Winnie-the-Pooh wird 100 – 10 Fun Facts rund um den Kultbären
Winnie-the-Pooh, Winnie Puuh oder einfach nur Pu: Wir lieben ihn alle. Und er liebt seinen Honigtopf. Im Hundert-Morgen-Wald erlebt der tollpatschige Bär zusammen mit seinen Tierfreunden und dem Jungen Christopher Robin Abenteuer. Und das schon seit hundert Jahren! Am 14. Oktober 1926 erschien der erste Band über Pu und seine Freunde.
Hier kommen 10 spannende Fakten rund um den Kinderbuch-Klassiker:
Der Autor war von seinem Sohn und dessen Kuscheltieren inspiriert
Alan Alexander Milne war 1926 bereits ein etablierter Roman- und Theaterautor. Seinem Sohn erzählte er abends Gute-Nacht-Geschichten über dessen Kuscheltiere; vor allem über den Teddybären Winnie. Im Buch, das am 14. Oktober 1926 als «Winnie-the-Pooh» erschien, bilden Vater und Sohn wie im echten Leben die Rahmenhandlung. Der Vater erzählt seinem Sohn Christopher Robin die Geschichte über Pu den Bären und dessen Freunde. Immer wieder taucht Christopher Robin selbst in der Welt der Tierfreunde auf.
Winnie ist nach einem echten Bären benannt
Der Teddybär von Milnes Sohn Winnie, der Vorbild für Winniethe-Pooh war, war nach dem gleichnamigen Schwarzbären im Londoner Zoo benannt. Dahinter steckt eine längere Geschichte:
1887 wurde ein gewisser Harry Colebourn in Grossbritannien geboren, der als junger Mann nach Kanada auswanderte und dort eine Ausbildung zum Tierarzt absolvierte, bevor er dem Royal Canadian Army Veterinary Corps beitrat. Um sich seinem Regiment anzuschliessen und im Ersten Weltkrieg zu dienen, reiste er durch Kanada. In White River kaufte er ein Schwarzbärenjunges (ja, ein echtes!) von einem Jäger, der dessen Mutter getötet hatte. Colebourn nannte den kleinen Bären Winnie, benannt nach seiner damaligen Heimatstadt Winnipeg.
1914 wurde Colebourns Regiment zur Ausbildung nach England verlegt. Winnie begleitete ihn. Sie wurde zum Haustier und inoffiziellen Maskottchen der Zweiten Kanadischen Infanteriebrigade. Im Dezember desselben Jahres übergab er sie dem Londoner Zoo und hoffte, sie nach dem Krieg wieder abholen zu können.
Der mittlerweile zum Hauptmann aufgestiegene Colebourn besuchte seine Winnie jeweils während seines Heimaturlaubs. 1919 entschied er, dass der Zoo der beste Ort für sie sei, und übergab sie diesem dauerhaft.
Auch hinter «Pooh» steckt eine Bedeutung
Der Namenszusatz geht auf einen Schwan zurück, den die Familie Milne während eines Urlaubs gesehen hatte. Christopher Robin gab dem Schwan den Namen «Pooh», weil er, wenn er den Schwan rief und dieser nicht kam, frustriert «Pooh!» ausrief. Als Christopher Robin und sein Vater sich vom Tier verabschiedeten, beschlossen sie, dass der Schwan den Namen nicht mehr haben wollte. Also gaben sie ihn an den Teddybären Winnie weiter. Daraus ergab sich Winnie-the-Pooh.
Winnie hat einen langen Namen
Pu der Bär heisst mit vollem Namen Edward Winnie-the-Pooh Sanders Poohington. In der englischen Originalversion wird er oft nur Pooh Bear (Pu der Bär) oder Pooh (Pu) genannt.
Der Vorname Edward kommt nicht von ungefähr. Als Milnes Sohn den Teddybären erhielt, nannte die Familie ihn zunächst Edward – die formelle Version von Teddy.
Fans der Kinderbücher haben jedoch die Theorie, dass Pu eigentlich gar nicht «Sanders» heisst. In der Erzählung steht nur: «Winnie-the-Pooh lived in a forest all by himself under the name of Sanders.» («Pu der Bär lebte allein in einem Wald unter dem Namen Sanders.») Als Christopher Robin im Buch fragt, was «under the name» bedeute, sagt ihm der Erzähler: «It means he had the name over the door in gold letters, and lived under it.» («Es bedeutet, der Name war über der Tür in goldenen Buchstaben, und Pu wohnte darunter.»)
Viele Leserinnen und Leser spekulieren daher, dass «Sanders» lediglich der Name des vorherigen Bewohners des Hauses war und nicht Winnie-the-Poohs richtiger Nachname.
Winnie Puuh ist vielleicht gar nicht 100 Jahre alt
Immer wieder gibt es Uneinigkeiten darüber, wann Pus Geburtstag ist. Bereits 1924 kam in Milnes Gedichtband «When We Were Very Young» («Als wir sehr jung waren») ein Teddybär namens Mr. Edward Bear vor. Dann wäre Pu also bereits 102. Milnes Sohn erhielt seinen Teddybären zu seinem ersten Geburtstag, am 21. August 1921. Betrachtet man dieses Datum als Pus Geburtstag, wäre er jetzt schon 105. So oder so begeistert der gelbe Bär schon sehr lange viele Generationen von Erwachsenen und Kindern.
Du kannst den echten Pu und seine Freunde besuchen
Die Originalfiguren von Pu und seinen Freunden sind permanent in der New York Public Library ausgestellt. Winnie-the-Pooh, Piglet (Ferkel), Eeyore (I-Aah), Kanga und Tigger leben seit 1987 in der Bibliothek. Dieses Jahr spendete Königin Camilla eine Replik von Ruh, dem Kind von Kanga. Die Kuscheltierversion davon war verloren gegangen.
Ein einziger Illustrator hat alle Winnie-the-Pooh Zeichnungen gemacht
Milne war 1924 auf der Suche nach einem Illustrator für die oben erwähnten Kinderverse «When We Were Very Young». Er fragte den Schriftsteller Edward Verrall Lucas um Rat, der ihm Ernest Shepard empfahl.
Doch Milne hatte zunächst Bedenken. Shepards Zeichenstil schien ihm ungeeignet. Trotzdem ging er die Zusammenarbeit ein und das Buch wurde dank der Abbildungen ein unerwarteter Erfolg. Danach bat ihn Milne auch um die Illustration der Abenteuer von Winnie-the-Pooh – und der Rest ist Geschichte.
Der Erfolg von Winnie-the-Puh behinderte den Rest von Milnes Karriere
Sowohl Milne als auch dessen Sohn Christopher Robin entwickelten mit der Zeit eine Abneigung gegen den gelben Bären.
Im Laufe seines Lebens schrieb Milne 7 Romane, 5 Sachbücher und 34 Theaterstücke sowie zahlreiche Erzählungen und Artikel. Er arbeitete zudem als Chefredaktor von «Granta» und als stellvertretender Redaktionsleiter bei «Punch», bevor er die Winnie-the-Pooh-Bücher veröffentlichte.
Das alles geriet nach dem Riesenerfolg in Vergessenheit. Schlimmer noch: Er behinderte Milnes weitere Karriere. Für «Punch» durfte er bald nicht mehr schreiben, seine ehemalige Leserschaft wollte nichts mehr von ihm lesen. Zudem wurde die Rezeption von Milnes späteren Werken beeinträchtigt.
Auch den Illustrator Shepard nervte die ständige Assoziation mit Winnie-the-Pooh zunehmend. Er bezeichnete ihn als «that silly old bear» («dieser dumme alte Bär»).
Nicht nur die Schöpfer von Winnie Pooh, sondern auch Milnes Sohn Christopher Robin litt unter dem Welthit. Er erhielt Fanbriefe, welche er zusammen mit seinem Kindermädchen beantworten musste. Bereits mit 7 Jahren wirkte er bei Audioaufnahmen der Bücher mit und stand im Laufe seiner Kindheit immer wieder auf der Bühne. Milne beschloss, keine Kinderbücher mehr zu schreiben – auch seinem Sohn zuliebe.
Puh der Bär wurde mehrfach verfilmt – sogar als Horrorfilm!
1966 erschien die erste Disney-Verfilmung mit dem Titel «Winnie the Pooh and the Honey Tree» («Pu der Bär und der Honigbaum»). Es folgten 14 weitere klassische Zeichentrickfilme, die sich stark an den Illustrationen von Shepard orientierten. Der letzte erschien 2011 unter dem simplen Titel «Winnie Puuh».
2018 erschien der Realfilm «Christopher Robin» (2018), worin es um die späte Kindheit und das Erwachsenenleben von Christopher Robin, gespielt von Ewan McGregor, geht. Im Biopic «Goodbye Christopher Robin» (2017) wird die Geschichte von A. A. Milne erzählt.
Ein Ausschnitt aus dem Disney-Film von 2011 im Stil des Originals:
2023 erschien der Horrorfilm «Winnie-the-Pooh: Blood and Honey», welcher durchgehend schlechte Ratings erhielt und in den sozialen Medien eine Empörungswelle von Winnie-the-Pooh-Fans auslöste. Möglich war die lose Adaption, weil die Urheberrechte des Kinderbuches Anfang 2022 zum grössten Teil ausgelaufen waren. Zwei Jahre später kam sogar ein zweiter Teil in die Kinos.
Pu als Horrorfigur:
Pu und seine Freunde haben psychische Probleme
Das ist zumindest eine weit verbreitete Theorie. Hintergrund davon ist unter anderem, dass Milne im Ersten Weltkrieg gedient und die Schlacht an der Somme (1916) miterlebt hatte. Angstzustände, Hypervigilanz, Hyperaktivität, Depressionen, Reizbarkeit und Dissoziation sind Kennzeichen davon, was damals als Kriegsneurose, heute als posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) verstanden wird. Es sind auch die Symptome, welche die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Figuren in «Winnie-the-Pooh» prägen.
Bereits vor über 25 Jahren erschien im Canadian Medical Association Journal ein Artikel zu diesem Thema. Winnie Pooh habe diesem nach ADHS, das Ferkel eine Angststörung, I-Aah eine Depression, Tigger eine weitere Form von ADHS und das Kaninchen eine narzisstische Persönlichkeitsstörung.
Trotz allem bleibt Winnie-the-Pooh für Generationen von Leserinnen und Lesern ein Stück unbeschwerter Kindheit. Und allem voran ein kleiner, gemütlicher Bär, der die Welt ein bisschen freundlicher macht.
