Schweiz
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ARCHIV -- ZUM TAGESGESCHAEFT DER FRUEHJAHRSSESSION AM MONTAG, 18. MAERZ 2019, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES THEMENBILD ZUR VERFUEGUNG -  A nurse walks next to a resident of the retirement home Herzogenmuehle in Zurich, Switzerland, on February 21, 2019. (KEYSTONE/Christian Beutler)

In Zürich bezahlen Rentner, die viel Pflege benötigen, jährlich über 50'000 Franken für das Pflegeheim – aus der eigenen Tasche. Bild: KEYSTONE

In diesen Kantonen zahlen alte Menschen am meisten für das Pflegeheim

Je nachdem wo Rentner ihren Lebensabend verbringen, müssen sie massiv tiefer in die Taschen greifen, um Betreuungs- und Pflegekosten zu bezahlen. Eine Studie zeigt, in welchen Kantonen die Kosten am höchsten sind.



Die Menschen in der Schweiz werden immer älter. Und immer mehr bedürfen Alte einer besonderen Betreuung und Pflege. Das kostet viel Geld und oft kann die Betreuung und Pflege nicht alleine mit dem Renteneinkommen finanziert werden.

In einer Studie hat die Fachhochschule Nordwestschweiz berechnet, wie sehr das Portemonnaie der Renterinnen und Rentner durch die Betreuungs- und Pflegekosten belastet wird. Je nach Einkommen und Betreuungs- und Pflegegrad unterscheiden sich die Ausgaben in den verschiedenen Kantonen frappant. Das zeigen diese ausgewählten Beispiele:

Rentner Typ 1: Mittleres Einkommen, mittlere Betreuung

Die Studienautoren halten fest, dass die Kosten für die Betreuung stärker ins Gewicht fallen als die Kosten für die Pflege, da diese in der ganzen Schweiz zu einem grossen Teil von den Krankenkassen übernommen werden. Brauchen ältere Menschen in ihrem Alltag zunächst Hilfe und Unterstützung und keine Pflege, müssen sie diese Kosten weitgehend selber tragen.

Um die Kostenunterschiede in den Kantonen zu berechnen, geht die Studie im ersten Beispiel von einer Person im Ruhestand aus, die alleine zu Hause lebt. Sie hat ein mittleres Einkommen von 39'600 Franken pro Jahr und ein mittleres Vermögen von 137'300 Franken. Die körperliche und geistige Verfassung ermöglichen eine mehrheitlich selbstständige Alltagsgestaltung. Aufgrund von schwindendem Seh- und Hörvermögen sowie Kräfteverlust ist die Person bei der Hausarbeit, beim Kochen sowie bei der Körperpflege auf Hilfe der örtlichen Spitex angewiesen.

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Lesebeispiel: In Basel bezahlt der Rentner Typ 1 im Jahr 2018 Betreuungs- und Pflegekosten von 13’985 Franken. Davon muss er 72 Prozent aus der eigenen Tasche bezahlen. Die restlichen Kosten werden von staatlichen Unterstützungsleistungen übernommen. screenshot: einkommen-im-alter.ch

Die Berechnungen der Studie zeigen, dass die Kosten je nach Kantonshauptort für eine alleinstehende Person mit mittlerem Einkommen pro Jahr zwischen 2200 Franken in Freiburg und fast 23'000 Franken in Bern ausmachen.

Rentner Typ 2: Tiefes Einkommen, mittlere Betreuung

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn für den gleichen Einpersonenhaushalt ein tiefes Einkommen und sehr kleines Vermögen angenommen wird. Dafür wird in der Studie das Beispiel einer Person im Ruhestand kreiert, die alleine zu Hause lebt und von der Spitex Hilfe bei der Hausarbeit, beim Kochen sowie bei der Körperpflege erhält. Dieses Mal hat der Renter aber ein tiefes Einkommen von 21'600 Franken im Jahr und ein Vermögen von 300 Franken.

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Lesebeispiel: In Liestal bezahlt der Rentner Typ 2 im Jahr 2018 Betreuungs- und Pflegekosten von 11’726 Franken. Davon muss er 3’870 Franken aus der eigenen Tasche bezahlen. Die restlichen Kosten werden von staatlichen Unterstützungsleistungen übernommen. screenshot: einkommen-im-alter.ch

Das Beispiel von Rentner Typ 2 zeigt, dass in seinem Fall in den meisten Kantonshauptorten der grösste Teil der Betreuungs- und Pflegekosten durch die Ergänzungsleistungen gedeckt wird. Der Anteil an den Kosten, den diese Menschen selber tragen müssten, sinkt in diesem Fall fast überall auf Null.

Rentner Typ 3: Mittleres Einkommen, viel Pflege

Für Menschen im Pflegeheim sieht die Situation anders aus als für Menschen, die zu Hause leben. Sie wohnen in einer stationären Einrichtung und sind rund um die Uhr mit Betreuung und Pflege versorgt. Darum sind die Pflegeheimkosten deutlich höher als die Betreuungs- und Pflegekosten zu Hause.

Doch auch da gibt es deutliche Unterschiede in den Kantonen. Gerechnet wurde anhand des Beispiels einer Person im Einzelzimmer eines Pflegeheims mit einem mittleren Einkommen von 39'600 Franken pro Jahr und einem mittleren Vermögen von 137'300 Franken. Die Betreuung und Hilfe zu Hause durch die Spitex war aus Kapazitätsgründen nicht mehr möglich. Die Person ist auf stationäre Betreuung und Pflege sowie konstante Hilfe aufgrund starker Mobilitätseinschränkung angewiesen.

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Lesebeispiel: In Lausanne bezahlt der Rentner Typ 3 im Jahr 2018 im Pflegeheim 67’467 Franken. Davon muss er 49’258 Franken jährlich aus der eigenen Tasche bezahlen. Die restlichen Kosten werden in Lausanne mit Sozialtransfers gedeckt.
screenshot: einkommen-im-alter.ch

Das Beispiel zeigt: Der Aufenthalt in einem Pflegeheim in einem Zimmer der gleichen Kategorie kostet für dieselbe Person je nach Kanton zwischen 38’152 Franken und 91’582 Franken jährlich. Auch zeigt es, dass in diesem Fall die pflegebedürftige Person in den meisten Kantonshauptorten den grössten Teil der Pflegeheimkosten selbst trägt.

Erst wenn ein grosser Teil des Vermögens aufgebraucht ist, erhält die Person Ergänzungsleistungen zur Deckung der Pflegeheimkosten: Das hat Auswirkungen auf das frei verfügbare Einkommen. In fast allen Kantonshauptorten beträgt dieses in dem obigen Beispiel einige Tausend Franken pro Jahr.

Anders sieht das bei einer Person mit tiefem Einkommen und kleinem Vermögen aus: Sie trägt in den meisten Kantonshauptorten weniger als 30 Prozent der Pflegeheimkosten selbst. Die selbstgetragenen Pflegeheimkosten sind in allen Kantonshauptorten deutlich tiefer als für eine Person mit mittlerem Einkommen und Vermögen und betragen zwischen 11’000 Franken und 22’000 Franken jährlich.

Fazit:

Betreuung und Pflege kommen ältere Menschen je nach Wohnort teuer zu stehen. Bei Rentnerinnen und Rentnern, die zu Hause leben, betragen die Unterschiede gemäss der Studie je nach Kantonshauptort bis zu 33'000 Franken pro Jahr. Da in der Schweiz künftig mehr pflegebedürftige ältere Menschen über 85 Jahre leben werden, steigen auch die Kosten für ambulante und stationäre Betreuung und Pflege weiter an.

(mit Material von der sda)

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • WID 22.11.2019 11:00
    Highlight Highlight Schade, werden keine Leistungen verglichen. Da gibt es bestimmt Unterschiede. In der Stadt Zürich z.B. ist es locker möglich, dass eine alte Frau welche ihr Leben lang gearbeitet hat im Pflegeheim dann das Zimmer mit einer fremden Person teilen muss. Selber gesehen.
    • foe (1) 22.11.2019 16:12
      Highlight Highlight In Winterthur gibt es teilweise auch noch 4er-Zimmer.
  • Mügäli 22.11.2019 09:30
    Highlight Highlight Die zunehmende Überalterung und die damit verbundenen Kosten im Alter ist eine der grossen ungelösten Probleme von welcher ich mir endlich Seitens Politik Lösungsansätze wünsche. Wenn man bedenkt, dass in 10-20 Jahren die Anzahl enorm Ansteigen wird, muss nun gehandelt werden. Vergessen wir nicht, dass die ‚Fehlbeträge‘ via Ergänzungsleistungen durch den Steuerzahler gezahlt werden muss und die Kantone diese Last früher oder später nicht mehr tragen können. Liebe Politik stellt euch endlich den heutigen Problemen anstatt ständig nur über Bundesratssitze und Machtverhältnisse zu diskutieren ...
  • Gubbe 22.11.2019 08:31
    Highlight Highlight Da fragt sich der Rentner aus Bern, ob er nicht ein Zimmer im Kanton Fribourg nehmen soll, und nur die Wochenenden im Kt. Bern zu verbringen. Ja, oder ganz zu zügeln. Schon bei den Steuern zahlen wir 4 mal mehr als im Kt. Schwyz. Das bei min. 20% weniger Lohn als der Zurcher. Aber es ist halt so schön hier...
  • jjjj 22.11.2019 08:31
    Highlight Highlight Da bleibt einem nicht mehr viel übrig...
    Benutzer Bild
  • P1erre991 22.11.2019 07:25
    Highlight Highlight Schon wieder Kanton Bern, am teuersten! Wieso nur ist dieser Kanton so menschenfeindlich? Irgendwas läuft da verflucht schief! Die Politiker lassen das zu, nicht einer ist bereit etwas zu ändern! Es ist zum kotzen, wird man ihn diesem Kanton alt bist du nur noch das Schlachtlamm und wenn du stirbst kommst du auch noch am treuesten unter die Erde. Hier ist das alte Sprichwort "das letzte Hemd hat keine Taschen"die nackte Wahrheit!
    • ingmarbergman 22.11.2019 15:18
      Highlight Highlight Bürgerliche Politik kombiniert mit vielen Zentrumslasten.
  • pamayer 22.11.2019 06:18
    Highlight Highlight Altersarmut..
    Ab wann werden überhaupt die Angehörigen zur Kasse gebeten?
    • Gubbe 22.11.2019 08:53
      Highlight Highlight Selten bis gar nie. Weil die Gemeinde der Angehörigen dann einen Sozialfall mehr hätten. Wer hat schon CHF 6'500 jeden Monat übrig, um einen Elternteil zu unterstützen?
    • Füürtüfäli 22.11.2019 09:25
      Highlight Highlight So viel ich weiss, im Kt. ZH keiner.
    • Füürtüfäli 22.11.2019 09:30
    Weitere Antworten anzeigen
  • wolge 22.11.2019 06:12
    Highlight Highlight Sozialstaat und Solidarität sind eine gute Sache. Leider haben sie ein grosses Problem:

    Spare ich mein Leben lag, bezahle ich danach im Pflegeheim sehr vieles selbst. Verprasse ich alles und lebe den Konsum in vollen Zügen, bezahlt die Allgemeinheit...
    • foe (1) 22.11.2019 11:18
      Highlight Highlight Oder aber; es ist dir ein Leben lang gar nicht möglich, zu sparen.
    • Medizinerli 22.11.2019 14:08
      Highlight Highlight Das ist leider häufig so. Ich persönlich spare aber lieber, auch weil ich teilweise (!) die Qualität von den bezahlten "Billig"-Heimen kenne, viele aus der Branche wissen was ich meine.
  • wolge 22.11.2019 06:04
    Highlight Highlight Wir sollten den Kantöndligeist stärker zurück fahren.
    • what's on? 22.11.2019 17:45
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