Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Julius Nättinen, Joren van Pottelberghe und Denis Malgin – sie haben die erste Saisonphase der National League mitgeprägt. bild: keystone, shutterstock, watson

Analyse

Vergiss Corona! Das ist uns im ersten Monat National League auf dem Eis aufgefallen

Ein Blick zurück, der Corona für einmal beiseite lässt. Diese 9 Punkte oder Spieler sind uns im ersten Monat der neuen National-League-Saison besonders ins Auge gesprungen.



Das Coronavirus dominiert weiterhin das Weltgeschehen. Auch die heimische Eishockey-Meisterschaft ist nicht davon ausgenommen. 24 Spielverschiebungen gab es alleine letzte Woche in der National League und in der Swiss League. Und es ist nicht abzusehen, dass diese Probleme bald gelöst werden können.

Da gerät der sportliche Aspekt fast ein wenig ins Hintertreffen. Das wollen wir ändern. Wir drängen Corona, so gut es geht, in den Hintergrund und blicken zurück auf neun Dinge, die uns im ersten Monat National League aufgefallen sind.

Bild

Die aktuelle Tabelle, sortiert nach Punkten pro Spiel. tabelle: sihf.ch

Lausannes Traum-Trio

Wenn sie auf dem Eis sind, dann schnalzt der neutrale (und Lausanner) Eishockey-Fan mit der Zunge: Brian Gibbons, Charles Hudon und Denis Malgin. Natürlich kann man hinterfragen, ob es sinnvoll ist, in den aktuellen wirtschaftlichen Zeiten mit einem fünften Ausländer und NHL-Leihspielern derart aufzurüsten. Doch wenn man nur das Produkt auf dem Eis betrachtet, ist es das definitiv wert.

Malgin, Hudon und Gibbons verstehen sich nach kurzer Zeit bereits blendend. Malgin bringt die individuelle Klasse mit. Der junge Schweizer Center kann das Spiel mit seiner Übersicht und seiner Scheibenkontrolle dirigieren. Er sucht selbst den Abschluss oder eröffnet geniale Spielzüge. Gibbons verfügt über einen tödlichen letzten Pass und Hudon hat den Direktschuss, um die Vorlagen, die er erhält, auch zu verwerten.

So sieht das aus, wenn sich Malgin, Gibbons und Hudon durch eine Verteidigung kombinieren.

Davos' Verteidigungs-Lazarett

Der HCD ist gar nicht gut in die neue Saison gestartet. Vier Niederlagen und ein Sieg stehen auf dem Konto. Das hat diverse Gründe. Die Davoser haben aufgrund der kürzlich erst fertig gewordenen Stadion-Renovation und Corona-Spielverschiebungen erst fünf Partien absolviert. Den fehlenden Rhythmus hat man der Mannschaft auch beim letzten Auftritt gegen die ZSC Lions angesehen. Erst im letzten Drittel fand die Mannschaft von Christian Wohlwend ins Spiel.

Ein anderes Problem ist die Verteidigung. Auf dem Papier schon in Bestbesetzung eher eine Schwachstelle, wird die HCD-Hintermannschaft bereits jetzt von Verletzungen durchgerüttelt. Félicien DuBois hat sich in der Saisonvorbereitung verletzt und wird noch länger fehlen. Claude Paschoud hat bislang noch kein einziges Spiel absolviert. Nach zwei Partien fiel Samuel Guerra aus und gegen den ZSC hat sich auch noch Lukas Stoop verletzt.

Davos-Spieler David Barandun waehrend einem Vorbereitungsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und dem HC Davos, am Mittwoch 23. September 2020 in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Davyd Barandun erhält bei Davos derzeit fast 15 Minuten Eiszeit pro Spiel. Bild: keystone

Das hat zur Folge, dass Youngster wie Dominic Buchli (22), Davyd Barandun (20) oder Oliver Heinen (20) relativ viel Eiszeit erhalten. Aufgrund der geringeren Erfahrung sind sie dementsprechend auch fehleranfälliger.

Ambris Torschütze vom Dienst

Die Vorschusslorbeeren («Der nächste Kubalik») waren gross, doch Julius Nättinen erfüllt bei Ambri bislang alle Erwartungen. Nach fünf Spielen – den Saisonauftakt verpasste er wegen einer Verletzung – hat der Sniper bereits acht Tore auf dem Konto. Und der Vergleich mit Dominik Kubalik ist durchaus berechtigt.

Genau wie Kubalik macht es sich auch Nättinen gerne am rechten Bullykreis gemütlich. Insbesondere im Powerplay sind seine One-Timer brandgefährlich. Dass der 23-jährige Finne die momentane Pace beibehält, ist fast unmöglich. Dennoch scheint eine 30-Tore-Saison für Nättinen möglich.

Servettes Zaubermaus

Ein weiterer Ausländer, der brillant in die Saison gestartet ist, ist Linus Omark. Der Genfer Stürmer fliegt in der Deutschschweiz aber trotz elf Punkten aus sechs Spielen etwas unter dem Radar. Der Schwede bleibt seiner Linie treu und bereitet weiterhin lieber Treffer vor (9 Assists), als sie selbst zu schiessen (2 Tore). Mit seinen bislang 3,29 Punkte pro 60 Minuten Eiszeit kann ligaweit nur einer mithalten: Joel Vermin. Und das kommt nicht von ungefähr, ist es doch Vermin, der mit Omark (und Damien Riat) in einer Linie spielt und oft dessen Vorlagen verwerten darf.

abspielen

Erstes Spiel, gleich drei Assists: Omark brillierte zum Saisonauftakt gegen den HCD. Video: YouTube/MySports Home of Sports - FR

Biels Problem zwischen den Pfosten

Während mit Lausanne, Fribourg und Servette drei Teams aus der Westschweiz gut aus den Startlöchern gekommen sind, bekundet der EHC Biel mehr Probleme. Das Problem bei den Seeländern ist rasch gefunden: Sie kassieren zu viele Tore.

Es ist nie einfach, das Erbe eines grossartigen Spielers anzutreten. Dennoch schien Biel das Loch, das durch den Rücktritt von Jonas Hiller entstanden ist, mit dem Zuzug von Joren van Pottelberghe auf dem Papier relativ gut gestopft zu haben. Doch die Realität sieht anders aus. Van Pottelberghe wie auch Biels Nummer 2, Elien Paupe, erleben einen schwierigen Saisonstart.

«Goals Saved Above Average»

«Goals Saved Above Average» – also gehaltene Tore über dem Durchschnitt – ist eine Statistik, die aufzeigen soll, ob ein Torhüter besser oder schlechter als der Ligadurchschnitt agiert.

Dabei setzt man die durchschnittliche Fangquote der Liga ins Verhältnis mit den Schüssen, die auf das Tor des jeweiligen Torhüters geflogen sind. Damit erhält man die Anzahl Tore, die ein durchschnittlicher Torhüter bei dieser Anzahl Schüsse kassieren würde. Dann vergleicht man die tatsächliche Anzahl erhaltener Tore mit dem Durchschnitt und sieht, ob der Torhüter darüber oder darunter liegt. Es ist keine perfekte Statistik, um Torhüter zu beurteilen, aber sie sagt etwas mehr aus als der pure Gegentorschnitt oder die Fangquote.

Zieht man die Goals Saved Above Average zurate, sieht man, dass sowohl «JvP» als auch Paupe bislang beide mehr als drei Tore mehr kassiert haben, als das beim durchschnittlichen National-League-Goalie der Fall gewesen wäre. Will Biel im Kampf um die Playoffs mitreden, muss von den beiden Schlussmännern mehr kommen.

Die schwächsten und besten Torhüter der bisherigen Saison:

GSAA 2020/21
Infogram

Berns Strafenkönige

Wo steht der SC Bern nach dieser Saison? Aktuell ist der Klub aus der Bundesstadt auf dem achten Platz klassiert – sowohl nach tatsächlichen Punkten, wie auch nach Punkten pro Spiel. Gut möglich, dass sich die Berner auch zum Schluss der Qualifikation ungefähr in dieser Tabellenregion wiederfinden.

Denn die bisherigen Spiele deuten daraufhin, dass der SCB in dieser Saison ein absolutes Durchschnittsteam ist. Die Berner verteidigen zwar gut, schiessen aber zu wenige Tore. Dort gibt es aufgrund der bislang eher tiefen Schusseffizienz zwar Hoffnung auf Besserung. Doch insgesamt sind sie bislang weder vom Glück bevorteilt, noch vom Pech benachteiligt. Mit Gaëtan Haas verlässt einer der besten Spieler den Klub zudem voraussichtlich im Dezember Richtung NHL. Es scheint also nicht wahrscheinlich, dass sich der SCB noch stark verbessert.

Ligaspitze sind die Berner bislang einzig in einer Kategorie: den Strafminuten. Schon 30 Mal musste in den bisherigen acht Spielen ein SCB-Akteur auf der Strafbank Platz nehmen. Mehr als 17 Strafminuten pro Partie kommen da zusammen. Auffallend: Es sind auch schon drei Restausschlüsse darunter. Mika Henauer und Thomas Rüfenacht flogen beide wegen eines Checks gegen den Kopf des Gegners vom Eis, bei Vincent Praplan war es ein Bandencheck, der für den Spielverwei sorgte. Haben die Spieler Mühe, sich an das aggressive Hockey unter dem neuen Trainer Don Nachbaur zu gewöhnen?

Rapperswils Vorkämpfer

Eine positive Überraschung der bisherigen Saison sind die Rapperswil-Jona Lakers. Die St.Galler haben sich im Mittelfeld der Tabelle festgesetzt. Getragen wird das Team natürlich vom überragenden Roman Cervenka. Der tschechische Routinier hat in acht Spielen bereits wieder neun Punkte auf dem Konto und mit einem Tor und einem Assist in der Verlängerung war er bei zwei Rapperswiler Siegen direkt für den Zusatzpunkt verantwortlich.

Unterstützt wird Cervenka von den bewährten Kevin Clark und Andrew Rowe im Sturm und von Dominik Egli und Leandro Profico in der Verteidigung, die allesamt einen grossen Teil der Eiszeit stemmen. Neu in dieser Saison ist aber auch Unterstützung von einer jüngeren Garde. Trainer Jeff Tomlinson schenkt Nando Eggenberger (21) und Marco Lehmann (21) viel Vertrauen, und die Youngster bezahlen es mit Toren und Assists zurück.

abspielen

Cervenka führt Rappi zum Sieg gegen Langnau. Video: YouTube/MySports

Tatsächlich könnten die Lakers eventuell gar noch besser sein, würde Tomlinson die Last im Tor noch etwas besser verteilen. Denn so überragend Melvin Nyffeler ist, wenn er ausgeruht zwischen den Pfosten steht (95,8 % Fangquote, 6,15 GSAA gemäss nlicedata), so schlecht sieht es aus, wenn er bei Back-to-Back-Spielen antreten muss (89,75 % Fangquote, -1,02 GSAA). Das 2:9 gegen HCD wird wegen des Totalausfalls der ganzen Mannschaft nicht gewertet, sonst sähe es noch schlechter aus. Aber vielleicht täte Tomlinson gut daran, Nyffeler auch mal eine Pause zu gönnen und zwischendurch Ersatzgoalie Noël Bader einzusetzen.

Copy: Copy: Kapazität National League
Infogram

Luganos Betonmauer

Apropos gute Torhüter: Die hat auch der HC Lugano. Wer hätte gedacht, dass Niklas Schlegel nach der schwierigen letzten Saison so aufblühen würde? Der 26-Jährige hat die beste Fangquote und kassiert die wenigsten Gegentore der Liga. Schlegel darf allerdings auch auf eine Mannschaft zählen, die hervorragend verteidigt.

Lugano lässt in der eigenen Zone zwar Schüsse zu, aber kaum aus gefährlichen Positionen. Die Schussversuche gegen Lugano kommen laut nlicedata.com durchschnittlich 14,02 Meter vom Tor entfernt zustande. Bei Davos, dem defensiv schwächsten Team der Liga ist es beinahe vier Meter näher. Entsprechend haben die Tessiner auch den tiefsten Expected-Goals-Against-Wert der Liga.

Copy: Copy: Copy: Kapazität National League
Infogram

Unter- und Überperfomer

Wie immer gibt es Spieler, die besser oder weniger gut in die Saison gestartet sind. Während sich bei einigen Hoffnung auf baldige Besserung besteht, sind performen andere derzeit wohl etwas besser, als sie es aufgrund der gezeigten Leistungen eigentlich sollten. Mithilfe der Expected-Goals-Statistiken von nlicedata.com können wir die grössten Unter- und Überperformer des ersten Monats der Saison aufspüren.

Unterperformer:

Diese Spieler haben weniger Tore erzielt, als es angesichts ihrer bisherigen Leistung (abgegebene Schüsse, Schussposition, etc.) erwartet gewesen wäre. Der Wert bezeichnet die Anzahl Tore, die der Spieler weniger erzielt hat, als zu erwarten gewesen wären.

Lugano's player Mikkel Boedker during the friendly match of National League (NL) Swiss Championship 2020/21 between HC Lugano and HC Fribourg-Gotteron at the ice stadium Corner Arena in Lugano, on Tuesday, September 8, 2020. (KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Von ihm sind bald Tore zu erwarten: Luganos Mikkel Boedker. Bild: keystone

Überperformer:

Diese Spieler haben mehr Tore erzielt, als es angesichts ihrer bisherigen Leistung (abgegebene Schüsse, Schussposition, etc.) erwartet gewesen wäre. Der Wert bezeichnet die Anzahl Tore, die der Spieler mehr erzielt hat, als zu erwarten gewesen wären.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Nico Hischier – ein NHL-Star im Militär

Dinge, die Hockey-Fans niemals sagen würden

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Ambri und die Valascia – des Eismeisters Abschied von der steinernen Seele unseres Hockeys

Nach dieser Saison wird mit der Valascia ein Kraftort des Schweizer Eishockeys für immer von der Landkarte verschwinden. Ein letzter Rundgang durchs mythischste Stadion unseres Hockeys.

Beginnen wir unsere letzte Geschichte über die Valascia mit ein wenig Pathos. Gustave Flaubert ist ein französischer Dichter aus dem 19. Jahrhundert. Er hat einmal geschrieben: «Es gibt Orte auf der Welt, die so schön sind, dass man sie an sein Herz pressen möchte.» Wäre er ein Hockey-Chronist gewesen, dann hätte er mit diesem Satz die Valascia gemeint.

Soweit die Romantik. Aber Polemik gehört auch dazu. Es gibt ein Buch über Ambri, zusammengestellt von Ruedi Ingold. Darin gibt es eine …

Artikel lesen
Link zum Artikel