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2020 arbeiteten Schweizer im Schnitt zwei Wochen weniger als 2010 – du weisst wieso

18.11.2021, 10:4818.11.2021, 14:00
Weniger Arbeit in Corona-Zeiten.
Weniger Arbeit in Corona-Zeiten.Bild: keystone

Im ersten Corona-Jahr 2020 ging die Arbeitszeit umgerechnet pro Kopf um 6,4 Tage zurück. Das ist zwar fast so viel wie in den neun Jahren davor zusammengenommen, aber wenig im Vergleich zu den meisten Nachbarländern. Eine Ausnahme bildet das Gastgewerbe, wo die Arbeitszeit in der Schweiz 2020 um 22,2 Prozent abnahm.

Über die ganzen zehn Jahre 2010 bis 2020 ging die Arbeitszeit im Schnitt um 13,8 Arbeitstage zurück. In den Jahren vor Covid-19 lässt sich die Verringerung mit der Zunahme der Teilzeitarbeit, der Ferien und bestimmter Abwesenheitsgründe sowie mit dem Rückgang der Überstunden erklären, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) in seiner Auswertung vom Donnerstag erläutert.

Zwischen 2019 und 2020 dagegen waren die rückläufigen Arbeitsstunden gemäss BFS hauptsächlich auf Kurzarbeit sowie «andere Gründe» – beispielsweise Quarantäne oder Betriebseinschränkungen bei Selbstständigerwerbenden im Rahmen der Covid-19-Pandemie – zurückzuführen.

Die Schweizer lieben Online-Shopping während der Arbeitszeit

Video: srf/Roberto Krone

Auffällig ist die Diskrepanz zwischen Männern und Frauen: Männer arbeiteten im Jahr 2020 rund 18,5 Tage weniger als 2010, Frauen hatten lediglich 7 Tage zusätzlich frei. Der Unterschied geht vor allem auf die Jahre vor der Pandemie zurück. 2020 nahm die Arbeitszeit bei beiden Geschlechtern gleich stark ab.

Dass die Arbeitsstunden bei den Männern in den letzten zehn Jahren deutlicher sanken als bei den Frauen, ist laut BFS auf die stärkere Zunahme der Teilzeitarbeit bei den Männern zurückzuführen. Frauen haben – meist aus familiären Gründen – schon immer viel Teilzeit gearbeitet.

Ausländer 2020 weniger beschäftigt

Auch die Staatsangehörigkeit wirkte sich auf die Arbeitszeit aus: Vor Covid ging die Arbeitszeit von Schweizer Staatsangehörigen um 8,7 Arbeitstage zurück, bei Ausländern dagegen nur um 6,5 Arbeitstage.

Im ersten Corona-Jahr kehrte sich die Situation freilich um: Die Arbeitszeit von Ausländerinnen und Ausländern verringerte sich 2020 um 10,1 Tage, die von Schweizerinnen und Schweizern aber nur um 4,6 Tage. Über die ganzen zehn Jahre gesehen glich sich der Unterschied fast aus und betrug nur noch 1,2 Prozentpunkte.

Signifikante Auswirkungen auf die Arbeitszeit hatte auch die Selbstständigkeit: Über das ganze Jahrzehnt betrachtet hat die Arbeitszeit von Selbstständigerwerbenden um 20,5 Tage abgenommen, bei den Arbeitnehmenden aber nur um 13,1 Tage pro Kopf. Vor der Pandemie verringerte sich der Unterschied von Jahr zu Jahr, 2020 klaffte die Schere wieder weiter auseinander.

Stärkster Rückgang in Gastgewerbe und Kultur

Die Wirtschaftszweige wurden unterschiedlich stark vom Arbeitszeitrückgang betroffen. Vor Covid-19 ging die Arbeitszeit in der Kultur, der Land- und Forstwirtschaft und der Öffentlichen Verwaltung überdurchschnittlich zurück. In den Sparten «Transport und Lagerei», «Baugewerbe» und «Verarbeitendes Gewerbe/Energieversorgung» wurde dagegen 2020 fast gleich viel gearbeitet wie zehn Jahre davor.

Im Corona-Jahr 2020 steigerten sich die Diskrepanzen erheblich: «Gastgewerbe und Beherbergung» hatten um 22,2 Prozent weniger zu tun als im Vorjahr, in der Kultur betrug der Rückgang knapp 10 Prozent und in Betrieben aus den Bereichen «Transport und Lagerei» sowie «Handel und Reparatur» ging die Arbeitszeit um 5,4 respektive 4,6 Prozent zurück.

Nachbarländer litten 2020 meist stärker

Im internationalen Vergleich hat die Arbeitszeit zwischen 2010 und 2020 sowohl in der Europäischen Union (–7,3 Prozent) als auch in der Eurozone (–8,3 Prozent) abgenommen. Verglichen mit den Nachbarländern fiel der 7,3-prozentige Rückgang in der Schweiz stärker aus als in Deutschland (–6,6 Prozent), aber schwächer als in Italien (–12,3 Prozent), Österreich (–9,8 Prozent) und Frankreich (–9,0 Prozent). (aeg/sda)

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