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Die Tigers wandeln sich zu einem Spitzenteam – findet Eismeister Zaugg

Tigers Goalie Luca Boltshauser, links, und Noah Meier, freuen sich nach dem Eishockey-Qualifikationsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Fribourg-Gotteron, am Mittwoch, 28. Ok ...
Die Tigers befinden sich im Höhenflug.Bild: keystone
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Langnau – ein Überraschungsteam auf dem langen Weg zu einer Spitzenmannschaft

Ein Augenschein vor Ort im Emmental zeigt erstaunliche Fortschritte auf und neben dem Eis. Und ein Gottéron-Fan wird mit einer beunruhigenden Zukunftsvision konfrontiert.
29.10.2026, 15:1329.10.2026, 15:13

Sportchef Pascal Müller ist beunruhigt. Juuso Riikola gehört zu den vier, fünf besten und verlässlichsten Verteidigern der Liga. Der Vertrag mit dem Finnen läuft aus. Er wird im November 33 und spielt schon im vierten Jahr in Langnau. Der nächste Vertrag wird wahrscheinlich sein letzter im Ausland sein. Also Zeit, vor der Rückkehr in die Heimat noch einmal richtig in die Pensionskasse zu investieren.

Pascal Müller verdankt den Frieden in der Kabine auch einer gerechten Lohnhierarchie und er muss sich sowieso ans Budget halten. Er wird also beim Salär nicht nachlegen. Wird er deshalb seinen bewährten Verteidigungsminister an die besser zahlende Konkurrenz verlieren? Das ist die Sorge, die ihn in diesen Tagen umtreibt.

Frage also an Juuso Riikola: Wonach steht ihm der Sinn? Bleiben oder gehen? Er lässt sich nicht zu einer konkreten Antwort provozieren, macht aber eine Aussage, die sein Sportchef sicherlich gerne hört: «Es ist durchaus möglich, dass ich in Langnau verlängere.» Eine Erkundigung am nächsten Tag bei seinem Agenten (der Name tut nichts zur Sache) ist erfreulich für Langnau: «Wir haben kein konkretes besseres Angebot der Konkurrenz auf dem Tisch. Die Chancen, dass er bleibt, sind höher als 50 Prozent. Seiner Familie gefällt es in Langnau und er spielt in einem Team, dass immer wieder gewinnt. Die Langnauer machen es wirklich gut, das muss ich schon sagen…»

Das ist es: Am Ende des Tages spielt jeder lieber in einem Team, das öfter gewinnt als verliert, und dort, wo sich seine Familie wohlfühlt. Wer öfter gewinnt als verliert und stabile Verhältnisse rund um die Sportabteilung aufbaut, hat auch ohne Aufstockung des Budgets bessere Chancen auf dem Transfermarkt. Langnaus erstaunliche Resultate erhöhen die Aussichten, ein Überraschungsteam nach und nach zu einem Dauergast der oberen Tabellenhälfte zu machen.

Eine Episode aus der Jakob-Galerie hilft, Langnaus sportliche Entwicklung besser zu verstehen. Die Jakob-Galerie steht in keinem Zusammenhang mit dem Jakobsweg. Es handelt sich um die VIP-Loge im Hockey-Tempel an der Ilfis, benannt nach seinem Erbauer und Tiger-Obmann Peter Jakob.

Die aktuelle Tabelle der National League.

Geschäftsführer Dieter Aeschimann pflegt dort vor dem Spiel zur Unterhaltung der Gäste kurze Interviews mit prominenten Matchbesuchern zu führen. Vor der Partie gegen Gottéron hat er Fritz Lehmann eingeladen, den Captain des bisher einzigen Meisterteams von 1976. «Fridu» ist inzwischen 82, in beneidenswerter Form und sorgt mit allerlei Schwänken aus meisterlichen Zeiten für gute Laune und viele Lacher. Auf die letzte Frage, welche Botschaft er an Langnaus Trainer habe, betont Lehmann, wie wichtig es sei, dass die Mannschaft den Mut zur Offensive habe.

Im Spiel gegen den Meister wird sich kurz darauf zeigen: Eine weise Analyse. Erst als die Langnauer merken, wie gut sie sind und Mut zur Offensive fassen, bricht Gottérons meisterliches Kartenhaus zusammen.

Die Highlights des Langnauer Sieges gegen Gottéron.Video: YouTube/SCL Tigers

Gut 30 Minuten lang tanzte der Meister den Langnauern auf der Nase herum. Alle erdenklichen Statistiken sprachen für Gottéron. Die Emmentaler liefen dem Puck und ihren Gegenspielern meistens hinterher. Gottéron kontrollierte das Spiel gegen die viel zu passiven Tiger leichten Fusses und nach Belieben. Die Führung nach gut 25 Minuten (2:1) war logisch und viel zu knapp. Auf der Tribüne sassen erfahrene Kenner der Szene und ehemalige Trainer und die Meinungen waren gemacht: Gottéron könne diese Partie nicht verlieren. Diese spielerische Dominanz! Diese Sicherheit im Umgang mit der Scheibe! Diese Puck-Stafetten! Diese defensive Sicherheit! Gottéron gebe Langnau in diesem Spiel gar nichts! Hochklassiges Hockey! Grosses Gottéron!

Es war auf defensiven Sand gebaute Herrlichkeit. Gottéron wirkte nur so stark, weil die Langnauer noch nicht gemerkt hatten, wie gut sie sein können. Erst so ab Spielmitte erinnern sie sich daran, dass sie ja am Vorabend Lausanne auswärts mit 9:3 vom Eis gefegt hatten. Sie werden endlich, endlich mutiger, bekommen Wind unter die Flügel und beginnen, vorwärts zu laufen und die scheibenführenden Gegenspieler unter Druck zu setzen. Trainer Roger Rönnberg versucht noch mit einem Time-Out den Rhythmus zu brechen. Es nützt nichts mehr. In weniger als zehn Minuten machen die Langnauer im Schlussdrittel aus dem 1:2 ein 3:2 und am Ende heisst es 4:2.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
Player Image

Nation Flag

Aktuelle
Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

In dieser ausgeglichensten Qualifikation seit Menschengedenken sind die Hockeygötter mit den Mutigen. Langnaus Trainer Thierry Paterlini (bis 2029 unter Vertrag) hatte bereits vor der Saison gesagt, nun sei die Zeit gekommen, mehr zu wagen. Mehr mit dem Puck anzufangen. Offensiver zu werden. Nun setzt er dieses Vorhaben mehr und mehr um.

Je öfter die Langnauer gewinnen, desto besser sind die Aussichten für Sportchef Pascal Müller, die erste Adresse für entwicklungsfähige junge Spieler zu werden, seine Männer zusammenzuhalten und ein aktuelles Überraschungsteam stabil in der oberen Tabellenhälfte zu etablieren.

Es gibt noch eine Episode. Die Emmentaler pflegen seit Generationen den Kulturaustausch mit dem Welschland. So kommt es, dass ein älterer Herr aus dem französischsprachigen Teil des Kantons Freiburg zu Gast ist. Beim Wein und vorzüglicher Speise stellt sich heraus, dass er mit Gottérons Meister-Captain Julien Sprunger befreundet ist. Nach dem Interview mit Fritz Lehmann sagt ein vorwitziger Gast zum Mann aus dem Lande Gottérons: «So wird es bei Euch in 42 Jahren sein, wenn Julien Sprunger als 82jährige Legende euren VIP-Gästen erzählt, wie es damals war, als ihr euren einzigen Titel geholt habt…»

Das Lächeln des freundlichen älteren Herrn über diese Stichelei wirkte ein wenig gequält. Fast so, als ob sei ihm in diesem Augenblick bewusst geworden, dass es genauso kommen könnte.

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quelle: keystone / ennio leanza
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Video: watson
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