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Hooligan-Konkordat: Keine Ausnahme mehr im Letzigrund – vor den Fansektoren müssen Netze her

Die Fans des Grasshopper Club Zuerich feiern mit den Spielern, unten, den 2-0 Sieg im Super League Fussballspiel zwischen dem Grasshopper Club Zuerich (GCZ) und dem FC Lausanne-Sport im Stadion Letzig ...
Vor den Fansektoren im Letzigrund müssen Netze installiert werden.Bild: KEYSTONE

Keine Ausnahme mehr im Letzigrund – vor den Fansektoren müssen Netze her

Wer vor oder in Sportstadien auf Radau oder Krawall aus ist, soll eindeutig und schnell identifiziert und bestraft werden. Die Spitzen aus Politik und Fussball wollen deshalb unter anderem auf Fanmärschen mobile Polizei-Kamerateams einsetzen.
03.08.2016, 15:5403.08.2016, 16:32

Die kantonalen Sicherheitsbehörden, die Swiss Football League (SFL) und die Spitzenklubs der höchsten Liga haben am Mittwoch ihre «harmonisierten Empfehlungen zur Umsetzung des Hooligan-Konkordats» publiziert. Das gemeinsame Ziel sei es, Gewalt im Umfeld von Sportveranstaltungen zu verhindern.

Basler Hooligans, vorne, gegen Aarauer Hooligans / Fans nach dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Aarau und dem FC Basel am Donnerstag, 15. Mai 2014, im Stadion Bruegglife ...
Solche Szenen wie 2014 zwischen Fans des FC Basel und des FC Aarau sollen verhindert werden.
Bild: KEYSTONE

«Die Schwerpunkte der Empfehlungen liegen bei einer einheitlichen Regelung zur Beweissicherung innerhalb und ausserhalb der Stadien», heisst es in einer gemeinsamen Medienmitteilung der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren sowie der SFL.

Fans werden gefilmt und fotografiert

So sollen gemäss den Empfehlungen, welche für die kürzlich gestartete Fussballsaison 2016/2017 gelten, auf den Anmarschwegen der Fans mobile Videoteams der Polizei eingesetzt werden. Diese Teams werden speziell ausgebildet.

Die SFL und die Clubs intensivieren derweil die Überwachung beim Eingang und im Innern der Sportarenen. Auch die Video-Operateure der Clubs werden regelmässig geschult. Zudem ist vorgesehen, dass «bei den Eingängen zu den Fansektoren Gesichtsaufnahmen der Fans gemacht werden, um fehlbare Zuschauer besser identifizieren zu können.» Dabei gehe es nicht um Porträtaufnahmen, sondern um Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln.

Eine Unisys Videokamera filmt am Freitag, 25. November 2005 die Fans waehrend einem Spiel in der Bern Arena und versucht ungewuenschte Personen mittels dem biometrischen Erkennungsprogramm wieder zu e ...
Eine Kamera in der BernArena.
Bild: KEYSTONE

Angestrebt wird schliesslich auch ein einheitlicher Standardprozess, damit die Videobeweise von den Clubs an die Polizei gelangen. Bis auf Weiteres wird gemäss den Empfehlungen aber darauf verzichtet, dass sich Zuschauer ausweisen müssen. Ein systematischer Abgleich der Personendaten mit der Hoogan-Datenbank erfolgt damit beim Eintritt in die Fansektoren nicht.

Geisterspiele, Netze und Fanzüge

Gemäss den Empfehlungen sollen die zuständigen politischen Behörden – unabhängig von der Fussballliga – nach schwerwiegenden Ereignissen Auflagen erlassen können. Nach Gewalttaten oder Vorkommnissen mit Pyrotechnik könnten demnach Fahnen verboten, der Ticketverkauf regional eingeschränkt oder einzelne oder gar alle Stadionsektoren für einzelne oder mehrere Spiele geschlossen werden.

Die Mannschaft des FC Basel beschwoeren sich im leeren Stadion vor dem Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel und dem FC Schaffhausen, am Samstag, 22. Juli 2006 im St. Jakob Park i ...
2006 spielte der FCB gegen Schaffhausen vor leeren Rängen.
Bild: KEYSTONE

Die Spitzen aus Politik und Sport streben zudem eine landesweite Vereinheitlichung der Regeln an. So werden beispielsweise zwei bestehende Ausnahmen von der SFL aufgehoben: Auch im Letzigrund in Zürich und im Cornaredo in Lugano müssen nun vor den Fansektoren «so rasch als möglich» Netze installiert werden.

Die Anreise der Gästefans soll mit Fanzügen oder Fanbussen erfolgen. Die Clubs sollen gemäss Mitteilung nicht für Schäden haften, die durch Fantransporte entstehen.

ARCHIV - Der erste Fanzug unter der gemeinsamen Verantwortung der Fanarbeit Bern und der Fan-Dachorganisationen des Berner Super League Klubs BSC Young Boys und der SBB erreicht mit jubelnden YB Fans  ...
YB-Fans in einem Fanzug.
Bild: KEYSTONE

Alle Player an einem Tisch

Im Mai hat zudem die Polizeiliche Koordinationsplattform Sport (PKPS) bei der Kapo Freiburg den Betrieb aufgenommen. Sie entstand aus dem Zusammenschluss der Deutschschweizer Zentralstelle Hooliganismus und ihrem Pendant in der Westschweiz. Die SFL, der Schweizerische Fussballverband (SVF) und die Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) sind an der neuen Plattform finanziell beteiligt.

Die PKPS soll «eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren sicherstellen, die mit dem Thema Sicherheit im Umfeld des Sports befasst sind». Zudem wird sie gemäss Medienmitteilung die aktuellen Ereignisse permanent verfolgen, auswerten und verbreiten. (sda)

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