Schweiz
Zürich

Freiwilliges Ghetto: Genfer Ständerat wettert gegen Zürcher Juden-Zone

Genfer Ständerat wettert gegen Zürcher Eruv-Zone

16.02.2026, 12:5316.02.2026, 14:28

Der Genfer Ständerat Mauro Poggia enerviert sich über die jüdische Eruv-Zone in der Stadt Zürich. Für ihn ist eine solche Zone, in der die Ruhetagsregeln für orthodoxe Juden nicht gelten, mehr als rückwärtsgewandt.

Mauro Poggia, MCG-GE, begruendet seinen Vorstoss an der Fruehjahrssession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 6. Maerz 2025 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Der Genfer Ständerat Mauro Poggia findet die Eruv-Zone in Zürich «rückwärtsgewandt».Bild: KEYSTONE

Man müsse sich einmal vorstellen, dass eine andere Gemeinschaft, etwa Muslime, eine solche Zone beantragen würde, um ihre Riten zu praktizieren, schrieb Poggia vom rechtsbürgerlichen Mouvement Citoyens Genevois (MCG) auf Linkedin.

Für ihn ist die von der Stadt Zürich bewilligte Eruv-Zone das Ergebnis einer «linken Mehrheit, die rückwärtsgewandt ist». Hier werde ein «freiwilliges Ghetto aufgebaut», schrieb er weiter. Poggia ist wegen seiner Ehefrau selber zum Islam übergetreten.

«Weshalb diese aufgeladene Wortwahl?»

Die jüdische Organisation «Never again is Now» kritisierte Poggia für seinen Linkedin-Eintrag. Als politischer Verantwortungsträger hätten seine Worte Gewicht. Indem er nahelege, dass jüdischer Religionsausdruck problematisch sei, trage er zu einem Klima bei, dessen Folgen die jüdische Gemeinschaft bereits erlebe.

Niemandem werde durch den Eruv etwas aufgezwungen, niemand werde ausgeschlossen. Es entstehe auch kein paralleles Rechtssystem. «Weshalb also diese aufgeladene Wortwahl?», fragte die Organisation in ihrer Reaktion. Es gehe hier nicht um den nahezu unsichtbaren Draht um ein Quartier. «Es geht um Folgendes: Warum löst sichtbares jüdisches Leben noch immer Unbehagen aus?»

Baubewilligung der Stadt notwendig

Beim Eruv handelt es sich um ein Liniennetz, das mehrere Quartiere verbindet, vor allem Wiedikon, Enge und Wollishofen. Die Zone ist 14 Quadratkilometer gross und erlaubt Jüdinnen und Juden gelockerte Sabbat-Regeln. Innerhalb der Linien dürfen sie an Sabbat etwa Kinderwagen oder Rollstühle stossen oder einen Schlüssel tragen. Für die Errichtung des Eruv war eine Baubewilligung der Stadt notwendig. (hkl/sda)

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