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Magglingen statt New Jersey: Nico Hischier ist derzeit im Militär.
Magglingen statt New Jersey: Nico Hischier ist derzeit im Militär.
Bild: MARCEL BIERI
Eismeister Zaugg

Nico Hischier – ein NHL-Star als Internet- und Sportsoldat

Kein NHL-Hockey und keine WM: Nico Hischier absolviert an der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen seine Rekrutenschule.
21.05.2020, 07:4322.05.2020, 07:27

Unten blinkt der Bieler See. Der Blick geht weit übers Land bis zu den ewigen Schneebergen des Berner Oberlandes. Gibt es einen schöneren Flecken? Gibt es schöneres Wetter? Nein. Alle Fährnisse des Lebens scheinen weit weg zu sein.

Diese Idylle ist auch ein wenig eine Entschädigung für Nico Hischier (21). Seit dem 12. März steht er sozusagen auf dem Trockenen. Statt in einer ritterähnlichen Ausrüstung um den Stanley Cup oder um den WM-Titel zu spielen, leistet er im Trainingsanzug Dienst als Internet- und Sportsoldat an der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen.

Kurt Henauer ist hier oben für die Kommunikation zuständig und hat draussen auf der Terrasse die Tische und Stühle so gerückt, dass wir unter Einhaltung der Abstände entspannt plaudern können.

Im Gespräch mit Nico Hischier.
Im Gespräch mit Nico Hischier.
Bild: MARCEL BIERI

Saison-Unterbruch kurz vor einem Spiel

Doch gehen wir der Reihe nach. Am 12. März steht Nico Hischier zum letzten Mal in Schlittschuhen auf dem Eis. «Es gab schon Gerüchte über einen Unterbruch der Saison. Wir bereiteten uns am Vormittag wie immer mit dem Warmlaufen auf das Spiel vor. Am Nachmittag kam die Meldung, die Partie gegen Carolina sei abgesagt.» Seither sitzt Nico Hischier auf dem Trockenen. Es sei die längste Zeit ohne Eis, an die er sich erinnern kann.

Ein paar Tage später erlaubt New Jersey den Spielern, nach Hause zu gehen. Am 20. März ist Nico Hischier gerade noch rechtzeitig in die Schweiz zurückgeflogen. «Ich lebe in New Jersey alleine und habe mich sofort zur Rückkehr entschlossen. Es war noch problemlos möglich, einen Flug zu buchen.»

Seither ruht die Saison in der NHL und die WM in Zürich und Lausanne ist auch abgesagt worden. Deshalb sitzen wir nun hier oben in Magglingen und unsere Unterhaltung dreht sich erst einmal nicht um Eishockey. Sondern ums Militär.

In diesem Frühling hat Nico Hischier nicht im Nati-Dress spielen können.
In diesem Frühling hat Nico Hischier nicht im Nati-Dress spielen können.
Bild: KEYSTONE

«Sehe den Militärdienst auch für mich als Pflicht»

Nico Hischier ist Internet- und Sportsoldat. Er sagt, es hätte durchaus Möglichkeiten gegeben, um den Militärdienst herumzukommen. Er lebt ja im Ausland (in New Jersey) und er könnte einfach die Wehrpflichtersatzabgabe bezahlen. Einschränken müsste er sich deswegen nicht. Ab nächster Saison läuft sein neuer Vertrag, der ihm in sieben Jahren 50,75 Millionen Dollar einbringen wird.

Aber darum geht es nicht. «Ich habe Kollegen, die Militärdienst leisten, und ich sehe das auch für mich als Pflicht wie für jeden anderen Schweizer.» Er hatte die Aushebung bestanden und von allem Anfang an war klar, dass er den Dienst als Sport-Soldat in Magglingen leisten darf. Es ging nur noch um den richtigen Zeitpunkt. Und der ist nun durch die besonderen Umstände unverhofft da.

Für Nico Hischier war klar, dass er einst ins Militär will.
Für Nico Hischier war klar, dass er einst ins Militär will.
Bild: MARCEL BIERI

Ob Dollar-Millionär oder Sportler in einer «brotlosen» Disziplin – in der Sportler-RS gibt es keine Unterschiede. Wie alle anderen bezieht auch Nico Hischier als Rekrut einen Sold von 4 Franken am Tag, der nach der Brevetierung zum Soldaten auf 5 Franken angehoben wird und dazu kommt der Erwerbsersatz (EO) in der Höhe von 68 Franken am Tag.

Ausbildung im Home Office

Begonnen hat Nico Hischier seinen Militärdienst als Internet-Soldat. Und das kommt so: Am 14. April hätte die Sport-Rekrutenschule mit Einrücken in der Kaserne Wangen an der Aare beginnen sollen. In einer ersten Phase besteht der Dienst am Vormittag aus einer militärischen Ausbildung in der Kaserne unten in Wangen und erst am Nachmittag steht in Magglingen Sport auf dem Programm.

Wegen der Virus-Krise war das Leben in der Kaserne und das Fassen der Militär-Kleider nicht möglich. Nico Hischier musste zu Hause bleiben. Aber die 18-wöchige Rekrutenschule hat trotzdem am 14. April begonnen. Im Home Office. Er habe eine theoretische militärische Ausbildung übers Internet genossen. «Ich konnte zu Hause bleiben und das Gelernte ist in Tests geprüft worden.» Die Tests hat er alle bestanden und so ist er nun am 11. Mai in Magglingen eingerückt.

Nach wie vor hat der Nationalstürmer keine Uniform der nationalen Streitkräfte. Die militärische Kleidung gibt es wegen der Virus-Krise noch nicht. Nur der Aufdruck «Swiss Army» auf dem Trainingsanzug verrät, dass er sich im Dienst fürs Vaterland befindet.

Aufgrund des Coronavirus trägt Hischier derzeit keine Uniform.
Aufgrund des Coronavirus trägt Hischier derzeit keine Uniform.
Bild: MARCEL BIERI

Die Ruhe nie verloren

Nico Hischier ist kein Mann der dramatischen Worte und grossen Gesten. Er akzeptiert die Dinge, so wie sie nun mal sind. Diese innere Ruhe gehört auch zu seinen Stärken. Ich habe erlebt, wie er sich durch den Medienrummel nach dem historischen Draft (als erster Schweizer die Nummer 1) im Sommer 2017 in Chicago, nach seinem ersten NHL-Spiel in New Jersey oder später nach seinem ersten Länderspiel in Sierre nicht aus der Ruhe bringen liess.

Nun gibt er auf der Gartenterrasse in Magglingen im Trainingsanzug als Sport-Soldat ebenso gelassen über seinen längsten eislosen Frühling und seine Eindrücke aus dem Militärdienst Auskunft.

Er habe die Zeit mit seiner Familie genossen und meistens mit seinem Bruder trainiert (Luca Hischier spielt für den HC Davos). «Wir mussten improvisieren. Wir haben das Hockeytor aus der Garage hervorgeholt und auf dem Asphalt gespielt, wie wir es einst als Buben gemacht haben. Das Krafttraining haben wir auf den Balkon verlegt.»

Nicos Bruder Luca Hischier stürmt für den HC Davos.
Nicos Bruder Luca Hischier stürmt für den HC Davos.
Bild: KEYSTONE

Militär im Zeichen des Virus

Das Soldatenleben in Magglingen besteht nun aus Training am Vormittag und am Nachmittag. Unter Berücksichtigung der besonderen Umstände während der Virus-Krise. Nach zwei Stunden müssen alle den Kraftraum verlassen. Weil alles desinfiziert wird. Duschen ist nur im Zimmer möglich.

Immerhin gibt es wegen der Virus-Krise nun für alle Sportsoldaten ein Einzelzimmer. In normalen Zeiten teilen sich die Rekruten zu zweit eine Stube. Pro Woche gibt es einmal eine ausführliche Online-Befragung über allfällige Symptome und wenn nur eine Frage mit «Ja» beantwortet wird, meldet sich der Arzt.

Das Trockentraining läuft nach den Vorgaben seines Arbeitgebers New Jersey und seines persönlichen Fitnesscoaches Samuel Boehringer. Die Trainings-Bedingungen seien auch unter den besonderen Umständen optimal. «Nur das Eis fehlt.» Wahrscheinlich wird vor dem 8. Juni kein Eistraining möglich sein.

Nie aus der Krise gekommen

Trotz allem ist auch Eishockey ein Gesprächsthema. Es sei einfach nicht mehr möglich gewesen, den schwachen Saisonstart wettzumachen. Und so hat Nico Hischier letzte Saison in New Jersey das ganze «Krisen-Programm» mit Trainerwechsel, Transfer von wichtigen Mitspielern (Taylor Hall) und schliesslich einer Amtsenthebung des General Managers erlebt.

In dieser Saison mussten Hischiers Devils oft unten durch.
In dieser Saison mussten Hischiers Devils oft unten durch.
Bild: AP

Er erzählt es wieder mit der ihm eigenen Gelassenheit. Es war seine dritte NHL-Saison und an seinen Leistungen lag es nicht, dass New Jersey unter den Erwartungen geblieben ist. Er erzielte in 58 Partien 14 Tore und 22 Assists.

Ob und wie es in der NHL weiter geht, weiss er nicht. Vor einer allfälligen Saisonfortsetzung käme das Aufgebot für ein kurzes Trainingslager. «Es könnte sein, dass ich in diesem Fall von einem Tag auf den anderen abreisen muss.» Was kein Problem wäre. Es ist so mit dem Schulkommando abgesprochen.

RS-Abschluss in New Jersey möglich

Die noch fehlenden Tage bis zum Abschluss der Sportler-RS würden ihm bei der Wiederaufnahme der Arbeit in New Jersey angerechnet. Keine Sonderregelung. Stark vereinfach gesagt: Nach der militärischen Grundausbildung werden Sporteinsätze angerechnet. Militärtheoretisch sozusagen als «Verlegung».

Beispielsweise dürfen Einzelsportler während der Rekrutenschule an Wettkämpfen und Trainingslager im Ausland teilnehmen. Das Aufgebot ins NHL-Camp wäre für Nico Hischier wohl gar ein Einrücken in einen weitaus strengeren Dienst. «So würde ich es nicht sagen. Aber es ist schon so, dass ein NHL-Trainingslager anstrengend ist…»

Eine Offizierskarriere strebt Nico Hischier übrigens nicht an. Aber mit einer Beförderung darf er im Laufe der Zeit rechnen. Wer als Sport-Soldat Medaillen bei Titelkämpfen gewinnt, wird zum Gefreiten befördert. Das wäre beim Gewinn des Stanley Cups oder einer WM-Medaille mit der Nationalmannschaft der Fall.

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Die ersten Tage von Nico Hischier als Nummer-1-Draft

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Nico Hischier und Armin Helfer im Interview

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