Schmähungen und beleidigte Spieler – die Detroit Red Wings versinken im Chaos
Schmähgesänge bei den ersten Heimspielen. Buhrufe gegen den (ehemaligen) Captain. Ein junges Verteidigungstalent, das arbeitslos in Schweden sitzt. Und Tickets für 14 US-Dollar, weil die Fans den Stadionbesuch boykottieren. Bei den Detroit Red Wings hängt der Haussegen aktuell gründlich schief – obwohl erst zwei Spiele gespielt sind.
Die Probleme haben aber auch nicht erst in dieser Saison angefangen. Die Red Wings, eines der traditionsreichen Original-Six-Teams der NHL, haben nun schon zehn Jahre in Folge stets die Playoffs verpasst. Steve Yzerman, der seit 2019 die sportlichen Geschicke in Detroit führte, und sein sogenannter «Yzerplan» gerieten immer mehr in die Kritik. Doch immer mehr verdichten sich die Anzeichen, dass nicht nur der 61‑jährige Kanadier, sondern inbesondere auch Teambesitzer Chris Iitch das Problem war und weiterhin ist.
Red Wings Fans chanting “Sell the Team” 5 minutes into the season opener
by u/ShqiptarInMukhmas in hockey
1982 kaufte die Ilitch-Familie, die ihr Geld mit der Pizzakette Little Caesars verdiente, die Red Wings. Unter der Führung von Mike Ilitch, dem Vater von Chris, kehrte das Team zu alter Grösse zurück und gewann 1997, 1998 und 2002 den Stanley Cup. Seit Chris das Zepter übernommen hat, bleibt der Erfolg indes aus. Die Entscheidungen des 61-Jährigen – respektive seine Unfähigkeit, eine definitive Entscheidung zu fällen – haben die Wings stattdessen gar in grosse Schwierigkeiten gebracht.
Im Juni dieses Jahres wurde bekannt, dass Dylan Larkin, seit 2020 Captain dieses Teams, einen Trade verlangt hat. Die genauen Gründe hat er nie bestätigt, doch Berichte sprachen von Frust aufgrund der langen Erfolgslosigkeit und einem zerrütteten Verhältnis mit GM Yzerman. Einige Wochen später, am 15. Juli, wurde dieser seines Amtes enthoben. Chris Ilitch hoffte wohl, Larkin so doch von einem Verbleib in Detroit überzeugen zu können – bislang erfolglos. Larkin will immer noch weg.
Stattdessen sorgte dieser Entscheid für weitere Probleme. Yzerman wurde mitten in einer kritischen Phase entlassen. Draft und die wichtigsten Tage der Free Agency waren zwar vorbei, aber die Planung der nächsten Saison stand weiterhin bevor. Mit Simon Edvinsson brauchte der zweitbeste Verteidiger der Wings noch einen neuen Vertrag. Gleichzeitig bestimmte Ilitch aber keinen echten Nachfolger für seinen abtretenden General Manager. Assistenz-GM Shawn Horcoff war zwar immer noch dort, aber gemäss NHL-Insidern nicht befugt, Spielern wie Edvinsson einen Vertrag anzubieten. Erst Mitte September, kurz vor dem Saisonstart, wurde Horcoff offiziell zum Interims-GM befördert.
Das Problem: Ilitchs Suche nach einem Ersatz für Yzerman begann zu spät. Hätte er Yzerman direkt nach dem Verpassen der Playoffs im April entlassen, wäre er auf der Suche nach einem Nachfolger wohl rechtzeitig fündig geworden, damit dieser sich um den Draft und sämtliche Verträge in der Free Agency hätte kümmern können. Stattdessen hatten die Red Wings während fast zweier Monate niemanden, der sich um einen Larkin-Trade oder einen neuen Vertrag für Edvinsson hätte kümmern können.
Der junge schwedische Verteidiger kam Detroit eigentlich den ganzen Sommer entgegen. Er lehnte Offer Sheets von anderen Organisationen ab und zeigte sich willig, einen langfristigen Vertrag zu unterschreiben. Edvinsson nahm auch ohne Vertrag am Trainingscamp des Teams teil, was mit viel Risiko verbunden ist. Wenn sich der 23-Jährige dort verletzt hätte, hätte er sich einen lukrativen Vertrag wohl abschminken können.
Aber auch dieses Zeichen des Wohlwollens konnte die Wings nicht überzeugen. Interims-GM Horcoff erhält von Chris Ilitch offenbar keine Erlaubnis, Vertragsofferten zu unterbreiten, die mehr als drei oder vier Jahre dauern. Edvinsson und sein Lager hingegen möchten langfristig in Detroit unterschreiben. Deshalb ist der Verteidiger mittlerweile nach Schweden zurückgekehrt und hält sich dort fit. Das Vertrauen in die Organisation der Red Wings soll mittlerweile so zerrüttet sein, dass Edvinsson mittlerweile gemäss NHL-Insider Elliotte Friedman einen Trade einer Vertragsverlängerung vorziehen soll.
BREAKING: Simon Edvinsson “prefers a trade” out of Detroit (rather than signing), per @FriedgeHNIC. #LGRW
— NHL News (@PuckReportNHL) October 4, 2026
Kein Wunder, fordern die Fans, dass Chris Ilitch die Franchise verkauft. Die Hoffnung, sich in der starken Atlantic Division ohne Edvinsson und den derzeit verletzten Larkin für die Playoffs zu qualifizieren, ist gering. Die Red Wings scheinen bei ihrer Suche nach einem neuen General Manager noch kein Stückchen weiter zu sein und die Interimslösung wird vom Teambesitzer unnötig handicapiert. Das Team steht vor einem Scherbenhaufen und hat niemanden, der diesen wegwischen könnte.
Der Verbleib im ungeliebten Mittelmass ist damit vorprogrammiert. Die Geduld der Red Wings dürfte noch weitere Jahre strapaziert werden.
