Wirtschaft
Schweiz

Jede dritte Kindertagesstätte in der Schweiz schreibt Verlust

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Spielen in der Kita.Bild: AP

Jede dritte Kindertagesstätte in der Schweiz schreibt Verlust

07.12.2023, 12:5907.12.2023, 12:59

Jede dritte Kindertagesstätte in der Schweiz hat letztes Jahr Verlust geschrieben. Die erstmalige Untersuchung der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen von Kindertagesstätten ergab zudem, dass die Branche über eine dreimal höhere Austrittsquote beim Personal verfügt.

Aufgrund hoher Personalkosten, die drei Viertel des Gesamtaufwands ausmachen, bleibe den Kitas nicht viel an Ertrag, teilte der Verband Kinderbetreuung Schweiz (Kibesuisse) am Donnerstag mit. Zwei Fünftel der befragten Kitas hätten das Kalenderjahr 2022 mit Gewinn abgeschlossen und ein Drittel mit Verlust. 13 Prozent der befragten Kitas wollten demnach keine Angaben machen.

Ein weiteres Merkmal der Branche ist die Fluktuationsrate. Die Austrittsquote bei Kitas liege bei 30 Prozent. Wie es auf Anfrage hiess, liege diese Quote normalerweise bei 10 Prozent. Die drei grössten Herausforderungen der Befragten im betrieblichen Alltag betreffen folglich auch das Personal. Krankheitsausfälle, das Rekrutieren von Personal mit angemessener Qualifikation und die Besetzung ausgeschriebener Stellen seien die Hauptprobleme der Kitas.

Fehlendes Fachpersonal

In etwa die Hälfte des Betreuungspersonals verfüge über keine abgeschlossene pädagogische Ausbildung, schrieb Kibesuisse. Durch das mangelnde Finanzierungsmodell seien Kitas für ihr Überleben auf unausgebildete Mitarbeitende angewiesen. Eine Lösung könnte ein Subventionierungsmodell sein, das die Anstellung von Betreuungspersonen mit tertiärem Abschluss erlauben würde. Ein solches Modell werde teilweise schon in der Westschweiz und im Tessin umgesetzt.

Die Umfragedaten von Kibesuisse zeigen ausserdem, dass pro Kita durchschnittlich 0,4 Stellen nicht besetzt waren. 95 Prozent der befragten Kitas hätten im Erhebungsjahr mindestens eine Stelle zu besetzen gehabt.

Verband fordert bessere Finanzierungsmodelle

Es brauche Finanzierungsmodelle, die es den Kitas erlauben würden, kostendeckend zu arbeiten. Im Sinne der Qualitätsentwicklung sollte die Finanzierung auch die Subventionierung der Aus- und Weiterbildung von Betreuungspersonen beinhalten, teilte der Verband weiter mit. Dadurch würden sich nicht nur die beruflichen Perspektiven des Personals verbessern, sondern dieses würde auch zum Verbleib ermutigt. Das hätte positive Auswirkungen auf Qualität und Kontinuität in Bezug auf Austrittsquoten und Stellenbesetzung.

Beauftragt von Kibesuisse nahm das Forschungsinstitut Infras im Frühjahr 2023 statistische Untersuchungen an Kindertagesstätten in der Schweiz vor. Ende 2022 wurden an den 621 befragten Kitas 31'632 Kinder betreut.

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64 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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cereza
07.12.2023 13:45registriert Februar 2023
Bis heute hat über die Hälfte der Betreuerinnen überhaupt keinen pädagogischen Abschluss und nun träumt man von einem Subventionierungsmodell, dass die Anstellung von Personen mit tertiärem Abschluss ermöglicht? Wieso nicht ein Modell, dass es erlaubt Ausgebildete mit EFZ anständig zu bezahlen? Ich habe selbst in einer Kita gearbeitet, meine Kinder haben eine Kita besucht, einen akademischen Abschluss für diese Arbeit halte ich nicht für erforderlich.
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fadofasol
07.12.2023 13:20registriert November 2022
Ich finde es echt entsetzlich, wie wenig die Arbeit mit kleinen Kindern (auch, aber nicht nur finanziell) wertgeschätzt wird. In den ersten Jahren geschieht unglaublich viel an Entwicklung und eine kompetente und verlässliche Betreuung ist extrem wichtig. Es braucht dringend eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und wohl auch eine Diskussion darüber, ob das nicht auch Aufgabe des Staats ist.
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Ophelia
07.12.2023 14:54registriert Mai 2019
Ich lese die Geschichte anders: 40% aller KITAs haben letztes Jahr Gewinn gemacht. Stark subventioniert Betriebe, welche ihren Mitarbeitenden meist einen fürchterlich tiefen Lohn zahlen. Dass (oft staatlich mitfinanzierte) Grundinfrastruktur (Spitäler, KITAs etc.) gewinnbringend operieren soll lohnt sich doch meist nur für ganz wenige. Wohin geht denn der Gewinn, wenn eine KITA solchen macht?
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