Wirtschaft
Schweiz

Klimabewegung ruft zu zivilem Ungehorsam auf

Video: watson

«Wurden von Linken benutzt und belogen»: Klimabewegung ruft zu zivilem Ungehorsam auf

Die Corona-Krise hat Greta & Co. praktisch verstummen lassen. Nun geht die Schweizer Klimabewegung wieder auf die Strasse. Das ist ihr aber nicht mehr genug. Die Klimastreikenden kritisieren selbst linke Parteien scharf.
11.08.2020, 10:0011.08.2020, 16:33

Die Corona-Krise hat Greta & Co. praktisch zum Verstummen gebracht. Jetzt rufen die Schweizer Klimastreikenden unter dem Motto «Rise up for change» das grosse Comback aus.

«Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen. Demonstrationen reichen nicht mehr aus», sagten Vertreterinnen der Klimabewegung am Dienstag an einer Medienkonferenz. Denn es herrsche in der Allgemeinheit ein fundamental falsches Verständnis, wie der Klimawandel funktioniere.

Scharfe Kritik gegen die Grünen

Das gelte auch für linke Parteien, die die Klimabewegung scharf attackiert: «Wir wurden von rechts beschimpft und belächelt, von den linken Parteien benutzt und belogen. Man hat uns das Blaue vom Himmel besprochen und nichts davon geliefert», sagt Meret Schefer vom Klimastreik. Man habe alle Instanzen des Systems um Hilfe gerufen. Heute müsse man feststellen: «Wir wurden im Stich gelassen», so Schefer weiter.

«Wir wurden von linken Parteien benutzt und belogen.»
Klimastreik

Viele ihrer Forderungen aus dem Klima-Aktionsplan seien auch von den Linken nicht ernst genommen haben. Die Grünen hätten grosse Gewinne bei den Wahlen eingefahren, aber die «versprochene Leistung» noch nicht gebracht.

«Man hat uns das Blaue vom Himmel versprochen und nichts geliefert»: Vertreterinnen der Klimabewegung kritiseren die Politik scharf.
«Man hat uns das Blaue vom Himmel versprochen und nichts geliefert»: Vertreterinnen der Klimabewegung kritiseren die Politik scharf.

Im Gespräch mit watson zeigte sich Jonas Kampus vom Klimastreik besonders darüber erzürnt, dass etwa das Rettungspaket für die Flugbranche unter Federführung von SP-Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga ausgearbeitet worden sei. «Selbst die SP und die Grünen sind unfähig, einen adäquaten Plan gegen die Klimaerwärmung zu finden», bilanziert der Zürcher. Bei der Debatte um das Co2-Gesetz seien von diesen Parteien keine angemessenen Massnahmen eingebracht worden, um Netto null Treibhausgase bis 2030 zu erreichen. «Jetzt müssen wir einen Systemwandel anstreben», sagt Kampus weiter.

Weiter kündigen Extinction Rebellion, die Klimastreik-Bewegung und weitere Gruppen einen grossen Schulterschluss an und präsentierten die wichtigsten Punkte ihres Comeback-Plans:

«Massenhafter» ziviler Ungehorsam

Gute eine Woche nach den Klimaprotesten gegen die Grossbanken, präsentiert die UBS ihre Klimastrategie.
Klimaaktivisten besetzten 2019 in Basel eine Filiale der UBS. Bild: KEYSTONE
«Wir wurden bisher nicht gehört. Das lässt uns zu Mitteln greifen, von denen wir hoffen, endlich ernst genommen zu werden.»

Werden bald wieder Banken ins Visier genommen? Mit Aktionen des «friedlichen, massenhaften Ungehorsams» will sich die Klimabewegung «den Mächtigen unserer Gesellschaft, in der institutionellen Politik, am Finanzplatz und in der Wirtschaft entgegenstellen». Man habe ein berechtigtes Interesse daran, auf einem bewohnbaren Planeten eine Zukunft zu haben. «Wir wurden bisher nicht gehört. Das lässt uns zu Mitteln greifen, von denen wir hoffen, endlich ernst genommen zu werden», heisst es in der Mitteilung weiter.

Diese Schüler erklären, wieso sie streiken

Video: watson/Chantal Stäubli, Emily Engkent

Dezentrale Demonstrationen

Teilnehmer fordern ein klimaneutrales Basel an der Demonstration Ein Jahr Klimanotstand in Basel, am Sonntag, 16. Februar 2020. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
Bild: KEYSTONE

Nach einer monatelangen Pause gehen die Klimademos wieder los. So sind am Freitag, 4. September in der ganzen Schweiz dezentrale Kundbegungen geplant. «We are back, der Klimastreik ist zurück auf der Strasse», kündigen die Aktivisten an.

Aktionswoche

Vom 20. bis zum 25. September 2020 trefft sich die Klimabewegung in Bern in einer Aktionswoche zum «Rise up for Change» und will zeigen, wie echte Veränderung aussehen muss. Dazu sind verschiedene Aktionen und Workshops geplant.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die besten Schilder des Klimastreiks
1 / 29
Die besten Schilder des Klimastreiks
Zehntausende Klimaaktivisten gehen seit Monaten auf die Strassen, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren, und zeigen bei der Gestaltung ihrer Schilder viel Kreativität. Wir machten uns auf die Suche nach den besten Schildern.
quelle: epa/epa / neil hall
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wie Greta Thunberg zum Vorbild einer Generation wurde
Video: srf
Nach Ständerats-Entscheid: 8 Grossbanken sollen Interesse an UBS-Fusion haben
Die UBS-Führung soll gekränkt sein, dass die Schweizer Politik sie viel stärker regulieren will, als sie sich das wünscht. Nun erwägen Ermotti und Co. offenbar einen internationalen Zusammenschluss.
Die Schweiz habe entschieden, «dass die UBS nicht willkommen ist»: So soll Colm Kelleher, der Verwaltungsratspräsident der UBS den Entscheid des Ständerats, die UBS zu 90 Prozent hartem Kernkapital zu verpflichten, quittiert haben. Darüber berichtet der «Sonntagsblick».
Zur Story