Sport
Eismeister Zaugg

Hockey-Politik: Scheitert das «Jahrhundert-Projekt» Salary Cap?

ALS VORSCHAU AUF DIE AM MITTWOCH, 7. SEPTEMBER 2016, BEGINNENDE EISHOCKEY NATIONAL LEAGUE A SAISON, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Die Klotener Patrick Obrist, links, und St ...
Was für ein Gerangel in der Schweizer Hockey-Politik.Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Hockey-Politik: Scheitert das «Jahrhundert-Projekt» Salary Cap?

Die National League hat sich als Aktiengesellschaft ins Handelsregister eingetragen. Der erste Schritt zur Unabhängigkeit vom Verband – aber mit einem schweren Geburtsfehler. Und das «Jahrhundert-Projekt» Salary Cap gerät ins Stocken.
24.07.2020, 10:0824.07.2020, 14:06

Die National League kapselt sich von Swiss Ice Hockey ab. Das Gründungskapital von 120'000 Franken ist einbezahlt, jeder der 12 NL-Klubs hat 10'000 Franken beigesteuert. Der Geschäftssitz ist Ittigen bei Bern. Das Bernbiet bleibt das heimliche und wahre Machtzentrum unseres Hockeys. Der Verwaltungsrats-Präsident ist bestimmt. Matthias Berner, einst Philippe Gaydouls tüchtiger Defizit-Verwalter in Kloten, wird der grosse Vorsitzende. Um es zu werden, ist er vorher aus der Führung des Verbandes zurückgetreten.

Der neue EHC Kloten Cheftrainer Kevin Schlaepfer, von links, EHC Kloten CEO Matthias Berner, Verwaltungsratsmitglied Mike Schaelchli und Praesident Hans-Ulrich Lehmann in der Loge waehrend dem Eishock ...
Matthias Berner (Zweiter von links) ist der neue starke Mann der National League.Bild: KEYSTONE

Es muss eben alles seine Ordnung haben. Liga-Manager Denis Vaucher wird der Geschäftsführer (CEO) der AG. Alle 12 NL-Klubs bekommen einen Sitz im Verwaltungsrat. Als Aktiengesellschaft bleibt die National League Mitglied des Verbandes, der als Verein konstituiert ist.

Der Grund für den seit langem aufgegleisten und nun juristisch vollzogenen Alleingang: Die Klubbosse wollen den direkten Zugriff auf die TV-Gelder. Der TV-Gesamtvertrag in der Höhe von rund 35 Millionen Franken pro Saison läuft über den Verband. Künftig soll dieses Geld direkt an die Liga gehen. Nun sind die Klubs eine AG und können die TV-Rechte selber zu Markte tragen. Der aktuelle TV-Vertrag läuft noch nächste und übernächste Saison (bis 2022).

Wird Auf-/Abstieg unmöglich gemacht?

Allerdings hat dieser an und für sich richtige Schritt in die Unabhängigkeit einen schweren Geburtsfehler: Die Swiss League ist nicht dabei. Unser Profihockey ist nun in einer Aktiengesellschaft zusammengefasst, in der die 12 Klubs der zweithöchsten Liga nicht vorkommen und nicht mehr mitreden können. Der Unmut ist gross. Langenthals Präsident Gian Kämpf, der Wortführer der Swiss League, bringt es auf den Punkt: «Wie meine Stimmung ist, verrate ich nicht.» Und versichert, man werde aktiv.

Das Problem: Die Swiss League mit mehreren Farm- und Partnerteams im Besitze und unter politischer Vormundschaft der National-League Klubs ist weder sportlich noch kommerziell oder politisch eine mit der National League vergleichbare Einheit. Für die kommende Saison hat die Neuorganisation unseres Profihockeys noch keine praktischen Auswirkungen. Veränderungen sind erst ab der übernächsten Saison (2021/22) zu erwarten. Wahrscheinlich ist, dass die Bedingungen für einen Aufstieg in die National League so erschwert werden, dass er praktisch unmöglich wird und der Auf-/Abstieg auf diese Weise abgeschafft werden kann.

ZUM ABTIEG DES EHC KLOTEN IN DIE SWISS LEAGUE, NACH 56 JAHREN IN DER HOECHSTEN SPIELKLASSE, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Die Fans der Kloten Flyers feiern den Sieg ihres T ...
Kloten sollte besser in der kommenden Saison aufsteigen – bevor es zu spät ist.Bild: KEYSTONE

Salary Cap auf der Kippe

Ob der emsigen Gründertätigkeit ist das «Jahrhundert-Projekt» Salary Cap – die Lohnbeschränkung – der National League etwas in den Hintergrund gerückt. Eigentlich wollte eine «Allianz der Vernünftigen» bei der nächsten offiziellen Liga-Versammlung am 27. August wegen der grossen, durch die Viruskrise verursachten wirtschaftlichen Sorgen den Salary Cap mit einem Grundsatzbeschluss einführen. Wohl wissend: Sollte das Geschäft wieder einmal brummen, wird der Salary Cap nicht mehr möglich sein.

ZSC Lions CEO Ruedi Zahner an einer Medienkonferenz der Lions zur Saison 2019/20 in Zuerich am Dienstag, 3. September 2019. (KEYSTONE/Walter Bieri)
ZSC-CEO Peter Zahner gilt nicht als Freund des Salary Cap.Bild: KEYSTONE

Nun ist klar: Es kommt weder an der noch einzuberufenden ausserordentlichen Liga-Versammlung Mitte August (einziges Traktandum: die Organisation der nächsten Saison) noch am 27. August bei der ordentlichen Liga-Versammlung in dieser Sache zu einer Abstimmung. Die Geschäftsführung der Liga bestätigt auf Anfrage: «Wir sind noch nicht soweit.» Man müsse erst das Gesamtpaket schnüren.

Nächster Termin: die Liga-Versammlung im November. So Gott will. Es ist das aus der Politik bestens bekannte Prinzip der «Verhinderung durch Verschleppung». Die von den ZSC Lions angeführte Opposition gegen den Salary Cap zeigt Wirkung. Die bange Frage ist berechtigt: Scheitert das «Jahrhundert-Projekt» Salary Cap? Die Allianz der Vernünftigen ist nun gefordert.

watson Eishockey auf Instagram
Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden
1 / 76
NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden
HC Davos: 5 - Marc Gianola.
quelle: keystone / fabrice coffrini
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Dinge, die Hockey-Fans niemals sagen würden
Harry Kane versetzt alle ins Staunen – mit einem Abstoss (!)
Bayern München und Arsenal trennten sich im Champions-League-Kracher vom Mittwoch mit einem 2:2-Unentschieden. Dennoch stach Harry Kane einmal mehr heraus – und das nicht nur mit seinem Tor und seinem traumhaften Assist.
Dieser Typ ist unheimlich: Als erst zweiter Spieler nach Cristiano Ronaldo hat Harry Kane gemäss Opta in zehn Champions-League-Spielen in Folge getroffen. In zwei Wochen könnte Kane den Ronaldo-Rekord mit einem Tor bei Atlético Madrid egalisieren. In den letzten elf Spielen für Bayern München und England erzielte der 33-Jährige 14 Tore und bereitete acht weitere vor. Und all das tut Kane, während er das Spiel aus allen Bereichen des Platzes beeinflusst.
Zur Story