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NHL: Die undankbare Rolle von Mirco Müller bei den New Jersey Devils

Referee's separate Vancouver Canucks' Brandon Sutter (20) and New Jersey Devils' Mirco Mueller (25) after a fight during the second period of an NHL hockey game Saturday, Oct. 19, 2019, ...
Er spielt diese Saison physischer als in den Jahren zuvor: Mirco Müller skatet nach einem Kampf mit Vancouvers Brandon Sutter davon.Bild: AP

Mirco Müllers undankbare Rolle bei den Devils: «Ich habe gelernt, damit umzugehen»

Er ist der Schweizer in New Jersey, der gerne vergessen geht: Mirco Müller. Der Defensivverteidiger spielt eigentlich eine solide Saison, kämpft aber dennoch weiterhin um die Anerkennung der Fans.
15.11.2019, 19:2615.11.2019, 19:26
adrian bürgler, newark

Wie seine Teamkollegen steht Mirco Müller nach der ärgerlichen Niederlage gegen Ottawa in der fast gespenstisch ruhigen Kabine der New Jersey Devils und versucht zu erklären, was gerade passiert ist. Er sagt: «Eigentlich haben wir mehrheitlich gut gespielt. Aber irgendwie haben wir den Moment verpasst, den Sack zuzumachen.»

Und genau so war es. Zum wiederholten Mal in dieser Saison hatten die Devils ein Spiel im Griff und verspielten die Ausgangslage im letzten Drittel. «Man müsste das abstellen können, aber die Gedanken an die vergangenen Spiele kommen teilweise einfach wieder – wie ein Déjà-vu», erzählt der Schweizer.

Der Frust bei den Fans wächst, sie suchen einen Sündenbock. Und kaum jemand eignet sich da besser als Mirco Müller.

Das liegt an der undankbaren Rolle des Winterthurers. Wenn ein Team etwas «veryoungboyst» (darf man das nach zwei Meistertiteln in Serie überhaupt noch sagen?), dann kriegen zumeist Torhüter oder Verteidiger ihr Fett weg. Allerdings werden Gegentore bei Verteidigern, die auch regelmässig skoren, noch eher mal verziehen. Müllers Spiel ist solid, aber unspektakulär. Offensive Inputs gehören bei einem Defensivverteidiger wie ihm nur selten dazu.

New Jersey Devils defenseman Mirco Mueller (25) and goaltender Mackenzie Blackwood (29) watch the puck enter the net during the second period of an NHL hockey game against the Buffalo Sabres, Saturday ...
Deutlich öfter vor dem eigenen als vor dem gegnerischen Tor anzutreffen: Devils-Verteidiger Mirco Müller.Bild: AP

Deshalb fordern einige Fans nach dem Spiel auch zum wiederholten Mal, dass Müller und sein Defensivpartner Matt Tennyson aus dem Kader gestrichen werden – wenigstens im Fall des Schweizers zu Unrecht.

«Wenn ich gespielt habe, tat ich das meistens gut.»
Mirco Müller

Der 24-Jährige steht zwar bei zweien der vier Gegentore gegen Ottawa auf dem Eis, trägt dabei aber keine Schuld. Wie auch sonst im ganzen Spiel, ist der Nationalverteidiger in beiden Situationen gut positioniert, hat seinen Mann. Bei beiden Treffern führen Fehler der Mitspieler zum Tor, die Müller nicht mehr korrigieren kann.

Dennoch scheinen auch die Coaches kein bedingungsloses Vertrauen in den Schweizer zu haben. Schon sieben Spiele musste er in dieser Saison von der Tribüne aus verfolgen. Trotzdem ist Müller mit seiner persönlichen Saison bislang zufrieden: «Wenn ich gespielt habe, tat ich das meistens gut.»

Die Zahlen unterstützen die Aussage des Spielers, trotz gewisser Widerstände. Kaum ein Spieler bei den Devils startet so viele seiner Einsätze im defensiven Drittel wie Mirco Müller. Zudem spielt er derzeit mit dem bereits zuvor erwähnten Matt Tennyson zusammen, einem durchschnittlichen AHL-Verteidiger, was die Aufgabe in jedem Einsatz auch nicht einfacher macht.

Was ist die Expected-Goals-For-Percentage?
Bei der Expected-Goals-For-Percentage (xGF%) werden alle ungeblockten Schüsse (neben das Tor, auf das Tor oder an die Torumrandung) nach Qualität gewertet und ins Verhältnis der ungeblockten, gewerteten Schüsse des gegnerischen Teams gesetzt. Daraus kann man die zu erwartende Anzahl Tore ableiten, welche die beiden Teams erzielen sollten. Daraus wiederum entsteht das zu erwartende Torverhältnis in Prozent.

Expected-Goals-For-Percentages über 50 Prozent sind positiv. Sie bedeuten, dass das Team normalerweise das Spielgeschehen kontrolliert.

Dennoch präsentiert sich der Winterthurer defensiv stabil. Mit ihm auf dem Eis lassen die Devils rund fünf Prozent weniger Chancen zu als der Ligadurchschnitt. Seine Expected-Goals-For-Percentage ist mit 53,29 Prozent hinter Andy Greene die zweitbeste aller Devils-Verteidiger.

Der offensive und defensive Einfluss von Mirco Müller in dieser und letzter Saison. Alle Zahlen sind verglichen mit dem Ligadurchschnitt.
Der offensive und defensive Einfluss von Mirco Müller in dieser und letzter Saison. Alle Zahlen sind verglichen mit dem Ligadurchschnitt.Bild: hockeyviz.com/Micah Blake McCurdy
«Wenn ich spiele, gebe ich mein Bestes. Das ist alles, was ich derzeit machen kann.»
Mirco Müller

Frustriert über die Tatsache, dass er dennoch jeweils nicht weiss, ob er am nächsten Tag spielen darf, ist Müller aber nicht. «Es ist ja nicht das erste Jahr, dass ich in dieser Situation bin. Mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und gelernt, damit umzugehen.»

Wichtig sei, dass er immer bereit ist. «Ich habe immer Freude, wenn ich spielen darf, und gebe dann mein Bestes. Das ist alles, was ich derzeit machen kann», sagt der 24-Jährige. Und es ist wichtig, dass ihm das weiterhin gelingt. Denn Mirco Müller hat für nächstes Jahr noch keinen Vertrag.

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