DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIVBILD ZUR NATIONALEN KUNDGEBUNG

Vielerorts wächst Widerstand gegen 5G, meist aus Angst vor Gesundheitsschäden wegen zusätzlicher Strahlenbelastung. Bild: KEYSTONE

Nach Kritik wegen Strahlung: 5G-Technologie heizt auch den Stromverbrauch an

Die neuen Mobilfunkantennen rufen Kritiker wegen der Strahlenbelastung auf den Plan. Doch kaum jemand spricht über den Energiebedarf.

ANDREA SÖLDI / CH MEDIA



Bis Ende Jahr soll die Schweiz als erstes Land in Europa flächendeckend mit schnellem mobilem Internet versorgt sein. Die fünfte Generation drahtloser Kommunikationstechnologie soll rund hundertmal schnellere Datenübertragung ermöglichen als die derzeit üblichen 3G- und 4G-Netzwerke. Die Telecom-Gesellschaften Sunrise und Swisscom bauen emsig neue Antennen. Einige sind bereits im Betrieb.

Vielerorts wächst Widerstand, meist aus Angst vor Gesundheitsschäden wegen zusätzlicher Strahlenbelastung. Gleichzeitig ist ein anderer Aspekt kaum Thema, obwohl klimapolitisch äusserst relevant: Wie wird sich die allgegenwärtige Verfügbarkeit grosser Datenmengen auf den Stromverbrauch auswirken?

Serverfarmen zapfen Strom

Bereits heute schluckt die gesamte IT-Branche rund 7 Prozent des weltweit produzierten Stroms. Während der Bedarf der Endgeräte durch die Miniaturisierung stetig zurückgeht, sind die immer grösseren Rechenzentren mit ihren Serverfarmen wahre Stromfresser. Ein Teil des Verbrauchs fällt auch in den Übertragungsnetzen an. Besonders ins Gewicht fallen Videos, weil sie sehr datenreich sind.

Wenn dereinst also immer mehr Menschen unterwegs hoch aufgelöste Filme schauen, wird der Stromverbrauch nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland ansteigen. Für eine Stunde Streaming seien derzeit etwa 300 Wattstunden Strom nötig, sagt Friedemann Mattern, Professor für Informatik an der ETH Zürich.

Damit könnte man 2 Kilometer mit einem Elektroauto fahren oder im Wasserkocher 3 Liter Wasser zum Kochen bringen. «Wir werden weniger fernsehen oder Internet über Festnetz nutzen, obwohl beides deutlich weniger Energie benötigt», ist Mattern überzeugt.

Gemäss Angaben der Swisscom ist 5G aber deutlich energieeffizienter als ältere Technologien. Das Übertragen eines Bits benötige sowohl beim Sender als auch beim Empfänger einen Bruchteil des Stroms, teilt Mediensprecherin Esther Hüsler mit. Zudem stelle die schnelle Datenübertragung die Basis für zahlreiche neue Anwendungen dar, die einerseits Vorteile für die Schweizer Wirtschaft bringen und anderseits auch energetisch relevant sind.

So zum Beispiel für Smart Grids: Die intelligenten Stromnetze können Angebot und Nachfrage besser aufeinander abstimmen. Sie werden vor allem im Zusammenhang mit dem Ausbau unregelmässig anfallender Strommengen wegen der erneuerbaren Energien grosse Bedeutung erlangen: Wenn in Norddeutschland gerade der Wind weht oder in Spanien die Sonne scheint, können mit dem Strom Autobatterien geladen oder Kühlhäuser betrieben werden.

Auch in Gebäuden könnten Heizung und Beleuchtung besser auf die aktuelle Belegung ausgerichtet werden. Doch die Swisscom-Verantwortlichen räumen ein, dass der starke Anstieg der übertragenen Daten die Stromersparnisse wieder zunichtemachen könnte.

Professor Mattern ist jedoch der Ansicht, für die energiesparenden Technologien brauche es 5G nicht unbedingt. «Die meisten dieser Anwendungen wären mit 4G oder WLAN genauso gut möglich.» Wegen der kürzeren Reaktionszeiten verspreche 5G hingegen neue Chancen bei der Steuerung von Maschinen, Robotern und Fahrzeugen aus der Ferne.

Zudem erlaube die Technologie, grosse Datenmengen zu übertragen – etwa hochauflösende Konstruktionspläne auf Baustellen oder im Bereich Augmented Reality.

Das 5G-Netz werde parallel zu den bestehenden erstellt, sagt der Fachmann. 2G und 3G würden wohl kontinuierlich reduziert und mit der Zeit abgeschaltet. Doch 4G befinde sich immer noch im Ausbau und werde wohl noch über Jahrzehnte weiterbetrieben, prognostiziert Friedemann Mattern. «5G kommt zusätzlich. Es wird nicht weniger Strom verbraucht.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die fünf ersten 5G-Smartphones im Überblick

Verschwörung? Fake-News? Besteck!

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wohnst du neben einer 5G-Antenne? Hier findest du es auf einen Blick heraus

Sunrise und Swisscom haben das 5G-Netz gestartet. Der Bund zeigt auf seinem Online-Kartendienst, wo die neuen (und die bisherigen) Antennen stehen.

In der Schweiz sind bereits über 300 5G-Antennen installiert. Sie sind jedoch noch nicht alle in Betrieb. Auf der Website des Bundesamtes für Kommunikation sind alle Telefonantennen auf einer interaktiven Karte markiert, jene, die 5G übertragen, aber auch 3G- und 4G-Antennen.

Die 5G-Antennen von Swisscom, die seit Mittwoch in Betrieb sind, senden aber vorerst noch auf 4G+-Frequenzen. An 102 Standorten in 54 Ortschaften wie Zürich, Bern, Basel, Genf und Lausanne, soll 5G in Betrieb genommen …

Artikel lesen
Link zum Artikel