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1:8 gegen Zug – die Mutter aller SCB-Probleme ist die Ausländerfrage

Berns Spieler sind enttaeuscht im Spiel der Eishockey National League zwischen SC Bern, SCB, und EV Zug, EVZ, vom Samstag, 31. Oktober 2026 in Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Berns Spieler sind enttäuscht.Bild: keystone
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1:8 gegen Zug – die Mutter aller SCB-Probleme ist die Ausländerfrage

Nach der krachenden 1:8-Pleite gegen Zug bleibt für den SC Bern einmal mehr die Erkenntnis: Mit sechs brauchbaren Ausländern wäre vieles und manchmal alles anders.
01.11.2026, 06:1301.11.2026, 06:13

Ein Betriebsunfall? Ja, das ist dieses 1:8 gegen Zug auch. Hat denn nicht Zug exakt vor einer Woche in Biel 0:5 verloren und seither mit einem 7:2 gegen Lugano, einem 3:2 gegen Langnau und nun seine Hockey-Festspielwoche mit einem 8:1 in Bern gekrönt? Na also.

Das stimmt. Allerdings war Zug vor einer Woche in Biel beim 0:5 im Quadrat konkurrenzfähiger als nun der SCB beim 1:8 gegen Zug. Und 0:5 auswärts ist statistisch nicht ganz so schmerzhaft wie 1:8 auf eigenem Eis.

Vieles ist beim SCB seit letzter Saison viel besser geworden. Der offensivere, bissiger Stil, die Torhüter und dazu kommen vielversprechende Entwicklungstendenzen der jungen Spieler, allen voran von Rodwin Dionicio. Aber am Ende jeder Diskussion über den SCB steht die Feststellung: Sechs brauchbare Ausländer würden halt schon helfen.

Der Chronist wollte eigentlich nicht schon wieder wegen der SCB-Ausländer polemisieren. Immerhin trägt Verteidiger Ian Mitchell das Ehrengewand des Team-Topskorers, Rodrigo Abols war gegen Zug zwar miserabel und vom Tempo überfordert (kein Skorerpunkt, Minus-3-Bilanz), aber ansonsten bisher recht vielversprechend und Captain Waltteri Merelä ein Vorkämpfer vor dem Herrn und für den Ehrentreffer gegen die Zuger besorgt.

Aber das ist halt nur die halbe Wahrheit. Die ganze Wahrheit: Sechs ausländische Spieler – ein Drittel des Teams – müssen den Ansprüchen genügen, wenn solche Pleiten vermieden werden sollen. Emil Bemström (kein Skorerpunkt, Minus-3-Bilanz), Sonny Milano (kein Skorerpunkt, Minus-2-Bilanz) und Miro Aaltonen (1 Assist, Plus-1-Bilanz) genügten den Anforderungen einfach nicht.

Der SCB leidet unter einem miserablen Scouting. Wenn auf dem Bundesplatz eine Ziege stehen würde, dann käme von der SCB-Scouting-Abteilung die Eilmeldung, man habe vor dem Bundesplatz ein Kamel gesehen. Der SCB ist der einzige Klub der Liga, der gleich drei Nullnummern beschäftigt: Miro Aaltonen (17 Spiele/6 Punkte), Anton Lindholm (13 Spiele/0 Punkte) und Sonny Milano (8 Spiele/4 Punkte). Sechs brauchbare Ausländer würden halt schon helfen.

Torhueter Connor Hughes (SCB) nach einem Treffer im Spiel der Eishockey National League zwischen SC Bern, SCB, und EV Zug, EVZ, vom Samstag, 31. Oktober 2026 in Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Pe ...
Torhueter Connor Hughes (SCB) nach einem Treffer.Bild: keystone

Das ist umso fataler, weil sonst in Bern vieles besser geworden ist. Einer der wichtigeren SCB-Bürogeneräle hat auf der Tribüne seinen Laptop aufgeklappt. In der zweiten Pause schaltet er die von der Firma des ehemaligen Verteidigers Andreas Hänni entwickelten sog. Advanced Statistics auf. Dieses Wunderwerk liefert aufgrund der Expected Scoring Chances ein Verhältnis von etwa 2,3 zu 2,1 für den SCB aus. Der SCB müsste also nach zwei Dritteln in Führung liegen. Aber es steht bereits 0:4.

Ganz absurd sind diese Zahlen allerdings nicht. Der SCB hat wacker mitgehalten und immerhin zeigt sich, dass die Mannschaft durchaus Potenzial hat und jetzt nicht gleich alles über den Haufen geworfen werden muss. Aber eben: Sechs brauchbare Ausländer würden halt schon helfen.

Dann kommt der Chronist mit einem Abgesandten aus der National Hockey League (NHL) ins Gespräch. Er ist nach Bern gereist, um einen Spieler zu beobachten, den seine Organisation gedraftet hat. Nun geht es darum, ob dieser Spieler zwecks Weiterentwicklung vorerst in der National League bleibt oder ins Farmteam geholt werden soll. Folgendes Zwiegespräch ergibt sich, das hier verkürzt wiedergegeben werden soll. «Du bist wohl da, um einen NHL-Erstrundendraft zu beobachten.» – «Nein, wen meinst Du?» – «Sonny Milano» – «Ach so, ja natürlich. Aber das ist halt einer, der meint, Talent genüge. Das war letzte Saison schon in der Organisation von Washington sein Problem.»

Da haben wir es: Viel Talent, kein Biss und nicht fit. Schlimmer noch: Nicht fit. Eigentlich hätte das die SCB-Scouting-Abteilung wissen können, ja müssen und dafür sorgen können, ja müssen, dass sich ihre Neuerwerbung im Sommer einem intensiven Aufbautraining unterzieht. Aber wir wollen nicht grübeln. Es ist nun halt, wie es ist. Was nichts an der Feststellung ändert: Sechs brauchbare Ausländer würden halt schon helfen.

Nach dem Spiel geht die Frage an SCB-Trainer Serge Aubin, ob es nicht helfen würde, sechs brauchbare Ausländer zu haben. Natürlich geht der smarte Kanadier nicht auf eine so handgestrickte Provokation ein. Immerhin bestätigt er, dass Sonny Milano Schwierigkeiten habe, sich ins Team zu spielen und Spielpraxis brauche. Gegen Zug kam der Amerikaner zu seinem 8. Einsatz mit dem SCB. Er war miserabel. Null offensive Wirkung und bloss gut 10 Minuten Eiszeit. Auf die Frage, ob es denn nicht sinnvoll wäre, den Stürmer zwecks Formaufbau und Spielpraxis leihweise an ein Team in der Swiss League auszuleihen, sagt Serge Aubin: «Daran habe ich noch gar nicht gedacht.» Nun gebe er den Spielern vier Tage frei, um den Kopf zu lüften. «Aber Sonny Milano muss während dieser Zeit in den Fitnessraum, oder?» Serge Aubin hat Sinn für Ironie und antwortet auf diese Frage: «Sie sind aber bei diesem Thema hartnäckig …» Ja, das ist der Chronist. Weil sechs brauchbare Ausländer halt schon helfen würden.

Eine Szene aus dem letzten Spiel.
Eine Szene aus dem letzten Spiel.bild: keystone

Der SCB ist das einzige Team der Liga, das freiwillig in jeder Partie mindestens zwei unbrauchbare Ausländer einsetzt. Insgesamt drei Ausländerlizenzen werden für Nieten (Milano, Lindholm, Aaltonen) verschwendet. Das ist fatal. Die Beispiele von Ajoie, Ambri und Langnau – die drei Überraschungsteams der Saison – zeigen: Sechs brauchbare Ausländer tragen ein Team. Sechs Ausländer machen fast ein Drittel eines gesamten Teams aus. Immerhin beansprucht nicht mehr ein ungenügender Goalie eine Ausländerlizenz wie in den letzten drei Jahren. Das Goalie-Problem ist beim SCB gelöst. Es war nicht die Schuld von Connor Hughes, dass das SCB-Spiel mit drei Gegentreffern in weniger als fünf Minuten wie ein Kartenhaus zusammengebrochen ist. Sechs brauchbare Ausländer hätten den Untergang vermeiden können.

Marc Lüthis Nachfolger Jürg Fuhrer ist ein kluger, besonnener Manager. Er wartet im Bärengraben vor dem Eingang zur Kabine auf die vom Eis kommenden Spieler zum tröstenden Abklatsch. Aber in die Kabine geht er nicht. Das ist weise. Jeder Auftritt eines Managers nach einer solchen Enttäuschung in der Kabine schwächt die Autorität des Trainers. Mit Serge Aubin hat der SCB kein Trainerproblem.

Aber eben: Der SCB hat – inzwischen seit der letzten Meisterfeier im Frühjahr 2019 Saison für Saison – ein Ausländerproblem. Von einer Korrektur – der Verpflichtung eines neuen Ausländers (der SCB hat erst sieben von zehn Lizenzen gelöst) – will Jürg Fuhrer nichts wissen. «Nein, wir arbeiten nicht an der Verpflichtung eines weiteren ausländischen Spielers.»

Da bleibt nur die Frage: Wo wäre der SCB mit sechs brauchbaren Ausländern? Ganz einfach: Berechnet nach Punkten pro Spiel auf Rang 2 hinter den ZSC Lions. Und nicht hinter den Zürchern, Zug, Ambri und Servette bloss die Nummer 5. Die Ausländerfrage ist die Mutter aller Probleme beim SCB.

P.S. Hier noch ein kleiner Trost für die Berner: Am 19. Januar 1997 hat der SCB in Bern gegen Zug 3:7 verloren. Am Ende gewann der SCB mit Trainer Bryan Lefley die Qualifikation und im Final gegen Zug die Meisterschaft. Aber damals hatte der SCB kein Ausländer-Problem.

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