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epa05083202 Davos' goalkeeper Gilles Senn reacts during the match between Finland's Jokerit Helsinki and Switzerland's HC Davos at the 89th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, 29 December 2015.  EPA/GIAN EHRENZELLER

Nachwuchs-Hoffnung Gilles Senn erlebt gegen Jokerit seine Spengler-Cup-Feuertaufe.
Bild: EPA/KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Zu jeder Bergchilbi gehört ein Senn: HCD liefert Spektakel und läutet neue Goalie-Dynastie ein

Der Spengler Cup ist gerettet. Der HC Davos hat den Halbfinal-Einzug doch noch geschafft. Und vielleicht hat uns dieses 5:4 n.V. gegen Jokerit Helsinki einen Blick in die Zukunft ermöglicht.



Nein, es ist nicht der grosse HC Davos. Zu viele Spieler fehlen. Zu stark beschäftigt sich Arno Del Curto bereits mit dem grossen Ziel, der Champions Hockey League. Und doch gelingt eine wundersame Halbfinalqualifikation.

Der HCD besiegt Jokerit Helsinki nach 2:4-Rückstand in der Verlängerung schliesslich 5:4. Das könnte deshalb ein historisches Ereignis sein, weil nicht Leonardo Genoni im Tor stand. Sondern Gilles Senn (19). Zu jeder Bergchilbi gehört ein Senn. Der sanfte Riese muss nächste Saison zusammen mit Joren van Pottelberghe (18) beim HCD National- und Meistergoalie Leonardo Genoni (zum SCB) ersetzen. Auch wenn zwei Treffer nicht unhaltbar waren – Gilles Senn war gestern gegen Jokerit ein Held. Weil er sich nie aus der Ruhe bringen liess und in der Verlängerung Davos zum Sieg hexte.

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Unglücklich: Gilles Senn befördert die Scheibe beim 2:4 selbst über die Linie.
video: srf

Und ein paar Stunden später war auch Joren van Pottelberghe ein Held. Sogar ein noch grösserer. Der Zuger, der seit 2013 in der höchsten schwedischen Juniorenliga spielt, hexte die Schweiz gestern bei der U20-WM in Helsinki zum sensationellen Punktgewinn gegen Kanada. Zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte holten die Schweizer an einer U20-WM einen Punkt (2:3 nach Penaltys) gegen die Ahornblätter – ein eindrücklicher Beweis für das enorme Potenzial dieses Teams, dem wegen der peinlichen 1:2-Niederlage gegen Dänemark nach wie vor die Abstiegsspiele drohen.

Startschuss zur neuen Goalie-Dynastie?

Ist dieser 29. Dezember 2015, der Tag, an dem Gilles Senn und Joren van der Pottelberghe erstmals auf internationalem Niveau hexten, ein historisches Datum? Der Tag, an dem eine neue HCD-Goalie-Dynastie angefangen hat?

Ein Blick zurück zeigt, dass dies durchaus möglich ist. Im Frühjahr 2007 wechselte Meistergoalie Jonas Hiller in die NHL. Der HCD holte bei den ZSC Lions zwei junge Goalies als Ersatz: Reto Berra und Leonardo Genoni. Beide damals erst 20 und noch nie in der NLA die Nummer eins.

Leonardo Genoni, einer der beiden neuen Torhueter des HC Davos spielt sich ein, am Samstag, 15. September 2007 in Davos. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Der junge Leonardo Genoni erobert 2007 zusammen mit Reto berra die Davoser Hockey-Herzen. 
Bild: KEYSTONE

Inzwischen ist Leonardo Genoni mehrfacher HCD-Meistergoalie und Nationaltorhüter. Reto Berra ist mit dem HCD auch Meister geworden (2009 kamen er und Genoni im Playoffinale zum Einsatz), später wurde er WM-Silberheld und inzwischen spielt er in der NHL.

Gilles Senn und Joren van der Pottelberghe 2016 wie einst Leonardo Genoni und Reto Berra? Warum nicht?

Eigentlich wollte Arno Del Curto Gilles Senn im letzten Gruppenspiel gegen Team Canada (0:2) eine Chance geben. «Aber der Goalietrainer hat mir gesagt, ich solle doch den Senn im Viertelfinale einsetzen.» Der grosse HCD-Zampano hörte auf seinen Mitarbeiter. Denn der hat beim HCD Kultstatus. Marcel Kull gilt als bester Torhütertrainer im Land. Ein Magier, der bei jedem Goalie auf den ersten Blick erkennt, ob er zu höheren Aufgaben taugt. Er ist der Baumeister der Karrieren von Jonas Hiller, Reto Berra und Leonardo Genoni. Ja, beim SCB keimte lange Zeit die Hoffnung, es könnte gelingen, mit Leonardo Genoni auch Marcel Kull nach Bern zu holen. Doch daraus wird nichts. Marcel Kull bleibt in Davos.

Spektakuläre Overtime-Premiere

Aber wir sind ein wenig vom Thema abgekommen. Grosse Mannschaften gewinnen auch dann ein Spiel, wenn sie nur durchschnittlich spielen. So wie gestern der HC Davos. An diesem Spengler Cup haben wir erst gestern in der Verlängerung einen grossen HCD gesehen. Und das hat zur Halbfinal-Qualifikation gereicht.

Zum ersten Mal ist eine Verlängerung in unserem Land nur mit drei gegen drei Feldspieler gespielt worden (bisher waren es vier gegen vier). Niemand hat hierzulande Erfahrung mit dieser Variante der Überzeit. Sie ist nur in der NHL und neu auch bei der WM üblich. Sie ist spektakulär. Weil eigentlich gar keine Taktik, keine Defensivorganisation möglich ist. Nur noch das pure Duell Spieler gegen Spieler. Beweglichkeit, Schlauheit, Finten, Mut, Technik und Instinkt entscheiden.

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Die Entscheidung bei 3 gegen 3: Andres Ambühl bedient Gregory Sciaroni nach einem Energieanfall. 
video: srf

Aber die HCD-Spieler kennen diese Variante doch. Arno Del Curto sagt: «Wir spielen im Training immer wieder mal drei gegen drei. Seit Jahren. Ich mag das. Weil es einfach ein Spiel ist.» Und so ist es vielleicht doch kein Zufall, dass die Davoser in der zweitletzten Minute dieser Verlängerung das Siegestor erzielen. Bis zu diesem Zeitpunkt haben beide Trainer immer mindestens einen Verteidiger aufs Eis geschickt. Dann riskiert Arno Del Curto alles und lässt mit Andres Ambühl, Gregory Sciaroni und Mauro Jörg drei Stürmer laufen. Sciaroni trifft zum 5:4. Arno Del Curto schwärmte: «Mit drei Stürmern ist das Spiel einfach dynamischer. Die drei sind wunderbar gelaufen.»

Sie sind gelaufen wie sie das im Training schon so oft getan haben. Die Davoser haben sozusagen dank jahrelangem Training das Halbfinale doch noch erreicht.

Folgt nun Langeweile oder Spektakel?

Und nun also gegen Team Canada. Werden wir ein anderes Spiel sehen? In der letzten Gruppenpartie hat der HC Davos gegen Team Canada in einem der schlimmsten Spengler Cup-Spiele der Neuzeit 0:2 verloren und langweiliges, defensives «Guy Boucher-Hockey» gespielt. Heute wieder?

Diese Frage bringt Arno Del Curto in Rage. Er entreisst einem Chronisten den Schreibblock und den Kugelschreiber. Erregt kritzelt er grosse Ziffern aufs Papier und macht eine Rechnung auf, wie viele seiner Jungs bei der Junioren-WM im Einsatz, wie viele verletzt und sonst unabkömmlich sind, zählt zusammen, kommt auf 16 Spieler, hält kurz inne, schüttelt den Kopf und sagt dann: «Aber mindestens 14 Spielern stehen mir nicht zur Verfügung! Das muss man doch berücksichtigen!»

Wir wissen also noch nicht, ob wir dynamisches, mutiges, mitreissendes, offensives «Arno Del Curto-Hockey» oder «Guy Boucher-Hockey» sehen werden. Fest steht nur, dass Leonardo Genoni ins Tor zurückkehrt.

Spengler Cup: Bilder aus längst vergangenen Zeiten

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Spengler Cup: Bilder aus längst vergangenen Zeiten
quelle: photopress-archiv / str
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