasionswagen hat, der kann dies mit dem Tool des BFE (Bundesamt für Energie) tun. Man benötigt dazu nur die Typengenehmigungsnummer (Typenschein).

Mehr Sicherheit oder weniger Stau?

Video: srf

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das neue Elektroauto von Jaguar, der i-Pace

Das Elektroauto als Bekenntnis für den Klimaschutz

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

36
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Turicum04 22.01.2020 19:26
    Highlight Highlight Jeder Verbrenner sollte die rote Etikette erhalten - und jeder Besitzer eine saftige Busse! In der Schweiz sterben jedes Jahr Zehntausende wegen dem Automobil.
  • nur Ich 21.01.2020 16:10
    Highlight Highlight "lost in Database" 👍🏻 Danke für das schöne Wortspiel.
  • sunshineZH 21.01.2020 15:05
    Highlight Highlight Interessiert dieser Index wirklich jemanden?
  • Der Rückbauer 21.01.2020 13:47
    Highlight Highlight Wieder einmal nicht Vorsprung durch Technik, sondern Vorsprung durch Beschiss.
  • sebjseb 21.01.2020 13:24
    Highlight Highlight Diese Etiketten sind sowiso irreführend und gehören schleunigst abgeschafft oder stark der Realität angepasst!
    Warum? Weil diese in keiner Weise wiederspiegelt, ob ein Fahrzeug nun umweltfreundlich ist oder nicht. Weder Herstellung noch Nutzungsdauer sind enthalten und dann ist die Einstufung noch abhängig vom Gewicht. Ein riesen SUV kann somit ein A erhalten ohne auch nur im Ansatz umweltfreundlich zu sein.
  • Forest 21.01.2020 11:41
    Highlight Highlight Die Energie Etiketten sind eigentlich ein Witz. Bis Ende 2019 galt ein Wert von 135g/km. Ab 2020 gilt ein Wert von 95g/km. Also ein Auto welches letztes Jahr ein A hatte findet sich neu in der unteren Tabellen hälfte. Die Zürcher haben halt ein System gefunden um sich noch mehr zu bereichern.
  • Jo Blocher 21.01.2020 11:29
    Highlight Highlight Sogar Länder wie Thailand schaffen es, beim Kauf eines Autos eine CO2 Steuer auf den Kauf zu erheben. Elektromobile 0%, Hybrid +12%, bis 100 g CO2 + 20%, bis 120 g + 35% etc. Wieso geht das nicht bei uns?
  • piranha 21.01.2020 10:30
    Highlight Highlight Das Zustandekommen dieser Energieetikette war mir schon immer ein Rätsel. Ich fahre einen Suzuki Swift Sport, 1.4 Liter Motor, Gewicht 1047 Kg, Verbrauch unter 6 Liter, Ausstoss 125g CO2 / km. Dieser erhält die Effizienzklasse G.
    Der BMW X3 einer Bekannten verbraucht locker 8.3 Liter (Benzinäquivalent), wiegt über 2 Tonnen, ist ein Diesel und stösst 188g CO2/km aus. Er erreicht die Effizienzklasse D. How???
    Da verlasse ich mich lieber auf unabhängige Praxisverbrauchstests.
    • Donald 21.01.2020 11:36
      Highlight Highlight NEFZ lässt grüssen. WLTP sollte da ein wenig Abhilfe schaffen.
    • Posersalami 21.01.2020 11:41
      Highlight Highlight Bisher war das Fahrzeuggewicht ein dämpfender Faktor. So kam derartiger Blödsinn zusammen.
    • Past, Present & Future 21.01.2020 11:43
      Highlight Highlight Die Effizienzklasse basiert auf einem Vergleich innerhalb der gleichen Fahrzeugsegmente. Es wird also SUV mit SUV verglichen und Kleinwagen vs. Kleinwagen.

      Mit 1.4 Litern Hubraum ist dein Swift im Vergleich zu anderen Kleinwagen relativ hochmotorsiert und schneidet entsprechend schlechter ab. Auch wenn er in absoluten Zahlen weniger ausstösst und verbraucht als ein X3.

      Wenn du einen Klasse A Kleinwagen suchst, kommst du um Elektro fast nicht mehr vorbei.

      Übrigens: dass ein Diesel "dreckiger" ist, stimmt nicht. Diesel stossen weniger CO2 als gleichwertige Benziner aus.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Randen 21.01.2020 10:24
    Highlight Highlight So etwas sollte überhaupt keine Zulassung erhalten. Das kann man nachweislich auch als voll Elektrisches Fahrzeug bauen.
    • THEOne 21.01.2020 12:25
      Highlight Highlight man sollte noch vieles nicht, machts aber trotzdem. willkommen in der realtät
  • Makatitom 21.01.2020 10:17
    Highlight Highlight Tja, das kommt halt davon wenn man Sofaimporteur von Wagen betrügerischer Hersteller mit Samthandscguhen anfasst. Dann denken die sie könnten jetzt noch dreiste lügen und betrügen
  • Ricardo Tubbs 21.01.2020 10:08
    Highlight Highlight richtig geiler hobel, schade gibt es ihn in Europa nicht als ST...den hybrid braucht man eh nicht.
  • DerHans 21.01.2020 09:53
    Highlight Highlight Die meisten Autokäufer mögen es doch, wenn sie über den Tisch gezogen werden. 🤷🏼‍♂️
    • ninolino 21.01.2020 13:55
      Highlight Highlight Ja, die Schweizer lieben die Betrüger aus Ingolstadt/Wolfsburg, was von den Verkaufszahlen immer wieder bestätigt wird...
  • Fiuuuri 21.01.2020 09:50
    Highlight Highlight Der Explorer erhält gute Werte, da er ein Hybrid ist. Spricht bei den ersten zwei Fahrten beim WLTP fährt er praktisch rein elektrisch, bei der dritten Fahrt nur noch V6. Man muss ihn laden, ansonsten säuft er 13 Liter und erreicht nie diese Werte 🙈
    • Dominik Treier 21.01.2020 13:14
      Highlight Highlight Im WLTP gibt es allgemein immer noch sehr viele Fehler, die extra für die Autoindustrie eingebaut wurden... So kommen dann bei Plug-in-Hybriden Traumwerte von unter 2 Liter auf 100 km zustande, die nur erreicht werden, wenn die Batterie immer geladen ist. Der CO2-Ausstoss für Strom wird pauschal mit 0 eingerechnet...

      Auch wenn man den Amis in Sachen Umweltschutz kaum etwas zugutehalten muss, so ist doch immerhin ihr Fahrzyklus realitätsnäher...
  • andrew1 21.01.2020 09:39
    Highlight Highlight Also statt die effizienzklasse c kann man auch gerade g fahren🤔. Naja wie auch immer solange bei der ps-zahl nicht geschummelt wird ist alles im grünen bereich😅👍.
    • THEOne 21.01.2020 12:23
      Highlight Highlight @ trollgeflüster
      sie schummeln eigentlich nicht. die werte kommen zustande auf nem hightchprüfstand mit formel 1 benzin. das perfide ist, mit der ralität hat das nix zu tun, aber man kann sie auch nicht verklagen wegen betrugs oder ihnen schummelei vorwerfen.
      btw. ich würd erst nach 5000km aufn prüfstand
    • firekillerolten . 21.01.2020 13:22
      Highlight Highlight Auch dort wird geschummelt.
    • andrew1 21.01.2020 13:36
      Highlight Highlight Es gibt auch boch den unterschied zwischen motorenleistung und dem was am den rädern ankommt. Ist auch unterschiedlich. Je nach modell geht unterwegs einiges verloren.
    Weitere Antworten anzeigen

Schlechte Qualität: Tesla-Autos landen bei Studie auf dem letzten Platz

Eine amerikanische Qualitätsstudie fällt ein vernichtendes Urteil für Tesla-Fahrzeuge. Von den 32 untersuchten Fahrzeugmarken, landetet der E-Auto-Hersteller auf dem letzten Platz.

In der Qualitätsstudie des Verbrauchermagazins J.D. Power , in der die Leistung von Neufahrzeugen in ihren ersten 90 Tagen beurteilt wurde, taucht erstmals Tesla auf, jedoch auf dem letzten Platz. 

Für die Studie wurden US-amerikanische Autobesitzer zu ihren Erfahrungen mit ihren Neuwagen befragt. Erhoben wurden die gemeldeten Mängel je 100 Fahrzeuge. Das Ergebnis zeichnet kein gutes Bild von Tesla-Neufahrzeugen: Die Modelle S, X, Y und 3 hatten 250 Probleme pro 100 Fahrzeuge. Der …

Artikel lesen
Link zum Artikel