Der EV Zug war eine Woche lang so gut wie seit dem letzten Titel nie mehr
Zugs Reaktion auf die 0:5-Pleite vor einer Woche in Biel ist heftig ausgefallen: Mit einem 8:1 in Bern krönen die Zuger eine Woche mit drei Siegen. Sie sind damit nicht nur statistisch (Punkte pro Spiel), sondern auch auf dem Eis und gefühlt die ersten Verfolger der ZSC Lions.
Vor einer Woche, am letzten Samstag, stellte sich nach dem krachenden 0:5 in Biel die Frage: War das nur ein Betriebsunfall? Nun haben wir die Antwort: Ja, das war es tatsächlich. Die Reaktion der Zuger auf diese Pleite ist wahrlich eindrücklich: 7:2 am Dienstag gegen Lugano, 3:2 am Freitag gegen Langnau und am Samstag ein 8:1 in Bern.
18:5 Tore, neun Punkte. Eine grandiose Woche. Ein 8:1 in Bern als Krönung der Zuger Festspielwoche.
Nach einer Partie ist es Brauch, dass ein oder zwei besonders auffällige Spieler zu Interviews gebeten werden. Meistens ist klar, welche zwei oder höchstens drei dafür infrage kommen. Nach dem 8:1 in Bern war es anders: Praktisch die ganze Mannschaft hätte vor die Mikrofone treten müssen. Wer ist besonders positiv aufgefallen? Mindestens ein Dutzend, ja, eigentlich alle – Torhüter Leonardo Genoni inklusive.
Nach zwei Dritteln stand es zwar bereits 4:0 für Zug. Aber das Schussverhältnis war fast ausgeglichen (20:18) und das Spiel war bei Weitem nicht so einseitig, wie es das Resultat vermuten liesse. Wir können sagen: Genoni hat die Zuger mindestens in den ersten 30 Minuten im Spiel gehalten. Es war also alles andere als ein geruhsamer Abend für ihn. Und es wäre trotz des klaren Resultats unhöflich, Zugs letzten Mann nicht zu loben.
Zu den Besten und den vielen Guten gehört Sven Senteler. Mit einem Tor und zwei Assists spielte er als Center zwischen Gregory Hofmann und Nik Petrovic eine starke Partie. Er hat bereits 15 Punkte auf dem Konto und ist hinter Vinzenz Rohrer der zweitbeste Skorer des Teams. Senteler hat gute Chancen, seine Rekordmarke von 26 Punkten aus der Saison 2018/19 zu übertreffen. Es sagt etwas über die Qualität und die Kadertiefe dieser Mannschaft aus, wenn der Mittelstürmer der nominell dritten Linie eine neue persönliche Bestmarke anstreben darf.
Senteler sagt, das Spiel unter dem neuen Trainer Lauri Marjamäki behage ihm: mit der Scheibe spielen und die offensiven Möglichkeiten nutzen. Die Frage kann nicht ausbleiben: Was war nach dem 0:5 in Biel? Er sagt, die Niederlage sei eine heilsame Lehre gewesen:
Robin Nico Antenen (20) wird diese Partie in Bern nicht nur wegen des speziellen Resultats in bester Erinnerung behalten. Er hat am Donnerstag seinen Vertrag vorzeitig um zwei Jahre bis 2029 verlängert – und nun in seinem 67. Spiel sein erstes Tor in der National League erzielt. «Erst dachte ich noch an einen Pass, aber da war kein Gegenspieler mehr vor mir, und so habe ich den Abschluss gesucht …»
Der Puck, mit dem ein Spieler sein erstes Tor in einer Liga erzielt, gehört ihm als Andenken. Rico Gredig hat den Puck für Antenen gesichert. Er hatte ihm auch den Pass zu diesem historischen ersten Karrieretreffer gespielt. Der glückliche Torschütze vergass nicht, sich für dieses Zuspiel zu bedanken.
Die beiden Powerstürmer bilden eine der bissigsten Flügelzangen der Liga. Auf der Tribüne nickte auch der Abgesandte der New York Rangers anerkennend. Er war zur Beobachtung von Gredig angereist, der 2024 von den Rangers gedraftet worden ist. Er beschäftigt sich mit der Frage: Gredig weiterhin bei Zug lassen, damit er sich weiterentwickeln kann, oder ins Farmteam in der AHL holen?
Und wer war der auffälligste Zuger? Ganz eindeutig Vinzenz Rohrer. Er führte als Center den zweiten Sturm zwischen Dominik Kubalik und Mike Künzle. Er hat zwar «nur» ein Tor und einen Assist beigesteuert, dominierte aber bei jedem Einsatz mit Dynamik, Härte, Mut und Schlauheit das Spiel. Er engagierte sich in der Defensivarbeit und war explosiv in der Vorwärtsbewegung.
Eine Rechnung scheint aufzugehen: Rohrer stürmt bei den Zugern in der zentralen Position des Mittelstürmers. Eine Rolle, die er bei den gut besetzten ZSC Lions nicht bekommen hätte. Und er bringt Zug die erhoffte Erhöhung der offensiven Feuerkraft und mehr Unterhaltung auf dem Eis. Eine Win-win-Situation.
Die «Kirschtorten-Revolution» (benannt nach der bekanntesten Zuger Spezialität), die praktisch alle Führungskräfte (Geschäftsführer, Sportchef und Trainer), nicht aber den Häuptling (Präsident und Besitzer Hans-Peter Strebel), aus den Ämtern gefegt hat, zeigt Wirkung. Die alles entscheidende Frage ist allerdings: Gelingt es, aus einer Festspielwoche Wonnemonate oder gar eine neue Ära zu machen? Es ist noch nicht aller Hockeytage Abend.
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