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Die Migros will sich Richtung Aldi und Lidl entwickeln

Mario Irminger, Praesident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes spricht an der Bilanzmedienkonferenz der Migros am Dienstag, 26. Maerz 2024 in Zuerich. . (KEYSTONE/Michael Buholzer)
Mario Irminger ist seit einem guten Jahr Migros-Boss.Bild: keystone

Die Migros will sich Richtung Aldi und Lidl entwickeln

Die Migros sorgte jüngst mit Massenentlassungen für Schlagzeilen. Nun äussert sich Chef Mario Irminger in einem Interview zur Zukunft des Kult-Detailhändlers – die wichtigsten Aussagen im Überblick.
23.06.2024, 09:3823.06.2024, 14:54
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Mario Irminger ist seit Mai 2023 Migros-Chef. Unter seiner Ägide hat der Schweizer Kult-Detailhändler im Februar 2024 tiefgreifende Veränderungen angekündigt. Reihenweise sollen Fachmärkte wie Sport X, M-Electronics, Hotelplan oder Micasa verkauft werden.

Im Zuge der Reorganisation, wie die Veränderungen genannt werden, sollen bis zu 1500 Stellen gestrichen werden. In einem Interview mit der «SonntagsZeitung» nahm Mario Irminger nun Stellung zu ...

... schlaflosen Nächten wegen der Massenentlassung

Solche habe er nicht, erklärt Irminger. Er zweifle nicht am eingeschlagenen Weg der Migros. Er sagt allerdings:

«Es belastet mich jedoch, dass unsere Entscheidungen das Schicksal vieler Menschen beeinflussen.»

Das sei insbesondere der Fall, weil diejenigen, die die Migros jetzt verlassen müssten, nichts für die aktuelle Situation könnten.

«Aus heutiger Sicht können wir sagen, dass sich die Migros in der Vergangenheit verzettelt hat.»

Ihm wäre es natürlich auch viel lieber, wenn er Mitarbeitende einstellen könnte, anstatt sie zu entlassen, so Irminger. Er müsse sich abgrenzen, die persönlichen Schicksale würden ihn sonst zu fest belasten. Das mache er, indem er am Wochenende den Kopf lüfte und beispielsweise in die Berge gehe.

... einem weiteren Stellenabbau

Bisher ist der Abbau von circa 700 Stellen vollzogen, am Ende der Umstrukturierung soll die Zahl etwa 1500 betragen. Laut Irminger kommt es aber nicht nochmals zu einer weiteren grossen Kündigungswelle. Der Abbau werde, wo überall möglich, durch die Umwandlung von festen in temporäre Jobs und die Nichtneubesetzung von offenen Stellen vollzogen.

«Einen so grossen Stellenabbau wird es nicht mehr geben.»

Es könne allerdings sein, dass es zu Stellenstreichungen im kleineren Umfang kommt. Da viele Fachmärkte abgegeben werden, sind Verwaltungs-, Logistik- und IT-Jobs bei diesen auf der Streichliste.

... der zukünftigen Ausrichtung der Migros

Optisch soll sich in den Migros-Filialen nicht viel verändern. Bei den Preisen allerdings schon. Die Migros will deutlich günstiger werden. In den Worten von Boss Irminger:

«Beim Preis wollen wir uns in Richtung der Discounter bewegen.»

Irminger geht davon aus, dass die durchschnittliche Kaufkraft der Schweizerinnen und Schweizer sinkt. Explodierende Gesundheitskosten, hohe Mieten und Energiepreise, dazu der Einfluss der Migration: Viele Menschen müssten sich überlegen, wo sie sparen wollten. Und ein Budgetposten seien eben die Lebensmittel. Deshalb:

«Wir brauchen mehr günstige Produkte im Sortiment.»

So soll vermehrt wieder auf Eigenmarken gesetzt werden, teils sollen teure, aber nicht enorm nachgefragte Markenprodukte gestrichen werden. Eine Evaluierung, welche es treffen könnte, laufe derzeit.

Bei der Sortimentsvielfalt will die Migros hingegen nichts einbüssen, sondern sich weiterhin von Aldi und Lidl unterscheiden. Irminger:

«Wir werden weiterhin ein Vollsortiment anbieten. Von M-Budget bis Sélection.»

... einer Fusion mit Denner

Eine Fusion von Migros und Denner zu einem «Menner» schliesst Irminger aus. Man sei der Ansicht, dass es sich um zwei Detailhändler mit unterschiedlichen Konzepten handle.

«Denner brauchen wir, um uns gegen die beiden deutschen Discounter verteidigen zu können.»

Trotz der Annäherung an diese beiden bei den Preisen wolle die Migros weiterhin Zusatzleistungen wie eine bediente Fleisch- oder Käsetheke anbieten und sich damit unterscheiden.

... der teuren Unterstützung durch McKinsey

Die NZZ berichtete, dass die Migros bei der Umstrukturierung die Dienste des US-Unternehmensberaters McKinsey in Anspruch nimmt und diesen teuer entlöhnt. Die Rede war von vier Millionen Franken pro Monat. Diese Zahl korrigiert Irminger:

«Wir geben 500'000 bis 700'000 Franken pro Monat für McKinsey aus.»

Dass McKinsey den Umbau bei der Migros diktiere, verneint Irminger.

«Am Ende bin ich verantwortlich für die Entscheidungen – nicht McKinsey.»

(con)

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225 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bärner728
23.06.2024 10:14registriert Juni 2020
Soso, vermehrt auf Eigenmarken setzen, klar, darum wird Mibelle verkauft und werden Delica (inkl. Frey) und die Elsa Group massiv verkleinert...
Wundert mich aber nicht. Wo McKinsey die Finger im Spiel hat, ist der Niedergang meistens nicht weit weg. Die Migros, unter einem unfähigen Chef wie Mario Irminger, wird da keine Ausnahme sein.
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Neruda
23.06.2024 10:09registriert September 2016
500'000 - 700'000 Fr. pro Monat für Beratungen ist einfach Wahnsinn!

Dabei hat man Leute, die das gleiche tun viel günstiger selber angestellt. Nur drücken die ihre Arbeit gern anderen auf. Wenn man Berater holt, kann man in der Strategieabteilung gleich alle Festangestellten entlassen.
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manzoni
23.06.2024 10:32registriert Oktober 2020
Wofür wird das M-Management eigentlich entlohnt, wenn die Geschäfts-Ideen von extern kommen?
Ah, der arme Herr Irminger trägt ach so viel Verantwortung. Doch dem Himmel sei Dank, gib es unsere schönen Berge, sonst müsste er sich allzu viele Gedanken über seine (ex-) Mitarbeitenden machen.
Mir wird‘s übel…
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