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Darts-Überflieger Luke Littler sucht nach der Leichtigkeit

2026 BOYLE Sports World Grand Prix Luke Littler throws during the 2026 Boyle Sports World Grand Prix at Mattioli Arena, Leicester, United Kingdom on 28 September 2026 Credit: Alex Young/Every Second M ...
Luke Littler verlor zuletzt ungewöhnlich oft. Bild: www.imago-images.de

Plötzlich irdisch – Darts-Überflieger Luke Littler sucht nach der Leichtigkeit

Er schlug ein wie eine Bombe. Nun ist Luke «The Nuke» Littler irdisch geworden. Zwei Jahre nach dem kometenhaften Einstieg steht das Darts-Wunderkind vor einer richtigen Bewährungsprobe. Gelingt an der EM der Befreiungsschlag?
23.10.2026, 16:5423.10.2026, 16:54
jonas schneeberger / keystone-sda

In den vergangenen zwei Jahren sprengte der Hype um Luke Littler alle Dimensionen des Darts-Sports. Seit dem sensationellen Einzug in den WM-Final als 16-Jähriger stürmte der Engländer von Rekord zu Rekord, sammelte reihenweise Titel und transformierte die Präzisionssportart in ein globales TV-Phänomen. Doch in den letzten Monaten lernte der inzwischen 19-Jährige die Schattenseiten des Dauerdrucks kennen. Nach verpassten Titeln, Ermüdungserscheinungen und Scharmützeln mit Zuschauern reist Littler unter dem Eindruck an die EM in Dortmund, schlagbar geworden zu sein.

Gemessen an seinem überirdischen Niveau der ersten eineinhalb Jahre bei der Elite durchlebt Littler seine erste nennenswerte Baisse mit ungewohnten Schwächephasen auch an den jüngsten Major-Turnieren und auf der ProTour. Zuletzt sorgte sein überraschendes Halbfinal-Aus an der Junioren-WM Anfang Oktober in Wigan gegen Landsmann Cam Crabtree für Schlagzeilen – an einem Turnier, das Littler eigentlich nutzen wollte, um sich nach Dämpfern auf der PDC-Bühne Selbstvertrauen zurückzuholen.

Unter Dauerbeobachtung

Experten und TV-Kommentatoren wie der ehemalige Profi Glen Durrant oder Sky-Experte Wayne Mardle führen die mässigeren Ergebnisse nicht auf nachlassendes Können zurück, sondern auf die physische und mentale Belastung. Das viele Reisen und die permanente mediale Dauerbeobachtung würden ihren Tribut fordern. In Fankreisen und Fachmedien entbrannte eine Debatte über Littlers langfristige Motivation und Burnout-Gefahren im dicht gedrängten Terminkalender der Professional Darts Corporation (PDC).

Luke Littler celebrates with the Sid Waddell trophy after victory against Gian van Veen after the final of the Paddy Power World Darts Championship at the Alexandra Palace in London, Saturday, Jan. 3, ...
Trotz oder gerade wegen seines Erfolgs ist Littler nicht nur beliebt. Bild: keystone

Die statistischen Werte – Littlers Punkteschnitt fällt auch an schwächeren Tagen selten unter die 95-Punkte-Marke – zeigen, dass der englische Teenager trotz der intensiven Monate weiterhin zur absoluten Weltspitze gehört. Das Ticket für die am Donnerstag beginnende EM hat er mit zwei Turniersiegen im polnischen Krakau und in Tschechiens Hauptstadt Prag locker gelöst.

Doch die Leichtigkeit und die Unbekümmertheit seiner Anfangstage sind im Profi-Alltag einer spürbaren Routine gewichen. Nicht immer gelingt es Littler, fokussiert zu bleiben. Vor allem zu Deutschland hat er ein angespanntes Verhältnis. Seit eineinhalb Jahren macht er einen Bogen um das Land, wenn es nicht unbedingt sein muss. Ausgangspunkt seiner Abneigung war ein Turnier in München im Frühling 2025, als er nach dem Aus im Halbfinal schrieb: «Ich hätte nicht in München sein sollen, musste aber trotzdem spielen.»

Das Problem des zweifachen Weltmeisters ist offensichtlich. Während er auf der britischen Insel wie ein Fussballstar verehrt wird, schlägt ihm auf den weiteren grossen Märkten wie in Deutschland immer wieder Antipathie entgegen. Fans buhen, Fans pfeifen, Fans wollen den Aussenseiter siegen sehen und nicht schon wieder Littler, der gefühlt alles gewinnt.

Buhrufe und ein Arroganzanfall

Erst vor einem Monat kam es in den Niederlanden, dem hinter England und Deutschland drittgrössten Markt, zu weiteren Zwischenfällen, die Littler mächtig nervten. «Wenn die Niederländer so weitermachen, dann werde ich dort keine Euro-Touren mehr machen. Es hat einfach keinen Sinn, dass ich reise und meine Zeit verschwende, während ich ausgepfiffen werde», schimpfte der Weltmeister.

Auf dem Weg zu seinem zweiten WM-Titel erhielt der Liebling selbst im Londoner Alexandra Palace vereinzelt Pfiffe. Als er seinen Landsmann Rob Cross besiegt hatte, überkam ihn ein Arroganzanfall. «Das juckt mich nicht. Ich will eines sagen: Ihr zahlt für Tickets – ihr zahlt also mein Preisgeld. Danke für mein Geld. Danke, dass ihr gebuht habt», sagte Littler in Richtung des Publikums.

Werner von Moltke, der Geschäftsführer der Professional Darts Corporation Europe, nimmt Littler im Darts-Podcast «Checkout» in Schutz: «Mit diesem ganzen Hype und diesem ganzen Wahnsinn umzugehen, ist nicht leicht. Wenn du so jung in solche Sachen reingespült wirst, ist das wirklich schwierig.»

Nach Enttäuschungen am World Grand Prix und an der Junioren-WM nahm sich Littler eine Auszeit und verzichtete auf eine Teilnahme an der Swiss Darts Trophy in Basel. Bei der Rückkehr nach Deutschland trifft er am Freitag in seinem EM-Auftaktspiel auf den Iren William O'Connor. (abu/sda)

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