Schweiz
Wirtschaft

Schweizer Bevölkerung leidet unter Inflation – wo gespart wird

Portemonnaie Geldbeutel leer. Kein Geld.
Die Teuerung macht vielen Menschen in der Schweiz zu schaffen – und verändert das Konsumverhalten, wie eine Umfrage von Deloitte zeigt.Bild: shutterstock.com

Inflation belastet Schweizer Bevölkerung – hier wird am meisten gespart

25.01.2024, 22:2126.01.2024, 11:57
Mehr «Schweiz»

Die seit zwei Jahren verschärfte Inflation stellt für zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung eine Belastung dar, für mehr als ein Viertel sogar eine grosse. Da die Teuerung auch in der Schweiz Spuren im Portemonnaie hinterlässt, hat das Auswirkungen auf das Konsumverhalten der Menschen.

Sie reduzieren etwa nicht unbedingt notwendige Ausgaben. Sie sparen also dort, wo sie die Kosten selbst im Griff haben, erklärte das Beratungsunternehmen Deloitte am Dienstag.

Laut einer Umfrage ging etwa in den letzten 12 Monaten gut die Hälfte (52%) weniger auswärts essen und besuchte seltener Bars oder Clubs. Und jeweils 40 Prozent hätten bei Kleidung, Ferien, Reisen und Freizeitaktivitäten Geld gespart. Bei den Lebensmitteln habe mehr als ein Drittel (34%) den Rotstift angesetzt.

Alles in allem hätten 57 Prozent der Befragten ihre Ausgaben für nicht unbedingt Notwendiges reduziert.

Kaum Abstriche bei der Bildung

Tiefer ist der Anteil der inflationsbeeinflusst Sparenden in den Bereichen Bildung (10%), Öffentlicher Verkehr (14%) und Telekommunikation (16%). Das lässt laut Deloitte darauf schliessen, dass diese Bereiche ganz offensichtlich einen höheren Stellenwert geniessen.

Eine andere Strategie, um mit der Inflation besser zurechtzukommen, ist billiger einkaufen. Laut der Umfrage haben Sonderangebote und Aktionen für mehr als die Hälfte (51%) an Bedeutung gewonnen. Viele kauften auch bewusst preiswerte Produkte (44%) oder wechselten zu billigeren Anbietern (37%).

Auf gebrauchte Güter zu setzen, Dinge selbst herzustellen oder sich diese nur zu leihen, ist aber nur bei einer kleinen Minderheit die Antwort auf die Inflation. Es scheine also nicht zu einem grundlegenden Wandel im Konsumverhalten zu kommen, meint Deloitte.

Westschweiz leidet stärker

In der Umfrage gaben schweizweit 27 Prozent der Befragten an, dass die Inflation in den letzten 12 Monaten für sie eine hohe Belastung war. Weitere 38 Prozent empfanden die steigenden Preise als eine mittlere Belastung.

Besonders intensiv scheint es dabei die Westschweiz zu treffen, wo die Inflation für 33 Prozent eine hohe und für 40 Prozent eine mittlere Belastung darstellt. Gesamtschweizerisch nehmen somit fast zwei Drittel (65%) die Inflation als eine Belastung wahr, in der Westschweiz sind es sogar beinahe drei Viertel (73%).

Nicht beeinflussbare Kosten

Doch auch die steigenden Wohnungsmieten und die Krankenkassenprämien bereiten Sorgen. Dabei handelt es sich aber um politisch beeinflusste Preise – Einsparungen aus eigenen Antrieb sind hier schwieriger zu erzielen.

Die Umfrage zeige, dass die öffentliche Meinung hierzu ungefähr hälftig gespalten ist. Ein Teil der Bevölkerung plädiere für langfristige, nachhaltige Lösungen, während ein anderer Teil kurzfristig wirksame Massnahmen bevorzuge. «Diese Spaltung zeugt von der Komplexität dieser Themen», resümiert das Beratungsunternehmen.

In der Schweiz liegen die Preise aktuell im Durchschnitt sechs Prozent über dem Stand von Anfang 2021. Für die «Pulse of Switzerland»-Umfrage von Deloitte wurden vergangenen November 1900 in der Schweiz lebende Personen befragt.

(hah/sda/awp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
«Wie Black Mirror» – Grossbritanniens Inflation führt zu dystopischen Szenen im Fernsehen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
65 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Darkside
26.01.2024 03:39registriert April 2014
Wie viele von denen wählen immer noch SVP, weil sie denken, dass die Ausländer ihnen etwas wegnehmen, und diese Partei die einzige sei, die für sie einsteht? Obwohl das Gegenteil der Fall ist. Oder wann hat sich diese Bande je für günstigere Mieten, Krankenkassenprämien, Medikamentenpreise (Liste nicht abschliessend) eingesetzt? Eben.
9330
Melden
Zum Kommentar
avatar
PP13
26.01.2024 05:58registriert Februar 2020
Die Verwunderung von Deloitte, dass man nicht spart mit ausgeleihten Sachen, was denn zum Beispiel? Oder das der „Stellenwert“ beim ÖV, Telekommunikation oder Bildung höher ist und daher nicht gespart werden kann. Mit ein bisschen Menschenverstand ist es eigentlich klar, ÖV braucht man um zur Arbeit zu kommen, Telekommunikation evt auch für Homeoffice und Unterhaltung und bei Bildung ist man vielleicht verpflichtet oder in einer Ratenzahlung. Man kann als Normalo nur bei Essen, Freizeit und Kleidern sparen. Irgendwie würde man mehr erwarten von Deloitte von so einer Studie.
555
Melden
Zum Kommentar
avatar
Rethinking
26.01.2024 05:58registriert Oktober 2018
Und die Arbeitgeber bezahlen trotzdem keinen ganzen Teuerungsausgleich…

Seit ca. 4-5 Jahren in Folge haben wir Teuerung und jedes Jahr war der Teuerungsausgleich kleiner als die Teuerung…
4311
Melden
Zum Kommentar
65
Bundesrat will mit nationalem Register stärker gegen Geldwäscherei vorgehen

Der Bundesrat will die wirtschaftlich Berechtigten an Unternehmen und anderen juristischen Personen künftig in einem nationalen Register erfassen und damit die Bekämpfung der Geldwäscherei stärken. Sorgfaltspflichten, wie sie heute schon Banken einhalten müssen, sollen neu auch für Anwältinnen und Anwälte gelten.

Zur Story