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Patrick Fischer, links, Schweizer Eishockey Head Coach und Lars Weibel, rechts, General Manager orientieren an einer Medienkonferenz in Zuerich am Donnerstag, 24. Oktober 2019 ueber die Vetragsverlaengerung von Patrick Fischer.   (KEYSTONE/Walter Bieri)

Patrick Fischer und Lars Weibel haben die Philosophie der Eishockey-Nationalmannschaften überarbeitet. (Bild von 2019) Bild: KEYSTONE

Hockey-Nati plant die Zukunft nach Corona: «Zeichen setzen, um das Optimum herauszuholen»

Am Donnerstag hätte die Schweiz am Deutschland Cup die erste Partie ausgetragen, das Coronavirus verhinderte aber die Teilnahme. Die Verantwortlichen haben die Zeit ohne Eishockey jedoch gut genutzt.



In Krefeld hätte die Nationalmannschaft die ersten Ernstkämpfe seit Anfang Februar und den beiden Prospect Games gegen Deutschland bestritten. Seither konnte einzig das Prospect Camp Ende Juli in Cham durchgeführt werden – auch die Heim-WM in Zürich und Lausanne fiel der Coronavirus-Pandemie zum Opfer. «Wir machten in meinen Augen das Beste aus der Zeit ohne Eishockey, um uns trotz der fehlenden Erfahrungen aus der Heim-WM gut weiterzuentwickeln», sagte Nationaltrainer Patrick Fischer in einem Interview.

«Ich sah glänzende Augen, die Tage vergingen wie im Flug.»

Lars Weibel, Director National Teams

So wurde zusammen mit den neuen Verantwortlichen der U18- und U20-Nationalteams, Marcel Jenni und Marco Bayer, sowie verschiedenen anderen Trainern in einem intensiven Austausch «unsere Philosophie definiert», wie es Nationalmannschafts-Direktor Lars Weibel ausdrückt, und zwar für alle Stufen. «Wie wollen wir nach aussen wahrgenommen werden? Was sind unsere Stärken, nicht nur auf das Eishockey bezogen, sondern auch vom Charakter her. Und wie können wir das aufs Eis implementieren? Jeder sagte etwas, es war ein cooler Prozess.»

Selbstredend sind auf tieferen Stufen gewisse Anpassungen notwendig, da dort der Speed und die Kraft nicht gleich sind. Was aber bleibt, ist die Denkweise, das eigene Spiel zu spielen und sich nicht dem Gegner anzupassen.

Weibel sagte, dass sie sich auch ohne Corona die Zeit für all dies genommen hätten, schliesslich sei es wichtig, organisiert zu sein und einen klaren Plan zu haben. Bei allen Beteiligten war die Freude darüber zu spüren, sich auf den eigentlichen Job, das Eishockey weiterzubringen, konzentrieren zu können und sich für einmal nicht mit Bestimmungen und Konzepten auseinandersetzen zu müssen. «Ich sah glänzende Augen, die Tage vergingen wie im Flug», erzählte Weibel.

Was konkret kam bei diesem Brainstorming heraus, welches sind die Eckpfeiler der Philosophie? «Ein Punkt ist: das Team kommt zuerst. Dann wollen wir alles, was wir machen, mit Top-Qualität ausführen und bei allen Details zu 100 Prozent fokussiert sein», führte Weibel aus.

Das Ziel ist, dass jeder Spieler, auch wenn er zuletzt nicht dabei war, genau weiss, welches die Übungen sind, wie die Taktik aussieht, beispielsweise wie er sich in der Offensive verhalten muss, «damit er in der eng bemessenen Zeit vom ersten Tag an Vollgas geben kann. Das wird sich früher oder später noch zusätzlich positiv auf die Resultate auswirken», ist Weibel überzeugt und fügte an: Das Feintuning unterliege natürlich dem jeweiligen Trainer.

AVIS - ZU LARS WEIBEL, DIRECTOR NATIONAL TEAMS DER SWISS ICE HOCKEY FEDERATION, SIHF, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES PORTRAIT ZUR VERFUEGUNG. WEITERE BILDER FINDEN SIE AUF visual.keystone-sda.ch --- Lars Weibel, Director National Teams der Swiss Ice Hockey Federation, SIHF, portraitiert am 7. September 2020 in Ittigen bei Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Lars Weibel appelliert an die Klubs. Bild: keystone

Zu all dem wird angestrebt, im Bereich der Athletik einen Schritt vorwärts zu machen. Dort liegt im Nachwuchs noch einiges an Potenzial brach, wenn man mit Topnationen wie Schweden oder Finnland vergleicht. So kann zum Beispiel nach einem Übergangsjahr der Fall eintreten, dass ein Spieler mit guten Skorerqualitäten nicht für eine U18-WM aufgeboten wird, weil er bezüglich der Physis nicht die definierten Mindestanforderungen mit sich bringt.

«Die Klubs müssen sich international orientieren, es reicht nicht mehr, den Kantonsrivalen bezwingen zu wollen»

Lars Weibel, Director National Teams

Weibel stellt aber klar, dass das keine Schikane sei. Schliesslich würden die Spieler nicht vor vollendete Tatsachen gestellt. Vielmehr werden ihnen die in Tests eruierten Defizite aufgezeigt, worauf sie gezielt daran arbeiten und diese beheben können. Nur wenn dies nicht der Fall ist, hat es Konsequenzen zur Folge. «Wenn die Ausbildung bei einer Bewerbung in der Privatwirtschaft nicht reicht, muss man auch damit leben», sagte Weibel.

Klar ist für ihn, dass es nur in Zusammenarbeit mit den Vereinen geht. «Die Klubs müssen sich international orientieren, es reicht nicht mehr, den Kantonsrivalen bezwingen zu wollen», erklärte Weibel. So soll die Athletik bereits auf der Erfassungsstufe (U9 bis U13) ein Thema sein, wobei dort die Sensibilisierung im Vordergrund steht, dass dieser Bereich wichtig sein wird. Auf den unteren Stufen geht es um die Grundkondition, die beispielsweise mit Feldtests überprüft werden kann. Nationalteams gibt es ohnehin es erst ab der U16 .

Zwar werden die Zügel in der Athletik angezogen, jedoch soll allen Talenten der grösstmögliche Support gegeben werden. «Wir müssen alle abholen», betonte Weibel. «Unser Markt ist dermassen klein, dass wir uns nicht selber strafen können, in dem wir Spieler nicht nehmen. Aber wir müssen Zeichen setzen, um aus unseren Möglichkeiten das Optimum herauszuholen.» (abu/sda)

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