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ETH-Studie zeigt: Bei einer Pandemie müssten zuerst die Jungen geimpft werden

13.05.2018, 14:4213.05.2018, 15:41

Im Falle einer Pandemie wäre die «unfairste» Variante bei der Impf-Priorisierung die effektivste: Damit die Ausbreitung der Krankheit möglichst verhindert werden kann, müsste die jüngere Generation zuerst geimpft werden.

Dies zeigt eine neue Studie, welche die ETH im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) erarbeitet hat. Über die Studie, welche auch der Nachrichtenagentur SDA vorliegt, berichteten die «SonntagsZeitung» und «Matin Dimanche».

«Die Studie zeigt verschiedene Varianten auf, wie im Pandemiefall beim Impfen vorgegangen werden kann», erläuterte Daniel Koch, Leiter übertragbare Krankheiten beim BAG, am Sonntag auf Anfrage der SDA.

Die Frage, wer bei einer Pandemie zuerst geimpft werden soll, stellt sich insbesondere dann, wenn der Impfstoff knapp wird. Die Studie liefert Grundlagen, um in einem solchen Fall diese Prioritätenliste festzulegen. Gestützt auf die Prioritätenliste werden dann die kantonalen Kontingente festgelegt.

Sieben Varianten von Warteliste bis Zufall

Die Studienautoren haben dafür sieben Möglichkeiten für eine faire Verteilung von medizinischen Leistungen während einer Knappheit untersucht. Dabei analysierten sie für jede Variante sowohl die medizinische auch als auch die ethische Sicht.

Eine Variante sieht zum Beispiel vor, dass medizinische Angestellte zuerst an den Impfstoff kämen. 
Eine Variante sieht zum Beispiel vor, dass medizinische Angestellte zuerst an den Impfstoff kämen. 
Bild: KEYSTONE

Diese Möglichkeiten sind der Zufall (Verlosung), die Warteliste, das Impfen zuerst der Kränksten, das Impfen zuerst der Jüngeren sowie die Prinzipien «am meisten Leben retten» und «wichtige Funktion» – zum Beispiel Menschen in Gesundheitsberufen.

Untersucht wurde auch eine Kombination von Kriterien, wie zum Beispiel eine aus Alter, Risikogruppen und wichtiger Funktion. Von all diesen Prinzipien sei «die Jüngeren zuerst» zu favorisieren, schreiben die Studienautoren. Mit diesem Ansatz würde sich die Ausbreitung der Krankheit medizinisch gesehen am besten eindämmen lassen.

Kränkste zuerst wäre «fairer»

Die Studienautoren räumen jedoch ein, dass dieses Prinzip ethisch nicht gut abschneidet. In die Umfrage war auch eine Befragung von Ärzten, Medizinstudenten, medizinischen Personen sowie medizinischen Laien eingeflossen. Abgesehen von den Ärzten empfinden sie diese Variante als die unfairste. Am fairsten fänden sie es, wenn die Kränksten zuerst geimpft würden.

Welches Szenario im Falle einer Pandemie effektiv angewendet werden wird, kann man heute noch nicht sagen. «Das wird von den jeweils aktiven Viren abhängen. Wenn diese vor allem unter den Rentnern stark verbreitet sind, wird man sicher nicht die Jüngeren zuerst impfen», sagte Koch. Die letzte Grippewelle und auch die Pandemie im Jahr 2009 hätten gezeigt, dass es schwierig vorhersehbar sei, welche Altersgruppe das Virus am stärksten treffen werde.

Eine Pandemie ist gemäss BAG die Ausbreitung einer bestimmten Infektionskrankheit in vielen Ländern beziehungsweise auf mehreren Kontinenten. Sie kann einen Grossteil der Weltbevölkerung gefährden. Von Bedeutung sind vor allem Grippepandemien, die von Influenzaviren verursacht werden und jederzeit auftreten können. Die Studie hat gemäss der Medienstelle des BAG vorläufig rein wissenschaftlichen Charakter und muss noch von den Kantonen noch beurteilt werden. (leo/sda)

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