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Ausländer gesucht: Blochers rekrutieren Personal in Deutschland für EMS

CEO Magdalena Martulla-Blocher spricht an der Bilanzmedienkonferenz zum Halbjahresabschluss der Ems Chemie, am Freitag, 14. Juli 2023, in Domat/Ems. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Chefin eines Riesenkonzerns: SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-BlocherBild: keystone

Ausländer gesucht: die Blochers rekrutieren Personal in Deutschland für ihre EMS-Chemie

Der Personalmangel hat einen neuen Höchststand erreicht. Experten empfehlen die Rekrutierung im Ausland. Die Chemie-Unternehmen von Markus Blocher und Magdalena Martullo-Blocher gehen voran.
02.12.2023, 14:02
Pascal Ritter / ch media
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Für Unternehmen ist es so schwierig wie kaum je, Personal zu rekrutieren. Dies zeigte die Studie des Arbeitsvermittlers Adecco und der Universität Zürich, die diese Woche erschien. «Trotz einer abnehmenden Wachstumsdynamik aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Abschwächung ist der Fachkräftemangel um 24 Prozent gestiegen», heisst es dort.

Martin Meyer, Leiter von Adecco Deutschschweiz, spricht denn nicht einmal mehr von einem Fachkräfte-, sondern von einem allgemeinen Arbeitskräftemangel. Und er hat zwei Empfehlungen für Schweizer Unternehmen.

Erstens sollten die Unternehmen innovativ werden, um den schweizerischen Arbeitsmarkt besser zu nutzen. Und zweitens: Auch ausländische Arbeitskräfte sollen in Betracht gezogen werden.

Firmen werben auf deutschen Portalen

Ein Blick auf«Stellananzeigen.de», ein grosses deutsches Portal für Job-Ausschreibungen, zeigt, dass sich Deutschschweizer Firmen durchaus um Bewerberinnen und Bewerber von ennet der Grenze bemühen. Bei einer Stichprobe diesen Donnerstag waren 29 Posten aufgeschaltet mit Arbeitsort Schweiz.

Die ausgeschriebenen Stellen richten sich an Personen verschiedenster Qualifikationen. So sucht ein Transportunternehmen in Basel jemand mit kaufmännischer Ausbildung, und die Berner Fachhochschule in Zollikofen eine Professorin oder einen Professor für das Fach forstliche Verfahrenstechnik.

Die EMS-Chemie will Deutsche ins Kader holen

Gleich mehrere Stellen sind in Domat/Ems im Kanton Graubünden zu besetzen. Die EMS-Chemie versucht in Deutschland drei Führungskräfte zu rekrutieren. EMS-Grivory sucht einen «CAE-Berechnungsingenieur für Kunststoffteile (m/w/d)» und je einen Projektleiter für Kunststoffanwendungen in den Bereichen Automobil und Industrie/Health Care.

Ems Chemie von Magdalena Martullo-Blocher und Christoph Blocher
Mit diesem Bild wirbt die EMS-Grivory auf einem deutschen Stellenportal.Bild: Stellenanzeigen.de

Die Firma ist hauptsächlich im Besitz von SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher und ihren Schwestern Rahel und Miriam Blocher. Sie haben die Firma von ihrem Vater übernommen: SVP-Leader und Milliardär Christoph Blocher .

«EMS ist bestrebt, alle offenen Stellen mit Arbeitsort Domat/Ems mit Personen aus der Schweiz zu besetzen. Gelingt dies nicht, suchen wir Spezialisten auch im deutschsprachigen Ausland», äussert sich ein Sprecher auf Anfrage.

Noch etwas weiter geht Markus Blocher. Der Bruder von Magdalena Martullo ist ebenfalls in der Chemiebranche. Er führt das Unternehmen Dottikon SE im gleichnamigen Ort im Kanton Aargau. Die Firma wird künftig in Radiospots auf deutschen Sendern offene Stellen bewerben. «In Deutschland werden die Leute von uns im kommenden Jahr beschallt», sagte Blocher diese Woche an der Halbjahreskonferenz des Unternehmens laut «NZZ».

Ems Chemie von Magdalena Martullo-Blocher und Christoph Blocher
Christoph und Magdalena Martullo-Blocher im Jahr 2003 vor dem Gebäude der EMS-Chemie in Domat/Ems.Bild: Eddy Risch / Keystone

Zudem sollen deutsche Arbeitskräfte auch auf sozialen Medien umworben werden. Markus Blocher rechnet mit einer Rezession im Nachbarland samt Massenentlassungen und malt sich darum ein wachsendes Potenzial des deutschen Arbeitsmarktes aus.

Noch dringender als in der Chemie sind Fachkräfte übrigens im Gesundheitswesen und in Informatikberufen gesucht. Sie führen die Rangliste der betroffenen Branchen an. (aargauerzeitung.ch)

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194 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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matt21463
02.12.2023 14:09registriert Oktober 2015
Gegen Zuwanderung wettern und gleichzeitig im Ausland Arbeitskräfte rekrutieren. Genau mein Humor...
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Diaro56
02.12.2023 14:22registriert Januar 2021
Heuchlerisch bis zum Letzten! Unglaublich, diese Milliardäre. Ich bin nicht schockiert, weil ich es nicht anders von dieser Schicht erwarte. Und es generiert gewisse negative Gefühle, die ich besser hier nicht beschreibe. Einfach abscheulich.
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Clife
02.12.2023 14:20registriert Juni 2018
Fachkräftemangel…wir haben Fachkräftemangel im Bereich Detailhandel und Pflege. Ausserdem im Bereich Bau. Sonst existiert definitiv KEIN Fachkräftemangel. Viel eher gehe ich davon aus, dass HR Manager und Führungskräfte in übrigen Bereichen versuchen, irgendjemanden für billiges Geld zu rekrutieren.
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