Schweiz
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Die Schweizer Bergewelt wie sie die Japaner sehen. Die Zeichentrickserie «Alpenmädchen Heidi» wurde 1974 erstmal ausgestrahlt.

Die Schweizer Bergwelt, wie sie die Japaner sehen. Die Zeichentrickserie «Alpenmädchen Heidi» wurde 1974 erstmals ausgestrahlt. Bild: Sakuri Collection

Heidi in Japan

In Japan würde Helvetia wohl Heidi heissen, so sehr hat die Kinderbuchfigur von Johanna Spyri das Image der Schweiz im pazifischen Inselstaat geprägt.

Claudia Walder / Schweizerisches Nationalmuseum



Der typische Schweizer ist, in Japan jedenfalls, eine kleine Schweizerin mit dunklen Haaren und roten Wangen. Und obwohl das Mädchen im 19. Jahrhundert lebt, kommt es – ganz zeitgemäss – aus einer internationalen Patchwork-Familie mit einer Schweizer Mutter und mehreren japanischen Vätern.

Die Rede ist von Heidi, der bekanntesten Figur aus der Feder der Schweizer Autorin Johanna Spyri (1827–1901). Die Abenteuer der kleinen Waise, die zum Grossvater in die Berge geschickt wird, waren bereits zu Lebzeiten der Autorin ein Erfolg und beeinflussten das Bild der Schweiz im Ausland. Die idealisierte Darstellung der ländlichen Gemeinschaft und ihre Verbundenheit zur Natur und den Bergen befeuern den Tourismus bis heute. Neben Spyris Buch, das in über 50 Sprachen übersetzt worden ist, war auch eine japanische Zeichentrickserie an diesem weltweiten Erfolg beteiligt.

Bild

Porträt von Johanna Spyri. Die Fotografie ist in einem Studio entstanden. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Hier bloggt das Schweizerische Nationalmuseum

Drei Museen – das Landesmuseum Zürich, das Château de Prangins und das Forum Schweizer Geschichte Schwyz – sowie das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis sind unter dem Dach des Schweizerischen Nationalmuseums vereint.
Im Blog veröffentlichen Mitarbeiter des Nationalmuseums und renommierte Gastautoren Beiträge zu aktuellen Themen. watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen daraus. Der Beitrag «Heidi in Japan» erschien am 17. Juli 2019.
blog.nationalmuseum.ch/2019/07/heidi-in-japan/

Anfang der 1970er-Jahre kreierten zwei junge Japaner, Hayao Miyazaki und Isao Takahata, die 52-teilige Anime-Serie «Arupusu no Shōjo Haiji» – übersetzt «Alpenmädchen Heidi». Das Duo hat später das heute weltberühmte Studio Ghibli gegründet. Heute kennt man Miyazaki besonders für seine fantastischen Filme, die sich, wie «Das wandelnde Schloss», nicht immer strikt an die literarischen Vorlagen halten.

Skizze für die Zeichentrickserie «Alpenmädchen Heidi», die 1974 erstmals ausgestrahlt wurde.

Skizze für die Zeichentrickserie «Alpenmädchen Heidi», die 1974 erstmals ausgestrahlt wurde. Bild: Yoichi Kotabe

Für «Alpenmädchen Heidi» dagegen reiste der spätere Oscar-Gewinner zusammen mit dem 2018 verstorbenen Regisseur Takahata für einen Monat in die Schweiz, um das Setting möglichst realitätsnah zu gestalten. So sind in der Serie nicht nur Maienfeld, sondern auch die von den Zeichentrickfilmern besuchte Alphütte auf dem Ochsenberg oberhalb des Dorfes gut wiederzuerkennen – so gut, dass letztere mittlerweile unter dem Namen «Heidialp» vermarktet wird.

Heidis Beliebtheit in Japan ist jedoch nicht nur auf die Anime-Version zurückzuführen. Bereits in den 1920ern erschien die erste von zahlreichen Heidi-Übersetzungen, die sich auch im 21. Jahrhundert noch gut verkaufen. Ihren eigentlichen «Durchbruch» erlebte die fiktive Schweizerin, die je nach Herangehensweise als «Haiji» transkribiert oder in «Kaede» umbenannt wurde, in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich der Fokus auf die heile und unschuldige Natur zu richten begann.

abspielen

«Heidi, Girl of the Alps (1974).» Video: YouTube/Radical Moose

Interessanterweise sind es genau diese Motive, welche die Japaner auch im digitalen Zeitalter ansprechen – und im Zusammenhang mit Heidi für ein positives Image der Schweiz sorgen. Zusätzlich unterstützt wird der Heidi-Kult von einer boomenden Merchandise-Industrie, Themenparks und neuen Adaptionen.

Wie sehr Japans Heidi-Bild und im Speziellen «Alpenmädchen Heidi» von 1974 auch die Heidi-Vorstellungen im Rest der Welt beeinflusst haben, zeigt sich beispielhaft an der 2015 ausgestrahlten 3D-Animationsserie, die zwar von einem belgischen Studio in Zusammenarbeit mit deutschen, französischen und australischen TV-Sendern produziert wurde, deren Design aber massgeblich vom japanischen Vorbild aus den 1970er-Jahren geprägt worden ist.

Heidi in Japan

Landesmuseum Zürich
17.07.–13.10.2019

Heidi ist in Japan fast so bekannt wie in der Schweiz. Die Ausstellung beleuchtet die Faszination für das Mädchen aus den Bergen und zeigt die Entstehungsgeschichte der japanischen Zeichentrickserie «Alpenmädchen Heidi», die als Startschuss für das heute florierende Anime-Genre gilt.

Ausstellung «Heidi in Japan» im Schweizerischen Nationalmuseum

Blick in die Ausstellung. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

>>> Weitere historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch

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1Kommentar anzeigen

Erektoteles

Als Louis' XVI. sexuelle Unfähigkeit ganz Europa zum Lachen brachte

Warum gibt's jetzt dafür ein eigenes Format?

Damit sich watson-User wie MartinZH nie wieder ungewollt in Artikeln mit derlei fragwürdigem Inhalt wiederfinden!

Und weil mein Chef es erfunden hat und wir zwei gute Wochen lang herzlich darüber lachen konnten.

Gut, da das nun geklärt ist: Auf in die heutige Geschichte!

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