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Gaudenz Domenig, president of the HC Davos, is pictured during a press conference prior to the Champions Hockey League semi-finals ice hockey match between HC Davos and Froelunda Goeteborg, in the Vaillant Arena in Davos, Switzerland, Tuesday, January 12, 2016. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

HCD-Präsident Gaudenz Domenig muss realisieren, dass die Champions Hockey League trotz guten Leistungen wahrscheinlich zum Verlustgeschäft wird.
Bild: KEYSTONE

Dieser Moment, wenn du merkst, dass du in der Champions Hockey League Verlust machst

Für den HC Davos zeichnet sich im Halbfinal-Rückspiel bei Frölunda Göteborg das Ende einer sportlich erstklassigen Champions-League-Kampagne ab. Die wirtschaftliche Bilanz fällt weniger gut aus. Klubchef Gaudenz Domenig prüft, ob eine weitere Teilnahme Sinn macht.



Gegen drei nordländische Equipen hatte der HCD brilliert und in der Champions League vier von fünf Auswärtsspielen gewonnen, bis Frölunda die euphorischen Bündner letzte Woche nicht nur stoppte, sondern regelrecht demütigte. Die 0:5-Demontage ist gegen den Leader der schwedischen Liga nach sportlichem Ermessen nicht mehr zu korrigieren.

Spencer Abbott of Goeteborg, front, reacts after scoring 0-1 during the Champions Hockey League semi-finals ice hockey match between HC Davos and Froelunda Goeteborg, at the Vaillant Arena in Davos, Switzerland, Tuesday, January 12, 2016. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Die Schweden von Frölunda Göteborg kamen in Davos gar nicht aus dem Jubeln raus.
Bild: KEYSTONE

Im 54. Pflichtspiel der Saison steht für Arno Del Curtos Mannschaft primär der Lernprozess auf internationalem Top-Niveau im Vordergrund – im Duell mit einem Kontrahenten, der im vor zwei Jahren reanimierten europäischen Wettbewerb den zwölften Heimsieg in Serie anpeilt. Der HCD-Coach legte von der ersten Saisonminute an viel Wert auf eine gute Europacup-Performance. Entsprechend wird er versuchen, im Land des zweifachen Olympiasiegers und neunfachen Weltmeisters ein respektables Ergebnis zu erzielen.

Hinter Frölunda steht ein Konzept, das perfekt zur hohen schwedischen Schule passt. Im Nachwuchsbereich sind die Göteborger mit zehn Titeln die führende Organisation einer stolzen Hockey-Nation, die derzeit in der National Hockey League mit 80 Spielern vertreten ist.

Enttäuschende Zuschauerzahlen

Im Knock-out-Wettbewerb der besten europäischen Klub-Teams ausserhalb von Russland will Frölunda die schwedische Vorherrschaft fortsetzen und die erste Trophäe seit dem letzten Meistertitel vor elf Jahren gewinnen. Die Champions League geniesst in Nordeuropa im Kreis der Funktionäre einen beträchtlichen Stellenwert, der finanzielle Anreiz hingegen ist nach wie vor (zu) bescheiden.

28.12.2015; Davos; Eishockey Spengler Cup - HC Lugano - Jokerit Helsinki; 
Fans vor der Vaillant Arena 
 (Urs Lindt/freshfocus)

Auch die Wurscht-Kurvä in Davos lockt für die Champions League nicht genügend Zuschauer an.
Bild: freshfocus

Der vielversprechende Produktname ist zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht nicht Programm. In der Eishockeyszene ist die Champions League in der Regel ein Verlustgeschäft. Das Zuschaueraufkommen ist vielerorts ungenügend. Selbst in den skandinavischen Ländern, die im Europacup mit hoher Priorität engagiert und führend sind, ist das Desinteresse der Fans augenfällig.

In der Göteborger Scandinavium-Halle beispielsweise kaufen bei Heimspielen in der Meisterschaft durchschnittlich über 10'000 Anhänger ein Ticket, beim Halbfinal-Rückspiel gegen den HC Davos kalkulieren die Einheimischen dagegen nur mit knapp 3000 Zuschauern. «Die schlechten Zahlen sind schwer nachzuvollziehen. Für das europäische Hockey ist die Champions League wichtig», erklärt Frölundas Kommunikations-Chef Peter Pettersson Kymmer.

HCD-Klubchef skeptisch

Ein Problem sind die zu knapp bemessenen Mittel und das zu aufgeblähte Teilnehmerfeld. Die von den Klubs in Eigenregie gegründete europäische Liga umfasst 48 Teams, die Gesamtdotierung hingegen beträgt nur 1,5 Millionen Euro. Im Fussball hat der belgische Meister KAA Gent am letzten Tag der Gruppenphase innerhalb von 90 Minuten gleich viel an Punkteprämie verdient.

«Aus meiner Sicht können wir auf die Länge nicht an einem Wettbewerb teilnehmen, in welchem wir mit grosser Wahrscheinlichkeit Verlust machen.»

HCD-Präsident Gaudenz Domenig

Gaudenz Domenig, der VR-Präsident des HC Davos, kennt die relevanten Zahlen. Im besten Fall sei der Wettbewerb für sie ein Nullsummenspiel, auch wenn «es für die Marke HCD natürlich nicht schlecht ist, lange im Wettbewerb zu sein». In Gesprächen mit dem CEO der Champions League deponierte Domenig vor ein paar Tagen eine deutliche Message: «Es muss mehr Geld kommen, ein komfortabler Gewinn muss möglich sein.»

HC Davos Cheftrainer Arno Del Curto, links, empfaengt die Gratulationen von HCD-Praesident Gaudenz Domenig nach dem Titelgewinn und dem Sieg im fuenften Playoff Finalspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem  HC Davos, am Samstag, 11. April 2015, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

HCD-Trainer Arno del Curto und Klubpräsident Gaudenz Domenig. 
Bild: KEYSTONE

Der Bündner Klubchef stört sich daran, dass oft nicht mal die hohen Reisekosten gedeckt seien. Sollten keine Verbesserungen der finanziellen Konditionen absehbar sein, müssten sie über die (Rechnungs-)Bücher. «Dann steht zur Debatte, ob wir uns das noch leisten können und wollen. Aus meiner Sicht können wir auf die Länge nicht an einem Wettbewerb teilnehmen, in welchem wir mit grosser Wahrscheinlichkeit Verlust machen», sagt Domenig klipp und klar.

Champions Hockey League Halbfinals, Rückspiele
Dienstag, 19. Januar, 20.05:
20.05 Uhr: Frölunda Göteborg - Davos; Hinspiel 5:0​ (zap/sda)

Arno del Curto, wie er leibt und lebt

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