Seine hochschwangere Frau half ihm die Treppe hoch – nun ist Merino Spaniens Superjoker
Geschichte wiederholt sich nicht? Dem würde der Spanier Mikel Merino nun wohl entschieden widersprechen: Am Montag kam er in der 85. Minute des WM-Achtelfinals gegen Portugal aufs Feld. Sechs Minuten später erzielte er den 1:0-Siegtreffer. Am gestrigen Freitag wurde er gegen Belgien dann in der 86. Minute beim Stand von 0:0 eingewechselt. 110 Sekunden später schoss Mikel Merino zum 1:0 ein und die Furia Roja damit in den WM-Halbfinal.
«Ich kann es immer noch nicht glauben», sagt ein überwältigter Siegtorschütze danach. «Dass es einmal passiert, war schon verrückt. Ich dachte, ich würde erst in wer weiss wie langer Zeit wieder spielen können. Und dann passiert es nochmal.»
Eine solche Verletzung war selbst für Spezialisten neu
Dass Merino überhaupt an der Weltmeisterschaft teilnehmen kann, war lange alles andere als klar. Im Januar erlitt der Arsenal-Profi eine komplizierte Fussverletzung. Zuvor hatte er ein Weilchen unter Schmerzen gespielt, «aber ich habe nicht erwartet, dass ich mir einen Bruch zuziehe», erklärte er The Athletic.
Es handelte sich um einen Ermüdungsbruch in einem Teil des Fusses, der gar für Spezialisten neu war. «Ich hatte Angst», so Merino, «wir hatten keine Beispiele von anderen Leuten.» Seine Hoffnungen auf seine erste und womöglich einzige WM-Teilnahme sah der 30-Jährige in dem Moment dahinschmelzen.
Es folgte eine Zeit der Unsicherheit. Auch dafür, was der richtige Weg in der Reha sein würde, gab es keine echten Anhaltspunkte. Zwei Monate konnte er nicht einmal laufen. Also nutzte er gar einmal einen elektrischen Rollstuhl, um nach draussen zu kommen und mit dem Hund spazieren zu können. «Ich wollte damit einfach ein bisschen Spass haben. Es war eine unterhaltsame Möglichkeit, an die frische Luft zu kommen», erklärte Merino.
Noch viel mehr half ihm in den schweren Monaten seine schwangere Frau Lola. «Es war unglaublich zu sehen, wie sie – schwanger im siebten oder achten Monat – mir half, die Treppe hinaufzukommen», sagte Merino vor Kurzem beim Guardian. Dabei hätte in der Zeit eigentlich er sie unterstützen sollen. «Es war hart für sie, aber sie war extrem stark», äussert der Mittelfeldspieler seine Bewunderung.
Zwischen Verletzung und WM spielte er 28 Minuten
Im Mai konnte er dann endlich wieder auf den Fussballplatz zurückkehren. Bis zur WM spielte er aber nur 28 Minuten. Dennoch glaubte Spanien-Trainer Luis de la Fuente stets an ihn. Schliesslich wusste der, wie wichtig Merino sein könnte. An der EM 2024 hatte der Mann aus Osasuna seine Jokerqualitäten bereits unter Beweis gestellt, als er im Viertelfinal kurz vor Ende der Verlängerung zum 2:1-Endstand gegen Gastgeber Deutschland getroffen hatte.
Nun zahlt Mikel Merino das Vertrauen zurück. Dank der harten Arbeit in der Reha hat er es wieder auf den Fussballplatz geschafft und ist an der WM bisher in jedem Spiel zum Einsatz gekommen. Fünfmal als Joker und im letzten Gruppenspiel gegen Uruguay gar eine Stunde lang als Teil der Startaufstellung. Als er nun im Achtelfinal gegen Portugal traf, dachte er erst einmal an die Verletzung und seine Familie.
Der gemeinsame Sohn ist erst kurz vor der WM auf die Welt gekommen. Während Merino in Nordamerika weilte, war Ehefrau Lola noch in der Heimat. Zum Viertelfinal ist sie mit dem neun Wochen alten Marco aber ebenfalls nach Los Angeles gereist. Nach etwa sechs Wochen ist die junge Familie wieder vereint – und Merino schien dies weiter zu beflügeln.
Nach seinem erneuten Siegtor im Viertelfinal gegen Belgien sagte er: «Hoffentlich geht es so weiter, aber ich bezweifle es.» Merino erklärte aber auch: «Zufälle existieren nicht. Wenn du vorbereitet bist, klappt es wieder.» Und wie es aussieht, ist dieser Mikel Merino mehr als bereit. Frankreich muss sich im Halbfinal vom nächsten Dienstag (21 Uhr Schweizer Zeit) also warm anziehen.
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